Der Südosten

Montag 10.04.
Wir werden von Motorenlärm geweckt. Auf der Campground-Zufahrt
sehen wir den Grund. Baumaschinen arbeiten an der
Zufahrtsstraße
und zwei Lastzüge mit Schotter sind schon die schmale
„Waldstraße“ heraufgekommen. Es wird
offenbar an der
Straße weitergebaut sodass es später eine
Einbahnstraßenregelung für die Parkzu- und abfahrt
geben
wird.
Im Moment ist aber Rangieren angesagt. Die LKW fahren halb in den Wald
hinein und unser Mobil muss auch mit den linken Reifen runter vom Weg,
dann haben wir freie Fahrt.
Wegen der frühen Tageszeit bleibt das auch so bis nach 15 km
uns
ein Auto in den Serpentinen entgegenkommt. Der Fahrer stoppt uns und
bittet darum Platz zu machen denn es kommt ein Tieflader mit einer
Planierraupe den Berg herauf. Wir drücken unser
Gefährt so
dicht es geht an die Felsen und zentimeterweise rangiert der Transport
an uns vorbei. An der Talseite passt kein Fuß mehr zwischen
Reifen und Abgrund. Hut ab vor diesen LKW-Fahrern. Wir waren schon
stolz mit dem WOMO diese Zufahrt geschafft zu haben, aber was die
Profis leisten ist schon Anerkennung wert.
Im Tal angekommen, führt der Weg weiter landeinwärts und wieder stetig bergauf auf immer schmalerem und buckligerem Highway in Richtung Tenterfield. Dort in der Nähe liegt der „Bald Rock NP“.
Der Bald Rock ist der größte Granitmonolith südlich des Äquators. Er liegt wie ein überdimensionaler Findling auf der Hochebene und hat eine größere Masse als der Uluru (ehemals Ayers Rock). Allerdings hat der Bald Rock nicht die spirituelle Bedeutung wie der Uluru und ist längst nicht so bekannt. Der „kahle Felsen“ (Bald Rock, 1277 Meter über NN.) kann bestiegen werden und hat überirdisch noch gewaltige Ausmaße: Länge 750 m, Breite 500 m, Höhe 260 m über das umliegende Buschland. Seine größte Masse liegt aber unter der Erdoberfläche.
Es führen zwei Wege hinauf, ein 600 Meter langer
direkter Aufstieg
über die steile blanke Flanke und ein flacherer Pfad durch
Wald
und Fels auf den Gipfel.
Bei Regen oder Tau in den Morgenstunden ist der direkte Weg sehr
gefährlich. Jetzt am frühen Nachmittag im
Sonnenschein
bereitet er uns nur heftiges Herzklopfen und Atemnot wegen seiner
Steilheit. Die durchtrainierte Ramona hängt uns mit
Leichtigkeit
ab und schaut von oben zu wie wir uns auf der halben Höhe
hinaufquälen und in den Verschnauf- und Atempausen den Blick
über den umliegenden Urwald schweifen lassen. Der Blick von
oben
ist grandios, nur der Horizont mit der Linie zwischen dem blauen Himmel
und dem günen Blätterdach des Waldes begrenzt ihn in
der
Ferne.
Auf der Rückfahrt entdecken wir das erste Rudel Känguruhs in freier Wildnis. Es sind mehrere Tiere die auf einer Waldlichtung grasen. Sie sind mit der Fellfarbe perfekt an ihre Umwelt angepasst. Sie heben die Köpfe und schauen uns genauso neugierig an wie umgekehrt.
In Tenterfield wird noch eingekauft, dann fahren wir einem herrlichen Sonnenuntergang entgegen. Um Punkt 18:00 Uhr steht das WOMO 18 km vor „Glen Innes“ in einem Waldweg.
