Heute nehmen wir Kurs auf
die Hauptstadt Madrid.
Es ist selbstverständlich, dass wir uns Spaniens
3-Millionen-Metropole ausgiebig ansehen

38. Tag
Autotüren schlagen und eine Hupe ertönt. Es ist 8:00
Uhr und wir werden aus tiefem Schlaf gerissen. Ein erster Blick durchs
Fenster zeigt, Autos von Waldarbeitern bzw. der Forstverwaltung stehen
neben uns. Weil wir damit rechnen, zum Verlassen des Platzes
aufgefordert zu werden, fällt die Morgengymnastik aus und zur
Toilette würde man Katzenwäsche sagen. Nach
kürzester Zeit sind wir abfahrbereit. Als ich aussteige um
nachzusehen ob nicht ein Auto direkt hinter uns parkt, sind die
Insassen der drei Fahrzeuge schon verschwunden und wir sind wieder
allein. Trotzdem fahren wir jetzt ab und frühstücken
einige Kilometer weiter auf einer Bergkuppe mit Blick auf ein Dorf
weiter unten im Tal.
Um 9:30 Uhr ist unsere zweite Abfahrt heute. So früh waren wir noch nie unterwegs, aber es lohnt sich. Fast ganz alleine fahren wir durch eine tolle Landschaft, durch Almen, Wälder, Täler und sogar Schluchten. Seit unserem Übernachtungsplatz auf ca. 1500 Höhenmetern, fällt die Straße überwiegend, mal mit 11 dann wieder nur mit 5 %.
Inzwischen neigt sich der Kraftstoffvorrat dem Ende, der Zeiger steht einen Strich vor Reserve. Zwar sind wir jetzt schon an zwei Tankstellen vorbeigekommen, aber ich denke wir haben schon günstiger getankt und bis zur nächst größeren Ortschaft reicht es längst. Auf einmal, oh Schreck, leuchtet die Warnlampe auf. Habe mich doch verkalkuliert, und gerade jetzt ist weit und breit keine Tankstelle in Sicht. Der Blick klebt nun mehr an der Tankuhr als auf der Straße. Ich bin schon entschlossen den Reservekanister einzufüllen, da sehen wir von einer Hügelkuppe aus den herbeigesehnten Ort, geschafft.
Laut Straßenkarte ist direkt an der A2, der Autovia
auf der wir MADRID erreichen, ein Campingplatz eingezeichnet. Wir gehen
davon aus, dass an der entsprechenden Ausfahrt ein Schild darauf
hinweisen wird. Nur noch 4 Kilometer vom Zentrum entfernt, wird uns
klar, dass wir schon zu weit sind und zurück müssen.
Auf den Stadtautobahnen MADRIDs nicht die grobe Orientierung zu
verlieren ist schon ein Kunststück. Wir finden mit
Glück die richtige Ausfahrt, das Schild mit Zeltsymbol wird im
Straßengraben fast vom Gras verdeckt. Aber dann irren wir in
einem großen Stadtteil, auf dessen Gebiet auch der Flughafen
liegt, herum ohne den Zipfel einer Ahnung zu haben wie es weitergeht.
Eine Polizeistreife kommt uns gerade recht. Einer der drei
Gesetzeshüter wird gefragt: Campingplatz? Plaza de Camping??
Camping??? Dabei deutet Brigitte in der Karte auf den Stadtteil
BARAJAS. Das Fragezeichengesicht hellt sich plötzlich auf und
strahlend deutet er auf die Ausfahrt aus dem Kreisel hinter sich, si,
si und nickt kräftig. Als ich merke, dass wir schon wieder auf
der Autobahn stadteinwärts gelandet sind, fahre ich sofort die
nächste Ausfahrt wieder ab.
Wir haben noch einen Taxifahrer gefragt, sind fast am Flughafen
gewesen, haben einen Tankwart gefragt, wollten schon verzweifeln, da
entdecken wir an einer Mauer „Camping OSUNA“.
