Die Region Andalusien
umfasst acht Provinzen, Almeria ist eine davon.
Hier liegt, an der Südostecke Spaniens, der
Naturpark Cabo de Gato-Nijar. Es ist eine karge Landschaft
und Küstenregion, die trotzdem oder gerade deswegen ihre Reize
hat.
Von den Mauren
geprägt, ist die Region Andalusien
auch heute noch von nordafrikanischem Flair umgeben.
Stierkämpfe,
Fiestas, Folklore, Touristenzentren und
Agrarfabrikation einerseits, aber auch Armut und einfaches
Leben sowie verfallene Fischfabriken und
trockene, karge Felder andererseits, das alles ist Andalusien.
So hatten wir uns Spanien
vorgestellt.

Seit Cartagena heißt der Küstenabschnitt COSTA CALIDA also warme Küste. Bei der Stadt AGUILLAS haben wir Andalusien erreicht. Das reicht uns auch für heute. Nach wenigen Kilometern, bei SAN JUAN DE LOS TERREROS blitzen am Ortsausgang einige Wohnmobildächer vor der blauen See. Wenn die dorthin kommen, schaffen wir das auch. Umgedreht, Hoppelweg, die Achsen ächzen, und jetzt stehen wir auch hier.
13. Tag
Heute wird ein Faulenzertag eingelegt. Das Sonnenbad wurde recht bald
abgebrochen, denn ein kühler Wind von See, und Schleierwolken
vor der Sonne, ließen kein Vergnügen aufkommen.
Obwohl wir schon weit im Süden sind, ist an Baden im Meer noch
nicht zu denken, es ist noch sooo kalt. Also Spaziergang an der
Küste und lesen.
14. Tag
Wir bleiben auch heute noch hier, denn der Tag beginnt viel
versprechend. Kaum Wind und Sonnenschein vom blassblau verschleierten
Himmel. Nach einem Strandspaziergang flegeln wir uns in die
Liegestühle um Farbe zu bekommen. Leider hat der Wettergott
kein Einsehen, er schiebt immer mehr Wolken über den Himmel
und zum Abend beginnt es zu regnen.

Routenverlauf
15. Tag
Erst gegen Mittag rollen wir auf die Landstraße. Heute soll
ein landschaftlich schöner Küstenabschnitt besucht
werden. Weil es bisher immer wieder schauerte, warteten wir bessere
Wetterverhältnisse ab. Die sind jetzt gegeben, ein steifer
Wind reißt die Wolken auf.
Die ersten Stunden fahren wir an unzähligen Hoch- und
Tiefbaustellen vorbei. Man fasst es nicht was hier gebaut wurde und
noch wird. Halbe Berge werden abgetragen um Hotelanlagen und
Feriensiedlungen Raum zu geben.
Wenn nicht ein Schild auf den Naturpark SIERRA CABRERA hingewiesen
hätte, wir hätten ihn nicht wahrgenommen, es gibt
keinen Unterschied zu anderen Küstenabschnitten.
Abseits der Küste, etwas im Hinterland, wird der Ort

NIJAR
angefahren, ein so genanntes „weißes Dorf“ wegen der kubischen Häuserform und dem einheitlich weißen Anstrich, ein Erbe der Maurenzeit. Ein Bummel durch die Gassen bringt einige Fotomotive, denn die ersten


Keramikläden
haben ihre Pforten schon geöffnet obwohl keine zehn Touristen durch die Hauptstraße flanieren. Der Ort lebt von der Herstellung und dem Verkauf von Gebrauchs- und Schmuckkeramik, aber was sollen wir mit Schalen, Blumentöpfen oder Amphoren anfangen? Also reichen ein paar Fotos als Souvenir, bevor es zurück zur Küste und unserem heutigen Hauptziel geht, dem

PARQUE NATURAL CABO DE GATO-NIJAR,
an der Südostecke Spaniens gelegen.
Der 26 000 Hektar große Naturpark wurde 1987 ausgewiesen und umfasst das Kap an der äußersten Südostspitze Spaniens, mit steil ins Meer abfallenden Felsküsten, in sie eingebettete Sandbuchten, Vulkanbergen, Steppen und einem Feuchtgebiet, den "Salinas". Hier war mal die Welt zu Ende und nur einige staubige Schotterpisten verbanden die hier lebenden Menschen, die sich vom Fischfang, dem Bergbau und der Salzgewinnung ernährten, mit derselbigen.