Als Teewasser aus dem gekauften Trinkwasserkanister umgefüllt werden soll ist dieser leck. Unten im Schapp ist alles nass. Nach dem Abendbrot will Brigitte spülen und stellt fest, dass der eingebaute Wassertank leer ist. Irgend etwas stimmt da nicht, entweder hat auch der ein Loch oder nur ein geringes Fasssungsvermögen.
Dienstag 11.04.
Heute startet der Motor schon um 6:00 Uhr. Im
nächsten Ort mit
Tankstelle wollen wir tanken und gleichzeitig Wasser
auffüllen.
Dort stellen wir fest, dass Ingo in Rainbow Beach vergessen hatte den
Gewindeanschluss des Wasserschlauchs vom Wasserkran wieder
abzuschrauben. Jetzt wissen wir wieviel Liter der Tank fasst, denn er
hat ihn mit einer Kanne füllen müssen. Es passten ca.
70
Liter hinein.
Ein Loch ist nicht zu finden, aber der Entlüftungsschlauch
sitzt
vorne oben auf dem Tank. Wahrscheinlich schwappt in jeder Kurve und bei
jedem Bremsen ein guter Schluck Wasser durch die Entlüftung.
Ich
schnitze einen Holzstöpsel und verschließe die
Entlüftungsöffnung während der Fahrt. Es
sollte sich als
richtige Maßnahme erweisen, denn von nun an reichte das
Wasser
viel länger.
Nach dem Frühstück fahren wir den New England Highway „N15“ südwärts und erreichen um 16:15 Uhr Sydney.
Schon zu Hause hatten wir im Internet nach einem citynahen
Wohnmobil-Stellplatz gesucht und sind in North-Sydney, Neutral Bay,
gegenüber dem Sydney Opera House fündig geworden.
Nun suchen wir in der 4,2 Millionenstadt die Adresse und finden sie
nach einigem Umherirren und Fragen auch. Allerdings gibt es an diesem
Ort gar keinen Stellplatz, es ist ein mehrstöckiges
Appartementhaus. Inzwischen ist es dunkel und die „rush
hour“, der Feierabendverkehrs-Wahnsinn, hat eingesetzt. Mit
viel
Intuition und Gottvertrauen schwimmen wir mit dem Verkehr in Richtung
North Ryde zum nächstgelegenen Campingplatz, wenn nicht gerade
alles steht.
Gerade rechtzeitig fragen wir an einer Tankstelle, denn an der
nächsten Ampel müssen wir abbiegen und finden dank
der soeben
erhaltenen Beschreibung den „Lane Cove River Tourist
Park“.
Mittwoch 12.04.
Der heutige Tag ist Sydney gewidmet. „ Sydney ist
toll“ ist später unsere einhellige Meinung.
Nach dem Frühstück bringt der Bus uns vom
Campingplatz zur
Railway Station Chatswood. Acht Stopps und 10 km später
steigen
wir an der Central Station aus. Der erste Weg führt zum 325
Meter
hohen Sydney Tower. Von der verglasten Plattform in 1000 feet (304,8 m)
Höhe hat man einen tollen Überblick über die
Stadt.
Sydney hat ca. 300 Sonnentage im Jahr und ein Klima wie bei uns am
Mittelmeer. Auch heute wölbt sich eine blaue Glocke
über das
Häusermeer bis zum Horizont. Dabei erkennen wir auch, dass die
Sehenswürdigkeiten in der City gar nicht so weit voneinander
erntfernt und gut zu Fuß erreichbar sind.
Durch den Hyde Park, vorbei an der 1868 errichteten
„St.
Mary`s Cathedral“ erreichen wir den „Royal Botanic
Garden“ an dessen Nordspitze die weißen Segel der
„Sydney Opera“ leuchten. Hier, in unmittelbarer
Nähe
zu den Wolkenkratzern der City, joggen ständig Menschen
über
die Parkwege. Es scheint ein Volkssport für die
Städter zu
sein oder Ausgleich für die Büroarbeit in den
Glaspalästen nebenan. In der Mittagspause wird der Park von
hunderten Besuchern bevölkert die hier auf dem Rasen oder den
Parkbänken sitzend ihre Lunch-Brote verzehren.