Diese Mauer war von dem Platz, wo wir den Polizisten fragten, zu sehen.
Es wären nur noch 150 Meter in die richtige Richtung gewesen!
Nachdem das Fahrzeug abgestellt ist, und wir uns
gestärkt haben, läuft das Besichtigungsprogramm
Madrid an. Bis zur Endstation der Metro Linie 5 sind es 600 Meter, dann
25 Minuten Fahrt bis zum Opernplatz, ein kurzer Fußweg, und
wir stehen auf der

Plaza Major.
Begrenzt wird der Platz auf einer Seite vom Fleischaus und auf der
gegenüberliegenden Seite vom attraktiveren Brothaus (dem Haus
der Bäcker)
Hier ist auch die Touristinformation und nach einigen Minuten studieren
wir die Prospekte, auf den Steinbänken des Platzes sitzend. In
den Unterlagen ist auch ein Stadtführer in deutscher Sprache,
darin sind verschiedene Rundgänge beschrieben und die
Sehenswürdigkeiten die daran liegen. Für heute
entscheiden wir uns für die engen Gassen der Altstadt, den
Rundgang I „Vom mittelalterlichen Madrid zum Madrid der
Habsburger“.

Azulejos an der Wand einer Gaststätte
Morgen werden wir uns Tickets für die City Tour mit den
Besichtigungsbussen ohne Dach besorgen. Uns ist nur noch nicht klar ob
für ein oder zwei Tage.
39. Tag
Um fünf Minuten nach 10 Uhr hetzen wir die Stufen der
Metrostation Opernplatz hinauf in den strahlenden Tag. Schräg
gegenüber sehen wir gerade den Bus der „Madrid
Vision“ an der Haltestelle halten. Schnell links und rechts
geschaut und bei rot über die
Fußgängerampel, das schlechte Beispiel der Spanier
steckt an. Dadurch haben wir aber den Bus der roten Linie I
„Madrid Historico“ noch erreicht. Er fährt
durch den älteren Teil der Stadt. Nicht durch die engen Gassen
die wir gestern abgelaufen sind, aber doch durch den historischen Teil.
Die Tour führt vorbei am Königsschloss, dem
Palacio
Real,
um den Palastgarten, tangiert die Hauptkathedrale, die
„Catedral de la Almudena“,
fährt über den heutigen Stadtmittelpunkt, die
„Puerta del Sol“, mit dem Entfernungsnullpunkt
Spaniens.
Von hier aus werden alle ins Land führenden Straßen
gemessen. Weiter geht es an Parks vorbei, über die zwei
großen Achsen von MADRID: die Gran Via und den Paseo de la
Castellana. Die Gran Via wurde zum Beginn des 20. Jahrhunderts
angelegt, hier reihen sich Kinos, Geschäfte und
Vergnügungsstätten aneinander. Am Paseo de la
Castellana sind die Zentralen der Großbanken, Botschaften,
Prachtbauten mit Büros, und Nobelgeschäfte
ansässig. Dazwischen immer wieder

herrliche
Brunnen.
Ein paar Informationen über Madrid insgesamt.
Die Hauptstadt Spaniens liegt zentral mitten in der kastilischen Hochebene auf einer Höhe von 650 Metern über dem Meeresspiegel. Sie beherbergt über 3 Millionen Einwohner, ist Zentrum des Geschäftslebens, Sitz der zentralen öffentlichen Verwaltung, der Staatsregierung und des Parlaments sowie fester Wohnsitz der Monarchen.
Gegründet wurde die Stadt während der Regierungszeit des muslimischen Emirs Mohammed I. (852 – 886 n. Chr.) Im 11. Jh. wurde sie von den Christen erobert, unter Führung von Alfons dem VI.
Ende des 17. Jhs. wurde zum Schutz der neu entstandenen Vororte eine Stadtumwallung gebaut. Unter der Herrschaft von Karl III. wurden im 18. Jh. die großen Verkehrsadern der Stadt angelegt. Anfangs des 19. Jhs. begann Napoleon Bonaparte die Umgestaltung der Puerta del Sol und ihres Umkreises.
