Das touristische Highlight
in der Provinz
ist zweifelsohne der Nationalpark DOÑANA der das
Mündungsgebiet des Flusses GUADALQUIVIER umfasst.
Nach Westen schließen sich Kilometer lange, einsame
Sandstrände an.

Wir verlassen SEVILLA am Nachmittag um an die, laut
Reiseführer, menschenleeren und goldgelben Strände
zwischen der Guadalquivier-Mündung und der portugiesischen
Grenze zu gelangen.
Goldgelb stimmt, menschenleer nicht ganz, aber ein herankommen ist sehr
schwierig. Ein Großteil des Küstenabschnittes ist
noch Nationalpark oder Naturpark DOÑANA. In den wenigen
Orten ist alles mit Ferienanlagen zugebaut, Parkplätze am
Strand sind rar und teuer. Nach einigem umherirren finde wir zwischen
den Ortschaften MATALASCANAS und MAZAGON einen Parkplatz, dessen
Kassenhäuschen noch keine Saison hat.
Ein Holzbohlenweg führt über die fossilen
Dünen an den Strand. Eine Strecke von 1,2 Kilometer.

Der Strand
ist wirklich sehr schön.
Leider ist es schon spät, die Sonne hat keine Kraft mehr und
der frische Seewind ist schon unangenehm kalt. Deshalb treten die
meisten Sonntagsgäste jetzt den Rückweg über
die Dünen an, wir treten mit. Der Parkplatz scheint uns
für diese Nacht als Stellplatz ganz gut geeignet.
29. Tag
Heute Nacht waren wir auf dem Parkplatz ganz alleine, die
Straße war allerdings recht stark befahren. Morgens sind drei
PKW mit Anglern gekommen, die jetzt am Strand sind. Wir
möchten das schöne Wetter und den wunderbaren Strand
ausnutzen und in der Gegend bleiben. Dieser Parkplatz scheint uns aber
nicht der richtige Ort zu sein um das Auto den ganzen Tag alleine
stehen zu lassen. Am Wochenende, wenn hier viel Betrieb herrscht und
immer Leute kommen und gehen, wäre das sicher kein Problem.
Wir erwägen deshalb, und auch weil ein Waschtag
fällig ist, den Campingplatz in MATALASCANAS aufzusuchen.
Vorher müssen auch noch Lebensmittel ergänzt werden,
deshalb führt unser erster Weg in den Ort und zu einem
Supermarkt. Das ist leichter gedacht als getan, denn bis auf einen
Kramladen und einen Bäcker haben alle Geschäfte noch
dicke Gitter vor den Eingängen, es ist Vorsaison.
Der Campingplatz hat eine traumhafte Lage auf dem fossilen
Dünenrücken westlich des Ortes. Dafür ist er
mit 20 Euro auch recht teuer bei Minimalservice.
Seit dem 2. Mai gelten die Hauptsaisonpreise. Trotzdem wird
z. Zt. nur der Stellplatz, evtl. Strom und zwei geöffnete
Toilettenhäuser mit fließend Wasser von 9:00
– 10:00 Uhr morgens und 20:00 – 22:00 Uhr Abends,
angeboten. Es gibt allerdings eine Waschmaschine und die mieten wir
sofort für unsere große Wäsche. Bei dem
herrlichen Wetter trocknet es gut und bis zum Spätnachmittag
ist alles zusammengelegt und eingeräumt, sodass wir am
Strand bis in
den Ort gelaufen sind.
Zurück auf dem Campingplatz, wurde zur
angekündigten Zeit das Wasser angestellt und wir
genossen ein ausgiebiges Duschbad.
Nachher gemütlich vor dem Fahrzeug sitzen und den Abend
genießen ging aber nicht. Der Grund war eine
Mückeninvasion als die Sonne unterging.
Leider hatten wir auch versäumt das Mückengitter vor
die Eingangstür zu hängen, deshalb war jetzt im
Fahrzeug eine halbe Stunde Mückenjagd angesagt. Als das Licht
aus war, stellte sich heraus, dass doch etliche Exemplare
überlebt hatten die sich jetzt auf alle unbedeckten
Hautflächen stürzten. Für mich wurde es
wieder „die Nacht der Vampire“.
30. Tag
Heute Morgen wird noch einmal zum Halali geblasen. Die voll gesaugten
Bomber sind jetzt schwerfälliger, und deshalb leichter zu
erlegen. Ich erwische noch über 10 Stück, was jedes
Mal einen dicken Blutfleck hinterlässt. Ist mir egal, kann
weggewischt werden, aber mit unserem Blut sollen sich die Moskitos
nicht vermehren!
Es ist ein Jammer wie der Platz heruntergekommen ist, trotz 15
Personen Personal bei ganzjährigem Betrieb. Ich
ärgere mich darüber, trotzdem bleiben wir einen
weiteren Tag hier. Wegen der Mücken wird allerdings der
Standplatz gewechselt.

