Seit TARIFA spült der Atlantik an die Küste. Wir folgen dem Verlauf ebendieser bis zur Mündung des Flusses GUADALQUIVIR.
Auf diesem Weg besuchen wir
das Kap TRAFALGER die Stadt CÀDIZ und SANLUCAR, die Stadt
aus welcher der Manzanilla kommt.
In SANLUCAR setzen wir auch das erste Mal unseren
Fuß in den Nationalpark DOÑANA.

Routenverlauf
23.Tag
Die Hintergrundgeräusche beim Frühstück
bilden Donner und Regen.
Die Küste Richtung CADIZ soll heute abgeklappert werden, jeder
Strandweg wird getestet. So erreichen wir nach kurzer Zeit die
gewaltige Sanddüne, die wir in den letzten Tagen in der
Westecke der Bucht erkennen konnten. Das Kap selbst ist
militärisches Sperrgebiet, wie auch jedes weitere, wie wir
feststellen werden.

Die nächste Bucht ist wieder nur über eine
Stichstraße erreichbar.
Der Strand ist wunderbar, aber wegen einer Flusslagune nicht leicht zugänglich. Bei einer historischen Ausgrabungsstätte ist die Straße zu Ende, also umkehren.

Idylle mit Eseln.
Der nächste Abzweig führt wieder in eine
Bucht mit dem ehemaligen Fischerort Namens ZAHARA DE LOS ATUNES. Hier
sollen sich die besten Thunfisch-Fanggebiete des Mittelmeerraumes
befinden. Wir glauben es, denn in jeder Bucht seit TARIFA sehen wir
riesige Netzlabyrinthe mit den zugehörigen Fangflotten.
Von April bis Juni ist die Fangzeit.
Wenn ein Schwarm eingekesselt ist und die Netze geschlossen sind,
beginnt das Schlachten, dass sich das Meer rot färbt vom
Thunfischblut. Im Ort soll es den frischesten Thunfisch geben, also
wollen wir mit zwei Tagen Verspätung den
Muttertag-Restaurantbesuch nachholen.
Ein deutsches Ehepaar sitzt schon auf der Restaurant-Terrasse
und bekommt seine Fischgerichte serviert, das gibt den Ausschlag. Auch
wir nehmen Platz.
Zwischen Vorspeise und Hauptgang beginnt es wieder zu regnen. Die Frau,
Angela Mirchel, ruft
den Kellner damit er das Dach schließt. So ein Wetter hat es
seit zehn Jahren, seit sie hier Urlaub machen, nicht gegeben, meint sie
dann zu uns gewandt. Wir kommen ins Gespräch, und nach dem
Essen werden wir von Mirchels nach

ATLANTERRA,
auf einen Kaffee in ihr Feriendomizil eingeladen. Sie fahren voraus und
wir finden uns 5 Kilometer weiter in einer Traumbucht zwischen
Traumvillen wieder. Ein Traum davon gehört
Angelas bester Freundin und Mirchels dürfen dort ihre Urlaube
verbringen.
Es bleibt nicht beim Kaffee, später gibt es Bier und Tapas und
so kommt es, dass wir den Nachmittag mit Mirchels in angenehmer
Atmosphäre, dem Luxus einer 300 m2 Villa, in traumhafter Lage
und illustrer Nachbarschaft anderen deutschen Geldadels verbringen.
Nur das Wetter dürfte andalusisch wärmer sein und
nicht so lausig kalt. Am Spätnachmittag lugt dann aber doch
noch die Sonne hervor, sodass die Terrasse benutzt werden kann.
Für die Nacht fahren wir 300 Meter weiter, auf den
Wanderparkplatz unterhalb des Leuchtturmes „FARO DE
CAMARINAL.
24. Tag
Der Himmel ist dick bewölkt, ideal um zum Leuchtturm hinauf zu
laufen, aber nicht so ideal zum Fotografieren. Mit den Augen hat man
aber eine gute Sicht. Manfred hat uns gestern erklärt warum
hier so viel Militär präsent ist und ständig
Patroullien an der 
Küste unterwegs sind. Das liegt an der Nähe von
Afrika und den Boot-Flüchtlingen, die an dieser schmalen
Meerenge den Sprung nach Europa wagen.
Eine schmale Straße folgt dem Küstenverlauf
westwärts, erst zum Hafen von BARBATE und dann durch ein
Naturparkgelände welches einen Steilküstenabschnitt
umfasst, hoch und runter, kurvig, durch Pinienwald bis wir den

Leuchtturm von Trafalgar sehen.
Vor dem Kap schlug Nelson im Jahre 1805 die vereinigte spanisch-französische Flotte. Aus Dankbarkeit haben ihn die Engländer, inmitten Londons Trafalgar-Square, auf eine Säule gesetzt.
Nach kurzem Stopp, wenden wir uns dem Landesinneren zu. Ziel ist jetzt eins der legendären „weißen Dörfer“, Bergdörfer und Städte deren Name immer auf „de la Frontera“ enden. Sie lagen einst an der maurischen Grenze und beherbergten immer eine Festung.