In den fünfziger Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts wurde der Paseo de la Castellana verlängert und mit gläsernen Hochhäusern bestückt.
All das sehen und erfahren wir auf dieser und den folgenden Routen. Der
blauen „Madrid Moderno“ und der grünen
„Madrid Monumental“.
An verschiedenen Haltestellen kann zu und ausgestiegen werden. Wir
unterbrechen am frühen Nachmittag um in einem
Buffet-Restaurant sehr gut zu essen.
Anschließend erwischen wir einen Bus mit einer exzellenten
Tonanlage, was beileibe nicht immer so ist. An jedem Platz sind
Kopfhörer und der Passagier kann auf einer Tastatur am
Vordersitz
aus 8 Sprachen seine Muttersprache auswählen. Eine tolle
Sache,
wenn es funktionieren würde. Leider waren auf mehreren Bussen
mit
denen wir fuhren, die Leitungen, Steckbuchsen und Tastaturen so
schlecht gewartet, dass entweder gar nichts oder wenig
verstanden
wurde, bedingt durch Wackelkontakte und Kabelbrüche. Bei
Reklamationen wurden immer großzügig neue
Kopfhörer
ausgegeben, was an der Problematik leider nichts änderte.
Wir hatten also dieses Mal einen „guten“ Bus
erwischt, da kündigte Donnergrollen ein Gewitter an. Als die
ersten Tropfen fielen, leerte sich schlagartig das Oberdeck. Leider
wurde auch die Tonübertragung, wahrscheinlich um die Anlage zu
schützen, ausgeschaltet. Das Begleitpersonal sammelte keinen
Kopfhörer ein, was dazu führte, dass nach dem Schauer
alle ungenutzten Kopfhörer auf den Schalensitzen im Wasser
lagen. Drei Holländerinnen und wir hielten auf Oberdeck aus
und behielten den Hörer auf dem Kopf, bekamen aber bis zu
unserem Ausstieg am spanischen Platz, keine Toninformation mehr
geliefert.
Hier auf dem spanischen Platz wurde dem Schriftsteller Cervantes ein Denkmal errichtet. Die Titelfiguren seines wohl bekanntesten Romanes stehen davor: Don Quijote und Sancho Pansa. Es schließt sich bald die Fußgängerzone an, was uns die Möglichkeit gibt, nach einer Straßenkarte mit kleinerem Maßstab, d.h. größerer Darstellung, zu suchen. Wir werden in einem Medienkaufhaus fündig und sind nun im Besitz des Michelin-Atlas „Spanien – Portugal 1:400 000“.
Inzwischen scheint die Sonne wieder, das lockt zu einem
Spaziergang durch den
„Parque del Retiro“,
der auch in der Nähe des Stadtzentrums liegt. Er wurde im 17.
Jh. auf Anordnung von Philipp IV. als Erholungsgebiet für die
königliche Familie auf einem 150 Hektar großen
Gelände angelegt. Im Park wachsen 15 000 Bäume und
die madrider Bürger können auf einem
künstlichen Teich Kahn fahren. Wir sehen natürlich
nur einen kleinen Teil der Anlage und möchten dann wieder in
die City.
Eine dreiviertel Stunde Wartezeit, wo doch die Busse der Madrid Vision alle 10 bis 15 Minuten fahren sollen, lässt unsere gute Stimmung sinken. Als der Bus dann endlich kommt und wegen Überfüllung niemand einsteigen lässt, kippt die Stimmung. Madrid Vision kann mir nun sonst wo runterrutschen. Wir gehen zu Fuß und sind in nicht einmal 30 Minuten am Opernplatz, wo uns der Bus hinbringen sollte. Eine schöne kräftige Dusche auf dem Campingplatz spült auch allen Ärger weg und erfrischt wunderbar.
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