Das Womo steht jetzt in der ersten Reihe oberhalb des
Strandes.
Hier weht ständig ein mehr oder minder starkes
Lüftchen welches die Blutsauger besser abhalten sollte. Jetzt
können wir Markise und Strand ausgiebig genießen.
31. Tag
Wir genießen immer noch.
32. Tag
Vatertag. Heute werden wir vom Donnergrollen wach. Über dem
Atlantik ballt sich eine dunkle Wolkenwand, die sich aufs Festland zu
bewegt, erste Regentropfen, Wind und einen Temperatursturz mit sich
bringt.
Wir wollten heute sowieso fahren, also packen wir zusammen. Die Schauer
sind immer nur kurz und wenig ergiebig, die Temperatur passend
für lange Hosen und eine Wanderung.
Kurz entschlossen fahren wir in ein Besucherzentrum des
DOÑANA
Nationalparks lassen uns eine Info-Karte aushändigen und
laufen
auf Bohlenwegen etwa 6 Kilometer durch Trocken- und Sumpfgebiete, mit
der Möglichkeit, aus reetgedeckten Unterständen
heraus Vogel- und Wildbeobachtung zu betreiben.
Die Ausbeute ist eher mager. Außer einigen
Teichhühnern,
Enten, einem Reiher, drei brütenden Storchenpaaren und
etlichen Eidechsen haben wir keine Tiere gesehen.
Die Hirsche, das Damwild, die Wildschweine und die anderen Wasservögel haben wahrscheinlich gerade Siesta gemacht. Dafür war die Temperatur angenehm und den kräftigsten Regenschauer haben wir in einem doñanatypischen Reethaus abwarten können, das als Wildbeobachtungsstand fungierte.
Ein weiteres Besucherzentrum befindet sich in dem historischen
Dorf EL ROCIO. Die Einwohner vermarkten den Umstand, dass es dort
aussieht wie in einem Mexikanerdorf, wobei EL ROCIO sicherlich das
Original ist. Es gibt hier keine Teerstraßen sondern,
abgesehen von der Durchgangsstraße, nur Sandwege. Viele
Einwohner fahren mit Kutschen oder reiten durch ihr Dorf. Das bringt
viele Touristenbusse auf den sandigen Parkplatz und Geld in die Bars
und Souvenirläden.
Einmal im Jahr, und zwar nächste Woche bis
einschließlich Pfingsten, findet hier das
größte Wallfahrtsfest Spaniens statt. Dann sollen
sich hier zigtausende von Besuchern den Sand in die Schuhe treten.
Wir biegen auf den einzig einsehbaren Parkplatz, weil dort
schon Busse und vier Wohnmobile stehen. Alle paar Meter stehen
Parkverbotsschilder für Womo. Wir stellen uns trotzdem
zwischen die anderen. Der nächste unerfreuliche Aspekt sind
Horden von Zigeunern, die über die verdreckte Promenade
ziehen, und unverholen die Wohnmobile in Augenschein nehmen. In drei
der fünf befinden sich aber die Eigentümer.
Bevor wir ins Besucherzentrum gehen, wollen wir einen Blick auf die
berühmte

