Von SINTRA, der ehemaligen Sommerresidenz
des portugiesischen Königshauses, führt die Tour an der
Atlantikküste nordwärs und wieder ins Landesinnere.
Wir besuchen altehrwürdige Kathedralen, Klöster, den
Hauptsitz der Tempelritter / Christusritter in Tomar und den Zauberwald von Bussaco.

Routenverlauf
46. Tag
Der Weg aus LISSABON ist ausnahmsweise leicht zu finden. So düsen wir auf
der Schnellstraße IP 6 Richtung SINTRA.
SINTRA war Jahrhunderte lang die
Sommerresidenz des portugiesischen Königshauses und liegt nordwestlich der
Hauptstadt auf halbem Weg zum Atlantik.
Die SIERRA DE SINTRA, fungiert als
Wetterbremse die die kalte, feuchte Luft abhält und auffängt. Dadurch haben sich
Küstenregenwälder dort entwickeln können. Das Klima ist ideal um Parks
anzulegen, was die höfische Gesellschaft auch getan hat. Aus aller Herren Länder
wurden Bäume und Pflanzen herbeigeschafft und in die entsprechenden
Klima-Nischen eingesetzt. Auf Südhängen finden sich z. B. Pflanzen aus trockenen
Erdteilen wie Mexiko und daneben im Bachtal oder dem Nordhang wachsen Moose,
Farne ja sogar Farnbäume. So kommt es, dass die SIERRA DE SINTRA vollkommen
überzogen ist von jahrhunderte alten Parks mit den dazu gehörenden Schlössern
und Herrensitzen.
Hinter dem Ort SINTRA befinden wir uns plötzlich auf einer schmalen Bergstraße, auf
der in früherer Zeit zwei Kutschen mit Mühe aneinander vorbeigekommen sein
dürften. Wir fürchten jedes Auto im Gegenverkehr. Glücklicher Weise sind es
nicht einmal eine Hand voll. Die Straße führt traumhaft schön in einem grünen
Tunnel auf halber Höhe um die Nordseite der Sierra. Auf halbem Wege liegt links
ein Parkplatz den ich dankbar annehme.
Er gehört zum Park MONSERRATE, der in den Jahren zwischen
1794 und 1799 angelegt wurde.
Für 3,50 EUR pro Nase gönnen wir uns den Spaß, wie
die längst verblichenen Eigentümer, in dem zum Urwald mutierten Areal zu
lustwandeln.
Zwei Stunden spazieren wir durch ein schattiges feuchtwarmes Tal, in dem ein Bächlein über einen
künstlichen Wasserfall geleitet wird. Überall gluckert, rinnt und plätschert es.
Wir sehen zum ersten Mal in unserem Leben richtige Farnbäume,
die einer der Eigentümer, Sir
Francis Cook, im 19. Jh. hier einpflanzen ließ.
Sie ähneln sehr stark den
Palmen.
Cook, der 1856 das Anwesen gekauft hatte, baute zwei Jahre später einen Palast im
orientalisch romantischen Stil auf eine Anhöhe im Park. Es wird zurzeit mithilfe
der UNESCO saniert und kann deshalb
nicht besichtigt werden, aber schon aus der Ferne lässt sich die reiche
Ornamentik erahnen. Sir Francis Cook muss schon ein sehr erfolgreicher
englischer Geschäftsmann gewesen sein.
Blick in die Ebene
Anschließend fahren wir das Sträßchen weiter bis zur Westflanke des Gebirgsstocks und gleich weiter zum CABO DA ROCA. Dieses Kap ist der westlichste Punkt des europäischen Festlandes. Von weitem schon sehen wir Nebelschwaden über die Küste wallen und an der Sierra zerfließen.
Am Kap selbst
ist deshalb die Sicht sehr
eingeschränkt.
Ein kühler Wind treibt ständig Nebelfetzen an den 140 Meter
hohen Klippen empor.
Nach
einem späten Mittagsimbiss beim Leuchtturm, wollen wir noch
einmal in die Sierra zurück.