Vor VEJER DE LA FRONTERA
liegt ein großer Parkplatz und das
ist auch gut so, denn in den schmalen, engen und steilen Gassen
hätten wir auf vier Rädern keine Chance.
Nach einem Rundgang führt uns die Route wieder an die
Küste zurück, diesmal nach CONIL DE LA FRONTERA. Der
Reiseführer beschreibt den Ort als:
„Familiär geprägter Ferienort mit kleinem
Zentrum, Festungsturm El Torre, Fischereiflotte und sehr
schönen Stränden“.
Das war, bevor Baulöwe hier eingetroffen ist. Inzwischen hat
auch hier die Tourismusbranche das Sagen.
Wieder auf kleinen Küstenwegen, am FARO DE GALLO vorbei,
steuern wir westwärts.
Bis ROCHE kommt noch einmal ein unverbauter
Steilküstenabschnitt mit einzelnen Parkplätzen.
Treppen führen an der Felsküste hinab zu kleinen
Sandbuchten. Ab ROCHE herrschen wieder lange, breite, goldgelbe
Sandstrände vor, aber die Küste ist vollkommen
zugebaut. Die RIU-Hotelkette ist gleich zweimal vertreten. Es scheint,
dass jedes Hotel einen eigenen Golfplatz besitzt. Eine neue
Straße führt strandnah bis SANCTI PETRI.

Der nächste Besuch gilt CADIZ.
CADIZ, die älteste Stadt Europas, liegt auf einer engen Landzunge, die von drei Seiten vom Atlantik umgeben ist. Die Altstadt, gegründet wahrscheinlich von den Phöniziern, liegt auf einer felsigen Insel, mit dem Festland nur durch eine Sandnehrung verbunden, auf der sich heute die Neustadt ausbreitet. Ein sehr günstiger Platz um einen Hafen und Handelsposten zu gründen.
Ihre Blütezeit erlebte die Stadt, als sie der Heimathafen der Galeonen war, die mit dem Laderaum voll Schätzen hier landeten, welche aus den spanischen Kolonien geraubt wurden. So etwas erregt aber auch den Neid anderer Seefahrernationen und sie wurde daher das Ziel englischer Freibeuter wie Francis Drake. Im Jahre 1596 legte eine englische Flotte die Stadt in Schutt und Asche, wovon sie sich nie wieder richtig erholte.
Wir finden direkt hinter dem Eingangstor zur Altstadt, der PUERTA DE TIERRA einen Parkplatz. Weil es schon nach 16:00 Uhr ist, braucht auch die Parkuhr nicht mehr gefüttert werden. Auf gut Glück wird das Rathaus gesucht, denn in der Nähe findet sich oft das Informationsbüro, so auch dieses Mal. Es gibt einen Stadtplan und eine Broschüre mit ausgearbeiteten Besichtigungstouren durch die Stadt. Es sind gleich vier an der Zahl. Sie sind mit Farbstreifen auf dem Pflaster markiert, grün, lila blau und rot. Wir kombinieren lila mit rot, das bedeutet Kathedrale, Altstadtgassen und seeseitiger Befestigungsring. Neben anderem kommen wir durch den Park PARQUE GENOVES mit zwei mächtigen Gummibäumen. Ich hätte nie gedacht, dass sie so groß werden können! Auch andere Bäume unterschiedlichster Art wachsen hier, in deren Schatten Azulejo-Bänke zum Ausruhen einladen



