Von Spanien kommend wird der nördliche Teil des Alentejo durchquert um Lissabon zu erreichen.
Route durch Mittel- und Nordportugal
42. Tag
Wir fahren zügig nach Portugal. Bis zur Grenze sind
es 125 Kilometer. Um viertel vor zwölf halten die Grenzer
unsere Ausweise in der Hand.
Wenige Kilometer hinter dem Grenzübergang ist links ein
schattiger Parkplatz mit Trinkwasserquelle, Tischen und
Bänken.
Auf dem Berggipfel gegenüber sehen wir schon das
„Adlernest“ die alte Festung
MARVÃO in 862 Metern Höhe auf den Felsen
thronen.
MARVÃO war auch ein Tipp des gestrigen Besuchers.
Der Frischwassertank wird mit dem gut schmeckenden Nass aus der Quelle
gefüllt, ich schreibe an dem Bericht, dann halten wir Siesta
bevor es nach MARVÃO hinaufgeht.
Dieses kleine Festungsstädtchen ist in sehr gutem Bauzustand.
Die Wallanlagen sind vollständig und ohne
Verfallserscheinungen, der Wehrgang ist begehbar und das
Kastell könnte für einen Historienfilm
sofort in Betrieb genommen werden.
Vom höchsten
Turm genießt man einen traumhaften Überblick
über die SIERRA DE SÃO, sowie die Ebenen
der EXTREMADURA in Spanien und des ALENTEJO in Portugal.
Von hier ab folgen wir der „Ruta de Vin do
Alentejo“ der Weinstraße des ALENTEJO. Von dem
bisschen Wein, das wir bislang gesehen haben, kann höchstens
ein Winzer existieren. Viel häufiger sind
Ölbäume und Korkeichen neben den, schon aus der
EXTREMADURA bekannten, trockenen, welligen Viehweiden.
In diesem Teil Portugals sind noch keine EU-Mittel in den
Straßenbau geflossen. Selbst die Regionalstraßen
sind sehr eng, kurvig, deformiert und Schlaglöcher sind nicht
selten.
Das heutige Ziel ist ein Stausee, der BARRAGEM DO
MARANHÃO. Eine Stichstraße führt
über die Staumauer und endet 300 Meter am See entlang hinter
Felsen am Auslaufsperrwerk. Kurz davor finden wir ein herrliches
Plätzchen unter Zypressen.
Hier bleiben wir.
43. Tag
Heute auch. Wir lassen es uns gut gehen und faulenzen im Schatten. Am
Nachmittag gehe ich auf Erkundungstour und fotografiere das
Auslaufsperrwerk mit seinem gewaltigen
Überlauftrichter.
Als ich in der Abendkühle die Insektenleichen von der Kühlerhaube entferne, entdecke ich einen Riss in der Windschutzscheibe. Seinen Ausgang nimmt er von einem kleinen Steinschlagkrater, der schon seit etlichen Tagen unter dem rechten Scheibenwischer zu sehen war. Der Riss ist zurzeit etwa 20 Zentimeter lang, läuft parallel mit dem Scheibenwischerblatt und hat zum Schluss einen Schwung nach oben. Beim letzten Tanken gab es noch keinen Riss. Entweder er ist durch die mechanische Belastung der Straßenverhältnisse, oder durch die thermische Belastung der Sonneneinstrahlung entstanden. So oder so, er wird weiterreißen.
44. Tag
Angesichts des vollen Toilettentanks fahren wir heute schon nach
LISSABON. Dort können wir auf dem Campingplatz entsorgen. Um
keinen Brückenzoll auf einer der beiden großen
Tejo-Brücken in Lissabon bezahlen zu müssen, halten
wir uns nördlich und queren den Fluss in VILA FRANCA, kurz
bevor er sich in die breite Mündungsbucht ergießt.
Das bedeutet aber ein elendes Schleichtempo durch die Städte
im Einzugsgebiet von LISSABON.
Als wir endlich in Lissabon sind, lotst mich Brigitte immer am Tejo entlang südlich um die Stadt, sodass fast eine Besichtigungstour daraus wird, müsste ich nicht so auf den Verkehr achten.
An der Strecke liegt das Gelände der Expo 98 mit dem
Torre de Vasco da Gama,
der Hafen, der wasserseitige Hauptplatz
„Praca do Comercio“ mit dem Triumphbogen, der
Verkehrsknotenpunkt „Cais do Sodre“, die
Klosteranlage „Mosteiro dos Jeronimos“, das Denkmal
der Entdecker „Padrao dos Descobrimentos“, und der
„Torre de Belem“.