Diesmal ist es eine noch schmalere Straße, wenn das überhaupt möglich ist. Sie schlängelt sich in noch größerer Höhe durch den dichten Wald und wird irgendwann endgültig zur Einbahnstraße. Es ist eine Erleichterung zu wissen, dass man in der nächsten Kurve nicht mit Gegenverkehr rechnen muss. Das Ziel ist diesmal der Nationalpalast von PENA mit dem zugehörigen Park.
Das Sintra-Gebirge krönend, erhebt
sich an höchster Stelle das portugiesische Neuschwanstein.
Ein deutscher Prinz, Ferdinand von Sachsen Coburg-Gotha, wollte es seinem blaublütigen Verwandten Ludwig von Bayern gleichtun und errichtete sich ein ähnliches Denkmal. Ermöglicht wurde ihm das als Prinzgemahl der Königin Maria II. Er erwarb im Jahr 1839 die antiken Ruinen des Klosters „Nossa Senhora da Pena“. Mit Hilfe des preußischen Ingenieurs Ludwig von Eschwege ergänzte und erweiterte er es zu einem maurisch, gotisch, manuelinischen Palast. ( Tor ) Er wird heute für klassische Konzerte, Ausstellungen, Freilichtaufführungen und als Museum genutzt, kann aber momentan nicht besichtigt werden.
Macht nichts, wir haben ihn uns von außen angesehen und sind für den Rest des Tages in seinem riesigen Park herumgewandert.
Auf der Rückfahrt sind in dem Örtchen SINTRA noch ein paar enge Passagen zu meistern, dann rauschen wir zur Küste.
Nordwärts, in RIBAMAR finden wir einen schönen Stellplatz am Strand unterhalb einer Felswand. Wir sind ganz allein, nur ein Traktorfahrer zieht auf dem Strand seine Runden und säubert mit einer Maschine den Sand. Zunehmend dichter Nebel entzieht uns den Blicken des Ortes. Nur die Wellen des Atlantiks rauschen hier an der PRAIA DE ST. LOURENCO unser Schlaflied.
47. Tag
Um
10:00 Uhr schnauft unser Womo wieder zur Küstenstraße hinauf. Heute Morgen war
es sehr neblig, aber inzwischen ist es schon klarer geworden. Bis SANTA CRUZ
fahren wir fast jede Stichstraße zu den Stränden hinunter. Diese sind alle sehr
schön, goldgelb, breit und fast menschenleer. Bei SANTA CRUZ selber liegen sie
wie Perlen an der Küstenstraße.
Wir halten an einem schön gelegenen
Abschnitt an und machen einen Strandspaziergang mit „Füße baden“, für mehr ist
das Wasser zu kalt. Hin und wieder schaut sogar die Sonne durch die Wolken.
Als Übernachtungsplatz ist der Parkplatz zu nahe an der Straße
und deshalb geht’s bald weiter. Wieder werden die küstennahen Dörfer mit den
dazugehörigen Stränden abgeklappert, aber ein vernünftiger Nachtplatz ist nicht
dabei. Entweder die Parkflächen sind zu schräg oder es ist ein Restaurant dabei,
was Unruhe in der Nacht bringen könnte.
Die Straßen sind etwas besser im
Belag, dennoch kann nicht schneller als 50 km/h gefahren werden. Die Besiedlung
ist sehr dicht, die Häuser reihen sich entlang der Straße auf und ziehen die
Ortschaften in die Länge. Lediglich bei den Kirchen gibt es ein oder zwei
Querstraßen. So kommt es, dass man ständig von einem Ort in den nächsten fährt,
Baulücken sind in der lockeren Bebauung schlecht auszumachen. Ortsendeschilder
gibt es kaum, es steht meistens das neue Ortsschild am Straßenrand. Bei den
wenigen Ausnahmen sind keine 100 Meter Abstand dazwischen. Der Rekord lag bei 5
Metern!
Am PRAIA BRANCA AREAL SUL ist es Zeit, zur Mittagspause, das heute
frisch gekaufte Brot anzuschneiden. Es schmeckt sehr gut, ähnlich einem
Weizenmischbrot, und hat auch eine Kruste. Zur Siesta verfrachten wir uns an
den Strand. Später können wir uns nicht mehr aufraffen weiter zu fahren obwohl
ein kleines Barackenrestaurant, am Parkplatz steht. Wir bleiben am Strand in
unseren Liegestühlen, bis der kalte Wind uns vertreibt.