An den Parkeingängen sind Schilder aufgestellt mit der
Aufforderung, den Rasen zu betreten und die Bäume zu umarmen.
Auf den Stufen der Oper, im Schatten ihrer Segel, schlecken wir ein Eis
und schauen dabei dem An- und Ablegen der Fähren am
„Circular Quay“ zu.
Eine von ihnen nimmt uns etwas später mit nach North Sydney, Neutral Bay, wo wir gestern schon mit dem WOMO (Abkürzung für Wohnmobil) herumgeirrt sind. Vom Wasser ergeben sich wieder herrliche Perspektiven auf Down Town, The Opera und die Harbour Bridge.
Nicht weit entfernt beginnt die restaurierte Altstadt Sydney´s, genannt „The Rocks“. Neben diversen Boutiquen und den verschiedensten Restaurants finden wir hier einen „Löwenbräu-Keller“. Ach wie herrlich schmeckt uns hier Hefeweizen, Brezel, Wurstsalat, Leberkäs, Flammbrot und richtiges Graubrot.
Frisch gestärkt wieder am Fährhafen, fahren wir diesmal unter der Harbour Bridge hindurch nach Darling Harbour. Am Aquarium steigen wir aus und schlendern unter der Monorail-Trasse entlang durch die Häuserschluchten zum „Queen Victoria Building“.
Das heutige Shopping Highlight im Jugendstil wurde 1898 anlässlich des Goldenen Jubiläums der Königin als Frucht- und Gemüsemarkt erbaut. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde es 1986 in voller Pracht wieder eröffnet.
Nachdem wir uns im Tower eine 3-D-Show über
Australien
anschauten ist es schon dämmerig. Der weitere Weg
führt uns
wieder zum Wasser. Inzwischen werden die Brücke und die Oper
angestrahlt. Ramonas Wunsch Sydney bei Nacht zu sehen erfüllt
sich
somit. Eine Hafenrundfahrt bei Nacht setzt das i-Tüpfelchen
auf
diesen Tag.
Ramonas Fazit zum Abschluss: „Ein geiler Tag“.
Donnerstag 13. 04.
Sydney ist wirklich eine große Stadt. Wir brauchen
über
eine Stunde um die Außenbezirke zu verlassen. Wir fahren ans
Meer. In Wallongong baden wir in der Tasman See.
Auf der Weiterfahrt merken wir, dass die Osterfeiertage bevorstehen,
der Verkehr wird immer dichter.
Von der Küste selbst ist sehr wenig zu sehen denn der Highway führt wieder schätzungsweise 6 bis 8 Kilometer entfernt durchs Hinterland. Es gibt Stichstraßen, die an Strände oder zu Orten an der Küste führen. Auch wir biegen später auf eine von ihnen ab und erreichen Durras, einen Ferienort am Strand.
Der erste Campingplatz, den wir anfahren ist voll belegt, der zweite bietet noch einen markierten Stellplatz oder mehrere Wiesenplätze. Als wir bei 45 Dollar Miete etwas lange beraten wird auf 40 Dollar revidiert. Das WOMO wird auf den letzten markierten Platz gestellt.
Um nach dem langen Sitzen wieder in Bewegung zu kommen, steht als erstes eine Strandwanderung an, die bei Einbruch der Dunkelheit beendet wird. Es ist zu merken, dass wir inzwischen weit im Süden sind, denn das Wasser ist hier schon sehr kalt und lädt wirklich nicht mehr zum Baden ein.
Wieder auf dem Platz grillen Ingo und ich Schnitzel auf den
hier
üblichen, frei nutzbaren Gasgrills. Nach dem Abendessen werden
Karten geschrieben, noch etwas erzählt und dann ist Nachtruhe.
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