Wir bleiben im Nationalpark PICOS DE EUROPA und somit im Grenzgebiet von Asturien und Kantabrien.
Später kehren wir an die Küste zurück.
66. Tag
Heute Morgen ist der Himmel dick verhangen und Nebel zieht durch das
Tal. Trotzdem strömen Wanderer an unserem Womo vorbei bergauf.
Wir lassen uns Zeit und Muße, unsere Blasen an den
Füßen brauchen Ruhe. Deshalb wird heute nur ein
Campingplatz an der Ostseite der PICOS angesteuert und dann ausgeruht.
In PANES fahren wir wieder in das Parkgebiet ein. Es beginnt
wieder mit einer Schlucht, diese Mal mit DESFILADERO DE LA HERMIDA, 22
Kilometer lang, aber im Gegensatz zu gestern mit dem Auto befahrbar.
Die Fahrbahn führt eng und kurvig immer in Höhe des
Flusses durch die Talenge. Man muss sich den Kopf verrenken um durch
die Frontscheibe, an den steilen Felswänden empor, den Himmel
zu sehen. Es ist aber bei weitem nicht so anstrengend wie gestern.
Meine Füße brauchen heute nur bremsen, kuppeln und
Gas geben.
In LEBEÑA machen wir noch einen Abstecher zu der
präromanischen Kirche SANTA MARIA DE LEBEÑA.
Sie vereinigt Stilrichtungen aller, im 10. Jh. auf der Iberischen
Halbinsel vorkommenden Kulturen, vom maurischen bzw. koptischen
Hufeisenbogen über den Grundriss eines griechischen Kreuzes
bis zu den Kragsteinen unter dem Dachüberstand und dem
Altarstein, die mit westgotischen Ornamenten heidnischen Ursprungs
geschmückt sind. So zum Beispiel die Sonnenscheibe, die
später zum Christussymbol umgedeutet wurde.
Um das Jahr 930 ließ ein westgotischer Fürst die kleine Kirche bauen, um die Gebeine eines Heiligen dort zu bestatten. Nachdem seine Knechte diese überführt und wieder beerdigt hatten, wurde er blind.
Meine Vermutung: Jemand hat ihm eingeredet es bestünde ein Zusammenhang.
Tatsache: Aus Buße vermachte er alle seine Besitztümer und Ländereien dem Kloster. Ja so kann es gehen, da will man was Gutes tun und wird zum Bettelmann.
Später fahren wir durch den Ort POTES der uns sehr an
MERAN erinnert, mit einer Arkadengasse, dem Fluss der mitten durch den
Ort fließt, viel Verkehr und jeder Menge Touristen.
Lobenswert zu erwähnen ist der große Parkplatz vor
der Touristinformation, ausgelegt für PKW und Busse, sodass
auch ein Womo dort bequem Platz findet.
Nach den Informationen die wir
bekommen, suchen wir uns den Campingplatz EL MOLINO in LA VEGA aus.
Der Rest des Tages wird verbracht mit kleiner Wäsche, Kaffe
trinken, Bericht schreiben und lesen. Zum Abend wird es empfindlich
kühl.
67. Tag
Heute Morgen herrscht eine gewisse Planlosigkeit. Bleiben wir noch
einen Tag hier?
- Es ist doch grau in grau, da
können wir auch im Auto sitzen. - Ja, aber wenn alles so
nebelverhangen ist, können wir währen der Fahrt auch
nichts von den Bergen sehen. - Während des
Frühstücks wird es immer heller und die Sonne lugt
durch Wolkenlöcher.
Brigitte will nun einen weiteren Tag auf
dem Campingplatz bleiben. Also können wir einen Gang
zurückschalten, alles läuft geruhsamer ab, Womo
säubern, dann selber duschen und schon ist Mittag.
Der Platz ist offensichtlich ein Geheimtipp in unserem Nachbarland, von
neun Plätzen sind acht durch Niederländer belegt.
Brigitte kommt mit unserer Nachbarin ins Plaudern, die Männer
mischen in Sache Fahrtroute und Sehenswürdigkeiten bald mit.
So vergeht der halbe Nachmittag. Später beginnt es zu regnen,
wir ziehen uns ins Womo zurück und relaxen.
68. Tag
Die Wettersituation ist genauso wie gestern, Wolken liegen wie ein
Deckel über dem Tal, Nebelfetzen treiben über die
bewaldeten Berghänge. Trotzdem soll es heute weitergehen.
Gleich hinter dem Ort beginnt die Straße zu steigen, sodass
bald die Scheinwerfer eingeschaltet werden müssen. Unser Heim
auf vier Rädern schraubt sich Serpentine auf Serpentine durch
dicken Nebel in die Höhe. Dann wird es heller und fast
plötzlich fahren wir im Sonnenschein
durch ein wunderbares Bergpanorama,
die
Wolken unter uns lassend.
Der Pass PUERTA DE SAN GLORIA liegt auf 1609 Metern. Als wir aussteigen um uns in Ruhe umzuschauen, sehen wir ein Hinweisschild auf den MIRADOR DE LLESBA, der nach weiteren 2,2 Kilometern über einen bergauf führenden Schotterweg erreicht wird.