Bis auf das Expogelände werden wir alles noch einmal in Ruhe
anschauen, jetzt ist unser Hauptaugenmerk auf das Finden des
Campingplatzes gerichtet. Das gelingt uns auch. Es ist ein gut
organisierter moderner Platz unter städtischer
Führung.
Am Spätnachmittag fahren wir mit dem Bus nach BELEM um uns zum Einen die Sehenwürdigkeiten dort anzusehen und zum Anderen gibt es die Tageskarten für Bus und Straßenbahn nur an speziellen Kiosken in der Stadt.
Nach über 5 Wochen Spanien haben wir auch die
Gepflogenheiten der Spanier teilweise übernommen, wie zum
Beispiel die Siesta. In Spanien fängt das Leben erst um 17 Uhr
wieder an und geht in der Geschäftswelt bis 22:00 Uhr,
ansonsten bis Mitternacht.
Wie groß ist unser Erstaunen, als wir uns um 18:03 Uhr an das
Ende der Warteschlange vor dem Ticketkiosk anstellen wollen. Ein
Polizist hindert uns und weitere Leute daran mit den Worten: Its
closed now, finished, und portugiesischen Redewendungen.
Bis um 21:30 Uhr ist deshalb Besichtigung zu Fuß
angesagt. In BELEM liegt ja alles in fußläufiger
Entfernung zueinander.
Das herausragende historische Bauwerk Lissabons, das Kloster der
Hieronymiten „Mosteiro dos Jeronymos“, hat als
einziges großes Denkmal aus dem goldenen Zeitalter, zusammen
mit dem „Torre de Belem“, das Erdbeben von 1755
überstanden.
Als Dank für die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama, ordnete der König Manuel I. die Errichtung des Bauwerks an. Als Seemacht wurden Kontakte und Handel mit der ganzen bekannten Welt gepflegt, Mit dem dadurch erworbenen Wohlstand, wurden exotische Eindrücke aus eben dieser in den Fassadenschmuck eingearbeitet. Fabeltiere, tropische Pflanzen, orientalische Stilelemente, und Motive aus der Seefahrt, sind charakteristisch für den „manuelini schen Stil“. Die Kirche konnten wir besichtigen, der Rest war geschlossen, siehe oben.
Gleich gegenüber an der Wasserkante, streckt das
Entdeckerdenkmal
seinen Bug der Tejo-Mündung und damit dem Ozean entgegen. Es
wurde 1960 zum 500. Todestag Heinrichs des Seefahrers
vollendet.
Ein Stück flussabwärts, vorbei an einem
kleinen, ausgedienten, rot-weiß geringelten Leuchtturm,
erreichen wir den
Torre de Belem.
Er ist auch in dem manuelinischen Stil erbaut. Einst stand er inmitten
der Tejo-Mündung und kontrollierte die Zufahrt. Das Erdbeben,
das auch ihn, erbaut auf einer kleinen Felseninsel, verschonte,
verlegte das Flussbett, sodass der Wachturm und spätere Kerker
heute an seinem Ufer steht.
Um 22:00 Uhr sind wir zurück auf dem Campingplatz. Eigentlich
ist es erst 21:00 Uhr, weil wir in Portugal die Uhr eine Stunde
zurückstellen müssen.
45. Tag
Durch die Zeitverschiebung bedingt, sind wir heute nach portugiesischer
Zeit schon zeitig wach. Brigitte möchte die Frühe
nutzen um die Wäsche zu waschen. Während wir uns dann
in der Stadt die Füße platt laufen, kann unser Zeug
hier auf der Leine trocknen.
LISSABON mit seinem großen Naturhafen war schon in ältester Zeit besiedelt. Die Phönizier gaben ihr den Namen, dann kamen die Griechen, die Römer und die Germanen. 715 verloren die Westgoten die Stadt an die Araber, die sie Lischbua nannten, mit Festungsmauern umgaben und sich für 400 Jahre darin wohlfühlten.
Vom ersten portugiesischen König Alfonso Henriques wurde die Stadt im Jahre 1147 erobert und hundert Jahre später zur Hauptstadt des Landes erhoben.