ISLETA DEL MORO
Trotz Naturpark dürfen die Ortschaften auch am Tourismuskuchen
teilhaben und haben in beschränktem Rahmen am Bauboom
teilgenommen.
Es sind allerdings Bereiche übrig geblieben die nur zu
Fuß oder über Schotterpisten erreichbar sind und
somit eine Vorstellung davon vermitteln, wie die Küsten hier
ursprünglich ausgesehen haben.



Einige der ehemaligen Fischerörtchen haben wir besucht und haben dann eine Schotterpiste genutzt um an einen sehr abgelegenen Strand zu gelangen, den

PLAYA DE MONSUL bei SAN JOSE.
Hier werden wir übernachten. Draußen heult ein
böiger Sturm durch die Berge und schüttelt uns in den
Schlaf.
16. Tag
In den frühen Morgenstunden hat der Sturm sein Toben
eingestellt und in der folgenden Ruhe wollten wir gar nicht wach
werden. Heute ist es windstill und bedeckt, das werden wir zu einer
Wanderung nutzen.
Der Weg führt immer an der Bergflanke entlang
aufwärts, links unten das Meer und rechts die Felsen, bis nach
ca. 2,5 Kilometern ein Wach- und Signalturm erreicht ist,

der TORRE DE VELA BLANCA.

Hier bietet sich eine schöne Aussicht und in einiger Entfernung ist der Leuchtturm von CABO GATO zu sehen. Schade, dass die Sonne nicht scheint, es wäre ein farbenprächtiges Bild mit den ocker, braun, grau, grün und bläulich gefärbten

Gesteinsformationen.
Am frühen Nachmittag starten wir, mit einem Umweg durch ein Gewächshaus-Tal, um auf die südliche Seite des Kaps zu kommen.

Von hier aus ist der Leuchtturm sogar mit dem Auto zu erreichen.
Anschließend besuchen wir einen Beobachtungsstand in den Salzwiesen / Salinen und siehe da, erstmals sehen wir Flamingos. Leider sind sie zum Fotografieren zu weit entfernt, aber mit dem Fernglas kann man sie aus dem Unterstand sehr gut beobachten. Der Parkplatz wird selten frequentiert, deshalb bleiben wir über Nacht. Während ich schreibe, legt der Wind wieder kräftig zu und am nahen Strand tosen die Wellen.

Routenverlauf
17. Tag
Im Gegensatz zur letzten Nacht, hat diesmal der Wind nicht
nachgelassen. Er heulte und orgelte und schüttelte das Womo so
stark, dass ich mitten in der Nacht mit dem Gedanken gespielt habe, den
Platz zu verlassen und in einer Ortschaft etwas Windschutz zu suchen.
Nein, wir haben es bis zum Morgen ausgehalten und ich bin in steifer
Briese am Strand gejoggt.
Heute geht es ins Landesinnere und zwar wieder vorbei an NIJAR
in die Hochtäler der
SIERRA DE ALHAMILLA. Die Berghänge sind mit

Steppenvegetation
überzogen und bis LUCAINENA ist die Landschaft menschenleer.

Nein, nicht ganz, wir überholen einen Bauern mit seinem Esel der es gar nicht leiden konnte, dass er fotografiert wurde.

