Hier besuchen wir das
Kurische Haff. Über Litauens Hafenstadt KLAIPEDA /
MEMEL erreichen wir den Nationalpark mit seinem berühmtestem
Ort NIDA
/ NIDDEN.
Übersicht
über die Strecke bis Litauen
(Bilder-Album am Seitenende)
20. Tag (10.06.05)
Wettermäßig beginnt der Tag sehr viel versprechend. Ein hellblauer Himmel der sich nach und nach mit kleinen Wolken schmückt, verabschiedet uns aus Polen und begrüßt uns in Litauen.
Schon ab der letzten größeren Stadt in Polen, SUWALKI, wird die Straße breiter, besser in der Oberfläche und die Alleebäume sind nun auch verschwunden.
Mit den Ländern ändert sich auch die Landschaft. Aus den Hügeln werden leichte Wellen und näher zum Memeldelta wird die Gegend topfeben. Vergleiche mit Finnland drängen sich auf, in den kleinen Orten durch die wir fahren, sind die Mehrzahl der Häuser aus Holz gebaut, Laubgehölze hat die Kiefern weitgehend abgelöst, die Flächen dehnen sich weiter und die Straßen sind fast schnurgerade.
Die Strecke führt
uns auf
Nebenstraßen parallel zur Grenze der russischen Enklave
Kaliningrad nach Norden bis über den Fluss Memel. Ihm folgen
wir
stromabwärts, anfangs direkt, später in einigem
Abstand -
er bildet hier die Grenze - nach Westen bis zum Kurischen Haff. Die
Straßen sind alle in gutem Zustand.
Das hat auch Meister
Adebar
erkannt und wollte sie so einem blöden Reisemobil nur
äußerst
ungern überlassen. Der Storch stolzierte von der rechten auf
die
linke Seite und dann wieder auf der Mitte der Fahrbahn vor uns her.
Erst nach einigen Fotos und nachdem ich ihm doch zu dicht auf die
Federn rückte, schwang er sich in die Luft.
Um die Storchenpopulation ist mir nicht Bange. Bei uns eine Rarität geworden, bevölkern sie Polen und auch hier in Litauen zu hunderten die Strom- und Telegrafenmasten, Schornsteine, Hausdächer, Wassertürme, Straßenlaternen und eigens aufgestellte Nisthilfen. Die Jungstörche sind schon so groß, dass man sie oft sehen kann, aber flügge sind sie noch nicht.
Auf einer Halbinsel im Haff, in VENTE, 50 Kilometer südlich KLEIPEDA / MEMEL, finden wir unseren heutigen Campingplatz „Ventaine“. Es ist ein Bauernhof der es inzwischen zu einem Campingplatz, einer Holzhüttenvermietung und einem neuerbauten Hotel gebracht hat. Die Preise sind aber auch verhältnismäßig hoch und wahrscheinlich für den Durchnitts-Litauer nicht erschwinglich, denn es findet sich hier kein Einheimischer sondern nur Besucher per Wohnmobil und - wagen von Finnland bis Spanien.
Der Platz kostet uns 60 LT das sind 17,50 EUR. Zum Vergleich dazu bezahlten wir heute für das Essen im Restaurant mit Getränk für zwei Personen 36 LT, umgerechnet 11,62 EUR
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, als Westeuropäer kann man in Polen und auch in Litauen noch sehr preiswert Urlaub machen. Nach dem allgemeinen Preisgefüge dieser Länder sind die Campingplätze aber teilweise teuer, sie bewegen sich manchmal auf westlichem Preisniveau ohne gleichen Service zu bieten..
21. Tag
Die nächste Etappe ist KLAIPEDA / MEMEL am Nordende des Kurischen Haffs, die drittgrößte Stadt Litauens. Der Unterschied zum bisher Gesehenen könnte krasser nicht sein.
Die
Schnellstraßen und größeren
Städte meidend, führte bisher der Weg durch
ländliches
und offensichtlich ärmliches Gebiet. Ältere bis alte
Menschen bewirtschafteten kleine bis kleinste Flächen nach Art
wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Da wird das Gras mit der Sense
gemäht und mir der Harke gewendet. Ein anderer hat ein Pferd
und
eine Schleppharke um das Heu in Reihen zu ziehen. Wieder ein anderer
hat an seinem uralten Traktor einen Mähbalken für den
Grasschnitt. Rüben werden mit der Stielhacke vereinzelt und
Kartoffeln mi derselben angehäufelt.