Mit Plattfüßen erreichen wir
schließlich wieder das Womo und verlassen CADIZ über
eine Straße die auf Pfeilern durch das Flachwasser der
Salinen gebaut ist.
An der Küste zwischen ROTA und CHIPIONA finden wir
kilometerweit keinen freien Zugang zum Meer. Hier wurden
Retortensiedlungen vom Reißbrett in die Wirklichkeit
übertragen. Wunderbar, perfekt, sauber, in gepflegter
Parklandschaft, unterteilt von Golfplätzen. Die Bewohnerzahl
hält sich jetzt, Mitte Mai, noch sehr in Grenzen aber die
Security fährt rege Streife.
Das ist kein Ort für Womos, also auch nichts für uns.
Wir müssen langsam einen weniger durchgestylten
Übernachtungsplatz suchen, und finden ihn kurz vor CHIPIONA.
Eine heruntergekommene Feriensiedlung der Spanier aus den umliegenden
großen Städten, die ihre besten Tage hinter sich hat
und wohl bald zum Sanierungsgebiet wird. Wir stehen hier heute Nacht
ungestört, nur wenige Meter von den Wellen des Atlantiks
getrennt.
25. Tag
Nach 17 Kilometern sind wir in SANLUCAR DE BARRAMEDA, der Stadt an der
Mündung des GUADALQUIVIR. Anfangs folgen wir dankbar den
Schildern " Information" immer weiter in die Innenstadt hinein. Dann
aber, am Beginn der Promenade zwischen Innenstadt und
Stränden, zwingt uns eine Umleitung aus der Richtung und
fortan sind keine Info-Schilder mehr zu entdecken. Also muss dort in
der Nähe der Sperre das Informationsbüro sein. Jetzt
praktiziere ich mal die spanische Gepflogenheit, parke mit
Warnblinkleuchten und gehe zu Fuß zurück
über die Promenade.
Große Ereignisse werfen hier ihre Schatten voraus.
Rechts und links wird gebaut, gehämmert, gesägt und
gepinselt. Über 150 Buden werden hier entlang der Promenade
aufgestellt. Über die gesamte Breite wurde eine gewaltige
Festbeleuchtung installiert, die alle Weihnachtsbeleuchtungen in
unseren Innenstädten in den Schatten stellt.
Mitten drin ist der Info-Pavillon von SANLUCAR. Man spricht deutsch,
was sehr angenehm ist, denn ich kann allen Erklärungen
problemlos folgen. Die Vorbereitungen gelten dem Weinfest, das am
Dienstag nächster Woche startet und bis zum folgenden Sonntag
dauern wird. Wenn wir dann nicht mehr hier sind, sollten wir uns auf
der Weiterfahrt keinesfalls das Reiterfest in der nächsten
großen Stadt JEREZ entgehen lassen, das dauert noch diese
Woche bis einschließlich Sonntag den 16. Mai. Mit vielen
Informationen und dem Tipp, das Womo an der Strandpromenade zu parken,
werde ich verabschiedet.
Es folgt der obligatorische Fußmarsch durch die Altstadt, dieses Mal mit der Eistüte in der Hand. Stimmengewirr und viele Menschen machen uns auf die Markthalle aufmerksam. Die Hände voll Obst- und Gemüsetüten, müssen wir nun zum Womo zurück.
Nach einem Imbiss steht auf dem Tagesprogramm eine Dampferfahrt in den Nationalpark DOÑANA, denn für die Besichtigung der Sherry-Bodegas, hier Manzanilla- Bodegas genannt, ist es heute zu spät, das heben wir für morgen auf.
Es gibt vier Möglichkeiten den Nationalpark zu
besichtigen, entweder zu Fuß als Halbtages oder Tagestour mit
„outdoor equipment“, was immer das heißt,
und Führer. Das ist uns zu anstrengend.
Die zweite Möglichkeit ist ein geführter Ausritt auf
Pferden, da würden wir sofort herunterfallen, also auch
gestrichen.
Drittens werden Jeepsafaris angeboten. In Unimog-Kleinbussen mit
Vierradantrieb wird auf den Sandpisten das Rückrat gemartert
und sehr teuer ist es obendrein.
Bleibt viertens noch der Dampfer. Schön auf den
Decksbänken
sitzend sich schippern lassen und von Oberdeck die Salinenlandschaft
und Tiere betrachten, ja das scheint das Richtige zu sein.
Um 16:00 Uhr legt das Schiff, die „Real
Fernando“ mit dem dicken Schornstein, vom Anleger BAJO DE
GUIA ab.
Es wird dreizehn Kilometer den GUADALQUIVIR hinauffahren mit zwei
Stopps und geführten Wanderungen. Die gesamte Tour wird ca.
dreieinhalb Stunden dauern. Gut, dass wir noch schnell unsere Westen
übergezogen haben, denn auf dem Fluss
bläst ein kühler Wind.