Karstfläche von SORBAS
In SORBAS ist der erste Halt. Das Städtchen liegt auf einem Karstbuckel, um den der RIO AGUAS

tiefe Täler erodiert hat.
Bei der Information ist, wie praktisch, gleich ein Museum
angegliedert. Wir informieren uns.
Die Geschichte des Ortes geht auf die Zeit der
Großgrundbesitzer zurück. Der Herzog von Valoig, der
Marquis von Carpio und der Herzog von Alba besaßen fast alle
Liegenschaften der Gemeinde. Heute sind die touristischen Schlagworte:
Hängende Häuser (über dem Abgrund des RIO
AGUAS), schmale Gassen, Herrenhäuser und
Dorfatmosphäre. Doch das Einzigartige sind die Höhlen
im Karst und zwar ihre Größe.
Die Gipshöhlen von SORBAS sind die
viertgrößten der Welt und die
größten in Europa. Entdeckt und durchgängig
begangen waren 8 320 Meter im Jahre 1998. Drei Führungen in
verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden werden
angeboten, inclussive Helm und Grubenlicht. Die Basisversion dauert bis
zu 2, die schwierigere Abenteuerversion dauert 3-4 Stunden, und die
technische Route, für richtige Speläologen mit
Abseilen und solchen Geschichten, dauert mindestens 4 Stunden. Ja, wir
haben gelernt, Speläologie heißt die Sportart des
Herumkletterns in Höhlen, das ist aber heute nicht unsere
Kragenweite.
Eine Wanderung durchs Karstgebiet? Ja, warum nicht, wie lang ist die
denn? Was, 38 Kilometer? Nein danke das ist dann doch zu arg. Die nette
Informantin empfiehlt darauf hin eine Leicht-Version im Flussbett des
RIO AGUAS von etwa einer Stunde Dauer und skizziert uns schon die
Anfahrt bis zum Einstiegsort.
Zuvor erkunden wir das Städtchen, beginnend in den
Erosionstälern die Sorbas umgeben. Bald verliert sich der Pfad
und
wir müssen uns den Weg durch Gebüsch, über
Felsplatten
und Bächlein selbst suchen. Dabei gelangen wir an den
ehemaligen

Waschplatz der Ortschaft, an dem inzwischen der Zahn der Zeit nagt.
Dann erklimmen wir die hoch auf dem Karst wie eine Festung liegende Altstadt. Durch steile enge und verwinkelte Gassen geht es zurück zum Fahrzeug, um zum Startpunkt unserer Kurzwanderung durch die Schlucht des RIO AGUAS zu fahren.
Dieser Ausflug war aber auch abenteuerlich. Ein teilweise sehr schlecht gewarteter Wanderweg führt über Stock und Stein. Agaven, Kakteen und Dornengestrüpp zupft an der Kleidung. Es geht durch Röhricht und Wasserrinnsale, über Felsen drüber und unter Felsen durch. Anschließend sind wir froh, wieder unbeschadet beim Womo zu sein.



Jetzt bewegen wir uns westwärts, in das Gebiet des Naturparks SIERRA NEVADA.

Die ausgesuchte Straße tangiert alle Bergdörfer am Südhang des Massivs.
Die Gegend bietet sehr viel Abwechslung fürs Auge. In den Tälern ist kleinbäuerliche Landwirtschaft zu sehen, an den Hängen wächst Wein.


Täler am Südrand der Sierra Nevada
Später fühlen wir uns in die
Wüstenregionen
Nevadas versetzt. Auf meine Bemerkung hin gibt es ein
Missverständnis, Brigitte meint „wir sind doch hier
in der Sierra Nevada“ ich meinte aber den Bundesstaat in USA
mit ebenso bunter Felslandschaft und Trockensteppe. Die
Namensähnlichkeit ist sicher nicht zufällig.
Stundenlang kurven wir auf schmalen Bergstraßen mit Tempo 30
immer höher auf die schneebedeckten Gipfel zu. Es wird immer
kühler und bald setzt leichter Regen ein. Irgendwo zwischen
den Orten VALOR und YATOR stellen wir uns am Abend an den
Straßenrand in eine Ausbuchtung und machen Schluss
für heute.
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