Ab und zu sind vereinzelt
Kühe
zu sehen die unweit der Straße grasen, die Hörner
mit
einem langen Strick angepflockt. Es fahren mehr einspännige
Pferdefuhrwerke als Traktoren.
Andererseits rollten wir durch große, scheinbar von Kolchosen bewirtschafteten Flächen ohne jemand bei der Arbeit zu erblicken. Verwunderlich war, dass wir kaum junge Menschen oder Kinder sahen. Jetzt wissen wir warum, die sind alle in der Stadt!
Wer Geld verdienen will muss offensichtlich in die Stadt kommen, hier steppt der Bär. Schon weit vorher auf der Grünen Wiese werden Industriehallen aus dem Boden gestampft, Kräne zeigen Bautätigkeit an, der Verkehr brodelt und würgt sich fast selbst ab. Es wird gefahren als ob es keine Regeln gäbe bzw. nach der Devise „wer den stärksten Motor hat, hat auch Recht“.
Standard ist das Überholen in den gefährlichsten Situationen, Fahrbahnwechsel ohne Zeichen, bloß weil vorne jemand bremst oder nicht schnell genug anfährt, einfach in den fließenden Verkehr einfahren. Niemand hat Zeit. Unfälle sind an der Tagesordnung. Noch bevor wir die Innenstadt erreichen stehen wir im Stau weil zwei Personenwagen sich auf der Straßenmitte ineinander verkeilt haben.
Die Stadt ist voll Menschen. Im Umfeld von zwei Wochenmärkten geht es zu wie auf dem Rummelplatz.
In der Nähe der
Altstadt, am
Rathausplatz findet sich eine Parkmöglichkeit. Auf dem
Siemon-Dach-Springbrunnen steht die Statue des
Ännchen von Tharau.
In der Nähe befindet sich auch die
Touristinformation. Es wird deutsch
gesprochen. Die Infos sind viel versprechend:
Der zu Litauen
gehörende Teil der Kurischen Nehrung ist ein Nationalpark und
seit dem Jahr 2000 von der UNESCO in die Liste des Natur- und
Kulturerbes aufgenommen. Er ist halbstündlich mit der
Fähre
zu erreichen. In NIDA, kurz vor der Grenze zur russischen
Enklave, gibt
es einen Campingplatz.
NIDA war in den dreißiger Jahren Sommerdomizil von Thomas
Mann .
Wir fahren hin. Dazu muss vorher getankt werden. Auf dem Kassenbeleg ist eine, um eine Stunde spätere Uhrzeit aufgedruckt. Im Baltikum ist man der Mittel-Europäischen-Zeit (MEZ) um eine Stunde voraus aber der Reiseführer schreibt, dass es hier keine Sommerzeit gäbe und daher im Sommer Zeitgleichheit herrscht. Es könnte sich also um eine falsch gestellte Uhr in der Kasse handeln. Als die Uhr an der Fähre auch die andere Zeit zeigt ist uns klar: Hier gehen die Uhren anders!
Später finden wir in den aktuellen baltischen Unterlagen, dass es hier jetzt auch eine Sommerzeit gibt.
Die Überfahrt dauert fünf Minuten, weniger als der Ticket-Kauf. Beim Eingang in den Nationalpark muss pro Auto noch eine „Oekosteuer“ bezahlt werden, dann führt die einzige Straße der Nehrung 47 Kilometer durch eine dicht mit Kiefern bepflanzte Dünenlandschaft bis NIDA / NIDDEN. Vergleiche mit der Senne drängen sich auf.
Wie erwartet ist der
Campingplatz hier
noch teurer, denn die Nehrung ist Litauens Sylt. Gleich in der
Nachbarschaft steigt die höchste Wanderdüne des
Nationalparks empor. Die Räder werden vom Träger
herunter
genommen, dann NIDA und das Umland bis zum nächsten
Ort
erkundet.