Wallfahrtskirche werfen und einen Schlenker durch den Ort machen.
Als wir uns 50 Meter vom Fahrzeug entfernt haben, kommt ein zahnloser
älterer Mann auf uns zu und verlangt Geld für
„parking camping car“. Ich denke mir, wenn
offiziell das Parken für solche Fahrzeuge nicht erlaubt ist,
hat der auch keine Berechtigung Geld zu verlangen und gebe ihm nichts.
Daraufhin fängt er ein wildes Gezeter an und geht zu unserem
Auto. Unter diesen Umständen muss ich zurück und
sehen was der anstellt. Er hat sich zwar verkrümelt, aber wir
bleiben hier nicht.
Ich will gerade den Motor starten, kommt aus dem ersten Mobil ein
Engländer. Er schwärmt von dem
„schönen Ort“ und der
„phantastischen Feria“ gibt uns aber den Rat kein
Geld zu bezahlen. Er hätte 5 Euro bezahlt und nach drei
Stunden hätte man ihn weggejagt. Hier gäbe es eine
Menge Ärger mit der Parkerei. Das bestärkt uns in dem
Beschluss diesem Ort den Rücken zu kehren.
Auf dem Weg parallel zur Küste nach MAZAGON, erkunde ich einen Waldweg, und tatsächlich endet er kurz vor dem Strand an der PLAYA DE ROMPECULOS. Hier werden wir übernachten, vorher muss nur noch Brot beim Bäcker in MAZAGON eingekauft werden.
Neben einigen Anglern sind wir die einzigen Strandnutzer. Als die Sonne sich hinter dicken grauen Wolken versteckt, treibt uns der kalte Wind wieder in unser rollendes Heim zurück.
33. Tag
Weil in MATALASCANAS und MAZAGON die Einkaufsmöglichkeiten
bescheiden sind, außerdem das Wochenende vor der Tür
steht und die Wetterverhältnisse auch eher für
Innenräume sprechen, soll heute in HUELVA eingekauft werden.
HUELVA ist ein Zentrum der Petroindustrie. Das Beste was die Stadt uns anzubieten hat ist das „Cenrum Commerciale“ wie die Einkaufsviertel hier genannt werden. Carrefuor ist eine Supermarktkette nach eindeutig amerikanischem Vorbild, obwohl es ein französisches Unternehmen sein dürfte. Es gibt nichts was es nicht gibt, alles ist klinisch sauber, und ein Heer von Mitarbeitern räumen ständig an den Regalen herum. Wir treiben uns hier auch herum, und zwar eineinhalb Stunden. Vorsorglich haben wir, bisher erstmalig, einen Einkaufswagen mitgenommen. Entsprechend fällt am Ende auch die Summe auf dem Kassenbon aus, na ja, man gönnt sich ja sonst nichts!
Gleich nebenan führt die Autovia A 49 über
SEVILLA nach CORDOBA. Abgesehen von einigen Hügeln und
Umlaufbergen verläuft sie im Tal des Guadalquivir und seiner
Zuflüsse. Trotz schneller Straßenverbindung ist es
doch schon 16:00 Uhr bis CORDOBA erreicht ist.
Das Hinweisschild zur Information zeigt in Richtung Zentrum. Von der
Brücke über den Guadalquivir ist schon das gewaltige
Gebäude der Moschee-Kathedrale
an seinem Ufer zu sehen. Dorthin führen uns auch die Schilder,
dann allerdings geht es in die Fußgängerzone. Wir
müssen auf die rechtsseitige Uferstraße ausweichen
und im Verkehr mitschwimmen ohne Aussicht auf einen Parkplatz. Brigitte
sieht wieder mal zuerst einen Platz am jenseitigen Ufer, auf dem Busse
stehen. Wo die parken, können wir auch stehen. Wunderbarer
Weise ist das nur wenige Schritte von der Römischen
Brücke entfernt, und die führt zum Triumphbogen auf
der rechten Flussseite, der Altstadtseite.
Nach so vielen Stadtbesichtigungen kommt uns eine Altstadt wie die
andere vor. Für Baudenkmäler und alte Kirchen haben
wir zu
vorgerückter Stunde auch nicht mehr die
größten
Antennen, deshalb wollen wir uns in CORDOBA auf das wichtigste
Gebäude konzentrieren, die ins Weltkulturerbe aufgenommene
Moschee-Kathedrale

„Santa Iglesia Catedral“.
Sie ist die größte Moschee in Europa. Im
Jahr 1236 wurde sie in eine christliche Kathedrale umgewandelt. Das
Besondere daran ist, dass die Moschee nicht abgerissen oder andersartig
zerstört wurde. Sogar der Mihrab, die gen Mekka weisende
Nische blieb unangetastet.
Es wurde im Zentrum der Moschee das Dach geöffnet und im
Maßrhythmus der vorhandenen Doppelbögen eine
christliche Kathedrale in das bestehende Bauwerk eingefügt.
Inwendig an die Außenmauern der Moschee wurden
Stifterkapellen
eingebaut.

Prozessionsschrein
So könnte man, mit sehr liberaler Gesinnung, dieses Gotteshaus für zwei Religionen gleichzeitig nutzen, wenn auch dem größten Teil der einst 40 000 muslimischen Gebetsplätzen die Sicht auf den Mihrab durch die Kathedrale verwehrt wäre.
Irgendwie erinnert mich das an den Doppeldom in Bauzen, der zeitversetzt mit zwei Altären von Katholiken und Protestanten genutzt wird und beiden Konfessionen gehört. Allerdings sind es dort zwei christliche Religionen.
Im Anschluss folgt der obligatorische Rundgang durch das Gewirr der Altstadtgassen . Durch das ehemalige Judenviertel gelangen wir zur Stadtmauer, um dann am Triumphbogen die Runde zu beschließen.
Über die alte

Römerbrücke
erreichen wir wieder das Womo. Für die Nacht suchen wir
außerhalb Cordobas einen Stellplatz und finden ihn nach 25
Kilometern an einer Ausfahrt der A 49, auf dem Gelände einer
Baumschule.
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