Nach einer Stunde legt der Dampfer auf der rechten Flussseite
beim Freiluftmuseum PPOBLADO DE LA PLANCHA an.
Eine spanisch und eine englisch sprechende Rangerin scharen ihre
Gruppen um sich, dann betreten wir den Nationalpark DOÑANA.
Mit Mühe folgen wir der englischen Erklärung
über die Lebensweise der ehemaligen Bevölkerung des
Gebietes.
Wer wegzieht, darf nicht wiederkommen. Es gibt noch einige wenige genügsame Bewohner die in Reedhäusern mit dem Komfort vom vorletzten Jahrhundert hausen. Nur kleine Solarpanele liefern etwas elektrische Energie. Es reicht zumindest für einen Fernseher, wenn die Fernsehantenne auf einem Reetdach richtig interpretiert wird.
Die Landschaft ist hundertprozentig identisch mit der Senne
bei Paderborn, wenn auch zum Teil andere Pflanzen hier wachsen. Pinien
und Wachholder haben nur eine etwas andere Wuchsform, dazu kommen dann
mediterrane Pflanzen und die einheimische Fingerpalme.
Von einem Unterstand aus sind mit dem Fernglas Hirsche zu sehen, mit
dem bloßen Auge sehe ich nur einige Flecken und die Kamera
sieht auf diese Entfernung gar nichts.
Nach einer Stunde tuckert die „Real
Fernando“ weiter, um nach einer weiteren halben Stunde,
dieses mal an der linken Flussseite, anzulegen. Wir steigen jetzt bei
den „Salinas“ aus. Die liegen nicht mehr im
Nationalpark sondern im Naturpark DOÑANA, der den
Nationalpark ringförmig umschließt. Der Naturpark
wird wirtschaftlich genutzt, unter anderem zur Salzgewinnung und
Weidewirtschaft. Hier gibt es die Möglichkeit, für
eine halbe Stunde per Fernglas die verschiedenen Vogelarten zu
identifizieren und beobachten, u.a. Flamingos im Flug.
Inzwischen droht eine dunkle Wolkenwand im Landesinneren und
Donnergrollen lässt ein Gewitter befürchten. Das
Schiff ist aber schon auf der Rückfahrt und zur Not
könnte man ja jetzt unter Deck gehen. Brigitte ist
enttäuscht von der optischen Ausbeute und auch ich habe mir
vorgestellt, mehr überflutete Deltaflächen zu sehen,
sei’s drum, dafür haben wir nicht geschwitzt.
Das Womo haben wir hinter dem DOÑANA -Museum
abgestellt, das in der alten Eisfabrik untergebracht ist. Hier bleiben
wir auch über Nacht.
Um 21:30 Uhr, zu einer Zeit zu der die Spanier erst munter werden,
gehen wir noch einmal in die Innenstadt um das Treiben in den Bars, vor
den Restaurants und auf den Plätzen zu erleben. Aber es
scheint den Einheimischen doch zu kalt zu sein, um noch
draußen zu sitzen, nur in den Kneipen ist es voll.
26. Tag
Dicker Nebel und Feuchtigkeit liegt über der Stadt, als wir
erwachen.
Freitags gibt es um 11:00 Uhr eine englischsprachige Führung
durch die größte Bodega in SANLUCAR, bei
"Barbadillo". Um sie nicht zu verpassen, stehe ich zur
Ladenöffnung um 9:00 Uhr vor dem Supermarkt. Kein frisches
Brot da, na ja dann warte ich halt noch ein paar Minuten. Nach einer
viertel Stunde frage ich mal nach. Oh je, der Bäcker kommt
erst um halb zehn, also muss ich, statt Baguettes, eingepacktes Brot
kaufen. Muss man sich mal vorstellen, frische Brötchen erst so
spät. Aber die Spanier gehen ja auch spät schlafen.
Die Hinweisschilder zur Bodega Barbadillo führen uns in die Altstadt. Fast zu spät merke ich, dass sie wahrscheinlich für Fußgänger gelten, denn die Gassen werden sehr schmal und einspurig. Als mir das spanisch vorkommt und ich nach links heraus will, gelingt es nur noch nach mehrmaligem vor- und zurückstoßen, unter Einbeziehung der eine Gehwegplatte schmalen Bürgersteige, aus dieser Falle zu entkommen. Zurück wäre gar nichts gegangen, denn hinter uns stauten sich schon die Autos. Ohne Orientierung landen wir, oh Wunder, doch noch auf dem Parkplatz der Weinkellerei.
Kellerei ist der falsche Ausdruck, denn der Wein bzw. Sherry
wird nicht in Kellern, sondern in einer Bodega gelagert. Bodegas sind
große oberirdische Lagerhallen, in denen die Fässer
dunkel, aber in einer ständigen Luftbriese auf Sandboden
gelagert werden. Die Weinherstellung läuft hier
überhaupt ganz anders ab als wir es kennen, und wenn wir die