Dort kann ich an den vielen Fischräucherbuden nicht
mehr vorbeifahren. Zwar schimpft Brigitte wegen der Kalorien, aber
ich kaufe für 1,25 Euro zwei kleine geräucherte
Fische,
einen Barsch und einen Zander. Es ist nicht all zu viel dran, doch
wir wollen ja nur probieren und vergleichen – der Zander ist
Sieger.
Im Hafen von NIDA ist eine große Bühne aufgebaut auf der das Rundfunkorchester probt und das Litauische Fernsehen seine Kameraeinstellungen testet. Heute Abend wird die Show live im Fernsehen sein, und wir sind dabei.
Wir sind für 21 Uhr noch einmal mit den Fahrrädern zum Konzert gefahren. Während der Werbepausen gibt es Musik aus der Konserve aber ansonsten geht die Post ab, Rock und Swing vom feinsten, da zuckt es in den Beinen.
Ein schöner Abend!
22. Tag
In den frühen Morgenstunden beginnt es zu regnen und hält bis zum Frühstück an. Dann beschließen wir, zu Fuß auf die Düne und in das „Tal des Todes“ zu wandern
Die Kurische Nehrung ist ein 97 Kilometer langer Festlandsstreifen zwischen der Ostsee und dem Haff. Er wurde vor mehr als 5000 Jahren von Wellen, Strömungen, Wind und Sand geformt und immer wieder umgeformt. So wurde NIDA, der größte Ort im Litauischen Teil, von Sandverwehungen schon zweimal zur Umsiedlung gezwungen. In Dokumenten der Kreuzritter im Jahre 1385 zum ersten Mal erwähnt, lag der Ort am nördlichen Ufer des „Grabscher Hakens“. Wegen wandernden Dünen wurde er zwei Kilometer nach Norden verlegt. Im Jahr 1730 musste NIDDEN noch einmal weichen und wurde am heutigen Platz errichtet. Durch Sandverbauungen und intensive Aufforstungen im 19. Jh. ist es gelungen die Dünenwanderungen weitgehend zu stoppen.
Auf diese hohe
Wanderdüne Parmidzio Kopa /
Parniddener
Düne steigen wir nun hinauf. Auf ihrer ca. 60 Meter hohen
Kuppe wurde im Jahr 1995
eine sehr große Sonnen- und Monatsuhr gebaut. Im Jahre 1999
hat
ein Orkan die oberen ca. 5 Meter des granitenen Schattenwerfers aus
der Verankerung mit seinem Unterteil gerissen und zerbrochen.
Von
hier bietet sich ein freier Blick auf NIDA, das Haff, die Ostsee und
hinüber zum russischen Teil der Nehrung.
Auf halbem Weg zwischen der Parniddener Düne und der Grenze liegt das „Tal des Todes“, so genannt weil hier viele französische Kriegsgefangene in den Jahren 1870- 72 in einem Lager infolge schlechter Bedingungen verhungert sind.
Mit einem Marsch in dieses Tal, durch die Dünen zum Haff, wieder hinauf zur Sonnenuhr und zurück zum Campingplatz ist der halbe Tag um.
Wo früher der Postweg von Memel nach Königsberg verlief, rollen am Nachmittag unsere Fahrräder. Auf Teilen der Strecke ist heute ein Radweg angelegt. Er verbindet die Ortschaften NIDA, PREILA, PERVALKA, das zweite große Dünengelände die Agilos kopa / Negelsche Düne, und den zweitgrößten Ort der Nehrung JUODKRANTE im Norden.
Bis zum Bohlenweg auf die Negelsche Düne radeln wir und schauen uns auf der Höhe um. Auch hier ein großartiger Rundumblick, zumal jetzt sogar die Sonne scheint.
Die heutigen 45 Fahrrad-Kilometer haben uns über die 300er Marke auf dieser Reise gebracht.
Morgen fahren wir nach Lettland, also unter „Lettland“ weiter lesen.
Was Sie noch interessieren könnte: Themen-Links und Inhaltsverzeichnis

Impressum Kontakt Inhaltsverzeichnis/sitemap Haftungsausschluss/disclaimer
© Alle Rechte bei: Franz J. Kaiser, Delbrück URL: http://www.f-j-kaiser.de