Blick auf die Gipfel des Pico de Europa

Ein anderer Blick
Eine noch viel bessere Sicht belohnt uns, etliche Gipfel der PICOS DE EUROPA liegen im Sonnenschein vor uns.

Gut dass der Gipfelbär aus Stein ist.
Es geht wieder hinunter bis auf schätzungsweise 1000
Meter durch alpines Gebiet, mit kleinen Bergbauernhöfen auf
den Almen, und Kühen auf den Hängen.
Nach einem
weiteren 1280 Meter hohen Pass fahren wir in die Schlucht DESFILADEROS
DE LOS BEYOS. Es ist ähnlich wie vor zwei Tagen in der
DESFILADERO DE LA HERMIDA, abgesehen davon, dass diese noch schmaler
ist und wir nun mit dem Fluss stetig talwärts fahren.
In CANGAS DE ONIS, dort wo wir in den Nationalpark
hineingefahren sind, verlassen wir ihn nach einer Umrundung auch
wieder. Es geht zurück ans Meer. Hier an der
Nordküste gibt es nur noch Steilküste mit
eingestreuten Sandbuchten. Meistens im Bereich von
Flussmündungen.
In SAN VICENTE DE LA BARGUERA gibt es eine große Sandbucht im
Mündungstrichter des Flusses. Dadurch ist der Ort zum Seebad
geworden. Wir parken an der Promenade und vertreten uns etwas die
Beine. Weil wir einkaufen wollen, die Geschäfte aber erst nach
der Siesta um halb fünf wieder offnen, haben wir Zeit zum
Bummeln. Auch Fridolin wird angerufen und zu seinem 70. Geburtstag
gratuliert. Wir hatten richtig vermutet, dass er abends nicht
erreichbar sein wird.
Auf der Weiterfahrt kommen wir an mehreren kleinen Playas
vorbei, aber an jeder liegt mindestens ein Campingplatz. Ganz klar,
dass Wohnmobile dort nicht auf den Parkplätzen stehen
dürfen, man will sie auf die Campingplätze zwingen.
Ohne uns, wir drehen ab und verlassen diese Küste wieder.
Nicht lange danach fahren wir durch COMILLAS und nutzen die Gelegenheit
die Villa EL CAPRICHO
anzuschauen.
Gaudi hat das Haus als Sommersitz entworfen. Die
Gegebenheiten, die bei dem Baugrundstück vorlagen, wie zum
Beispiel der felsige Untergrund und die Sonnenblumen, hat er
in die Gestaltung einbezogen und es nach seinen Entwürfen
für den Auftraggeber zwischen 1883 bis 1885 bauen lassen. Uns
gefällt es aber nicht, es ist irgendwie zu kitschig
geraten. Ohne Zweifel wurde er mit zunehmendem Alter besser in seinen
Entwürfen.
Wir müssen langsam an einen Nachtplatz denken und
meinen, der Parkplatz der CUEVA DE ALTAMIRA bei dem Ort SANTILLANA DEL
MAR wäre dazu geeignet. Unser Erschrecken ist nicht klein, als
wir um 18:30 dort eintreffen. Mehrere Busse und viele Autos stehen noch
auf dem riesigen, umzäunten, mit Rolltoren und
Security-Personal gesicherten Areal.
Aber ja doch, wegen dem gewaltigen
Besucheransturm wurden die Höhlen seinerzeit ja geschlossen
und sind jetzt in einem Museum nachgebildet worden. Hier ist kein Platz
für uns, wir fahren weiter zum Zoo und kommen morgen wieder.
Am Zoo verdrücken wir uns auf einen hinteren Platz,
möglichst weit weg von der Straße. Leider nicht weit
genug, die Straße ist sehr befahren. Außerdem
merken wir zu spät, dass wir neben dem Affenhaus stehen. Am
Anfang zucken wir erschrocken zusammen wenn die Brüllaffen
urplötzlich losbrüllen und die ganze Affenbande in
den Chor einfällt, trösten uns dann aber damit, dass
die Affen nachts ja auch schlafen.
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