Ihre Blütezeit erlebte die Stadt, sowie Portugal insgesamt, ab dem Ende des 15. Jhs. als die Portugiesen infolge ihrer Entdeckungsreisen das erste Kolonialreich Europas schufen. In der Regierungszeit Manuels des Ersten (1495 – 1521), von dem ja schon die Rede war, löschten jährlich 2000 Karavellen die kostbarsten Waren aus Afrika, Indien und Südamerika an den Docks des Tejo. Lissabon wurde zur reichsten Stadt Europas und konnte sich jeden Luxus leisten.Viel ist von dem Luxus nicht übrig geblieben. Den größten Teil, der in Stein gehauenen Pracht, verschlang das verheerenden Erdbeben am Allerheiligentag des Jahres 1755 und zusätzlich etwa 40 000 Menschenleben. Napoleons Einmarsch und Misswirtschaft taten das Ihrige.
Die heutige Stadt auf sieben Hügeln hat mindestens ebenso viele Gesichter. Zwischen das verwinkelte, mittelalterliche Gassenlabyrinth der ALFAMA am Burghügel und das hoch über einem Steilhang liegende BARRIO ALTO, schiebt sich das flache Tal des Stadtzentrums, die BAIXA. Sie ist der Teil Lissabons, der nach dem Erdbeben, unter Leitung von einem der fähigsten Staatsmänner die Portugal je hatte, in Rekordzeit unter modernen Gesichtspunkten und mit rechtwinkligen Straßenzügen komplett neu entstand.
Wegen der Ausdehnung und der Steilheit vieler
Straßen, wollen wir uns von den Lisboa-Verkehrsbetrieben
transportieren lassen.
Im Schnelldurchlauf: Mit dem Bus der Linie 43 wieder nach Belem. Dort
ein Tagesticket gekauft und mit der Straßenbahn Linie E15 zum
Praca do Comercio.
Er ist Lissabons größter Platz und öffnet
mit dem Triumphbogen die Stadt zum Wasser hin. Der Lieblingsplatz der
Einwohner ist aber der Rossio, dahin kommen wir noch. Nun mit der
Straßenbahn E25
hoch bis ins Stadtviertel Bairro Alto auf den Praca de Estrella, den
Sternenplatz. Mit der E25 wieder steil hinab, die Baixa gestreift und
nun durch den ältesten Teil der Stadt, die Alfama, den
Burghügel hinauf bis zum Kastell "Castelo de S. Jorge". Es ist
schon erstaunlich wie diese kleinen, alten
„Electricios“ die Steigungen und kurvigen Gassen
bezwingen.
Hier oben von den Mauern des Kastells aus, hat man einen fantastischen
Ausblick über die Stadt, den Tejo, die Mündung, bis
zum anderen Ufer mit seinen Salinen.
Weiter mit dem Bus 37 zum Praca da Figueira mitten in der Baixa. Zu
Fuß zum Rossio.
Der Rossio ist der eigentliche, von Cafestühlen
gesäumte, Hauptplatz in Lissabon. Früher wohnte man
hier Ketzerverbrennungen bei, später fanden auf dem Platz die
Stierkämpfe statt. Heute stehen hier die Statue von
König Pedro IV und zwei Springbrunnen in deren Nachbarschaft
die Lisboetas ihre vielfältige Kaffeehauskultur und die
süßen Backwaren aus der Pastelaria
genießen.
Gleich um die Ecke
liegt der Jugendstilbahnhof Rossio.
In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts als Sackbahnhof
für die Strecke LISSABON –SINTRA gebaut um die
Herrschaften zu ihren Residenzen zu bringen, spucken die S-Bahn
Züge heute alle drei Minuten ihre Pendlerströme aus.
Die Fassade ist ein Gedicht, Jugendstil und manuelinischer Stil standen
hier Pate.
Auf dem Praca dos Restauratores besteigen wir die Kabelbahn.
Jawohl, eine Cablecar hat LISSABON auch, wenn auch nur 250 Meter lang.
Es gibt mehrere gewollte oder ungewollte Ähnlichkeiten mit San
Francisco: Der Nebel, die Stahlseilbrücke „ Ponte
25de Abril“ die der „Golden Gate“ zum
Verwechseln ähnlich sieht, die steilen Straßen, die
Lage auf den Hügeln, der Naturhafen usw.
Von der Bergstation nach links, erreicht man die Kirche Sao
Roque in deren kühlem Innenraum wir etwas verweilen.
Über Gassen und kleine Plätze führt der Weg
zur
Ruine der Kirche Igreja do Carmo, die zum Gedenken an das
Erdbeben nicht wieder aufgebaut wurde.
Dann mit einem Fahrstuhl, dem „Elevator de Santa
Justa“ wieder runter in die Baixa. Von der obersten Plattform
hatte man wieder einen tollen Ausblick, diesmal hinüber zum
Kastell auf dem Burgberg.
Durch die Einkaufsstraßen zurück zum Triumphbogen
und den Praca de Comercio.
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