Wartezeit bis zur Führung nicht im Manzanilla-Museum verbracht
hätten, wo die Erklärungen auch in deutscher Sprache
gedruckt waren, wir hätten wohl nichts verstanden.
Die Führung war ganz exquisit, praktisch eine
Privatführung, nur für Brigitte und mich, denn
größer war die Gruppe nicht. Die Hostess
erklärte uns in flüssigem schnellen Englisch den
Werdegang des Hauses Barbadillo und die Herstellungsverfahren des
Sherry und des Manzanilla im Besonderen.
Das Gebiet für den Anbau und die Reifung der Sherry-Weine
umfasst das Dreieck am östlichen Ufer der
Guadalquiviermündung, gebildet aus den drei Städten
JEREZ, EL PUERTO DE SANTA MARIA und SANLUCAR.
Der Name Sherry ist eine englische Verballhornung des Namens JEREZ der spanisch etwa „Cherres“ ausgesprochen wird. Das milde Klima, regenreich im Herbst und Frühjahr und sehr trocken im Sommer, begünstigt das Wachstum der weißen Palomino-Traube, die Grundlage für die Herstellung der Sherry-Weine ist. Der hier vorkommende weiße, mergelhaltige Kalkboden, „Albariza“ genannt, stellt den idealen Boden für das Gedeihen der Reben dar und ermöglicht ihnen durch sein Wasser-Speichervermögen das Überstehen der mehr als 180 Sonnentage des Jahres. Die Weinbereitung erfolgt durch die natürliche Gärung des Mosts immer im Kontakt mit der Luft. Nach der Gärung wird der Wein gefiltert und dann der ersten Klassifikation zwischen trockenem Fino und dem lieblicheren Oloroso unterzogen. Bei den Finos bildet sich eine Florhefeschicht. Das sind Mikroorganismen die auf der Oberfläche wachsen und dem Wein sein charakteristisches Bouquet verleihen und die Oxidation verhindern. Der Alkoholgehalt darf dabei nicht über 15% steigen, weil bei 15,5 % die Florhefe abstirbt. Beim Oloroso, der bei 18 % Alkoholgehalt ausreift, bildet sich keine trennende Florhefeschicht, so dass eine Alterung durch Oxidation erfolgt. Die Fässer aus amerikanischer Eiche sind nur etwa zu 5/6 gefüllt. Durch das offene Spundloch findet der Luftaustausch statt. Jedes viertel Jahr wird der Wein von einem Fass in das nächste umgefüllt, und zwar nach folgendem Prinzip. Die Fässer sind in drei Lagen übereinander gestapelt. Aus der untersten Reihe wird beim Fino nach ca. 10 Jahren 1/3 des Fassinhaltes der ältesten Weine abgezapft und in Flaschen abgefüllt. Der frei gewordene Raum wird durch etwas jüngeren Wein wieder aufgefüllt, der dort frei gewordene Raum wird wieder mit dem nächst jüngeren aufgefüllt. So setzt sich das Verfahren durch alle Fässer und Ebenen fort. Der neue Wein wird in der obersten Reihe nachgefüllt. Dadurch, dass jeweils nur ein Drittel entnommen und durch jüngeren Wein ersetzt wird, vermischen sich die Weine und der jüngere „lernt“ vom älteren und seinem Fass das Bouquet und die Reife. Am Ende kommt immer eine gleich bleibende Qualität zur Abfüllung. Auch die Fässer werden möglichst lange genutzt, bis zu 100 Jahre, weil auch sie, wie die Florhefen und die alten Weine, Aromabildner sind. Entsprechend teure Sherrys lagern auf diese Weise 30 Jahre und länger. In den verschiedenen Bodegas der Firma Barbadillo lagern zur Zeit 35 000 000 Liter Wein der verschiedenen Sorten in 50 000 Fässern.
Zum Schluss folgte noch eine Verköstigung, bei der
wohl jedes Produkt hätte probiert werden können. Da
wir heute aber noch fahren müssen, ist, zumindest bei mir,
Zurückhaltung angebracht. Mit der Vorinformation aus dem
Museum konnten wir etwa die Hälfte der Erklärungen
nachvollziehen, deshalb geht wohl an einem Englischkurs im
nächsten Winter kein Weg vorbei.
Mit den Pröbchen im Magen und inzwischen auch im Kopf, will
ich nun doch nicht mehr lange fahren. Nur noch schnell zum
Bäcker, Brot kaufen, und dann zum Strand.

Hier wird ein Strandspaziergang eingeschoben der bis an den Stadtrand
führt und anschließend unter der Markise Siesta
gehalten. Inzwischen hatte sich der Nebel aufgelöst und der
erste, warme, andalusische Sonnentag verwöhnt uns. Heute
fahren wir doch nicht mehr weiter.
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