Abends gratulieren
wir dem Geburtstagskind Gisela und trinken auf ihr Wohl.
48. Tag
Nach einem guten Frühstück fahren wir
nordwärts zur Halbinsel PENICHE mit gleichnamiger Stadt und Portugals Zentrum
der Fischkonserven-Industrie. Aber nicht die ist das Ziel sondern die felsigen
Steilabbrüche der Halbinsel. Gleich bei dem ersten Halt fotografiere ich die
„Lange Anna von Peniche“,
wie wir die Felsnadel, in Anlehnung
an Helgoland, genannt haben.
Es ist zurzeit Ebbe und viele Muschel- und
Krabbensammler sind im Neoprenanzug auf
den Felsblöcken im Wasser und versuchen während der Niedrigwasserzeit so
viel Beute wie möglich zu machen. Einige schnorcheln auch zwischen kleinen
Felsriffen und haben sichtbaren Erfolg.
Andere angeln vom Fuß der Klippen aus.
So
geht es von Aussichtpunkt zu Aussichtspunkt bis nach der Umrundung ein riesiger
Fischereihafen in Sicht kommt. Weil Brigitte zwar Fisch mag, aber nicht diesen penetranten
Geruch, geht’s nun ins Landesinnere.
Ziel ist die riesige mittelalterliche Abtei
„Alcobaça“.
Sie ist gleichzeitig
Grabstätte der ältesten Dynastie von Burgund. Die Gründung geht auf den
Reichsgründer Alfonso Henrique zurück, der das Kloster den Zisterziensern, nach
dem Sieg über die Mauren 1147, versprach. Es war der Dank für die Hilfe gegen
die Mauren und für die Durchsetzung der päpstlichen Anerkennung seiner
Königskrone.
Das Kloster wurde sehr reich und beherbergte in seinen
Glanztagen 999 Mönche. „Einer weniger als tausend“ wie es die Ordenregel
vorschrieb. Die Maße sind dem entsprechend, 220 Meter breit mit der Kirche als
Mittelpunkt.
Die Kirche in ihrer schmucklosen, schlichten Innengestaltung hat mir am
besten gefallen. 106 Meter lang, 20 Meter hoch und nur 17 Meter breit, ist der
Innenraum vollkommen auf die Höhe und
den Altar ausgerichtet.
Das Querhaus der Kirche beherbergt die gotischen
Prunksarkophage von
Ines de Castro
links, und König Pedro I. rechts.
Das
berühmte Liebespaar liegt sich auf Pedros Wunsch so gegenüber, dass „bei der
Auferstehung jeder zuerst den anderen erblicke“.
Geschichte:
Die Romanze von Ines und Pedro ist durch die Aufzeichnung in den Lusiaden von Camoes unsterblich geworden. Sie begann im Jahre 1328 als Pedro noch Prinz und Thronfolger war.
Er verliebte sich in die schöne Ines de Castro, Hofdame seiner ungeliebten kastilischen Gemahlin Constança. Als Constança früh verstarb, bestätigte der Prinz offiziell seine Liason mit der Spanierin. Sie hatte ihm inzwischen zwei Söhne geboren.
König Alfonso IV. aber, der Herrschaftsansprüche des Spanischen Hofes befürchtete, ließ in einer Nacht- und Nebelaktion Ines des Hochverates anklagen und zum Tode verurteilen. Als Pedro mal nicht in Coimbra war, erschien der höchste Richter Portugals mit Gehilfen und dem Henker und ließ sofort das Urteil vollstrecken.
In anderer Quelle heißt es, der König ließ Ines und ihre Kinder von gedungenen Mörden umbringen
Pedro konnte oder traute sich nicht gegen seinen Vater vorzugehen und schien sich zu fügen. Nachdem der Vater aber gestorben, und er selbst König geworden war, hat er sich grausam gerächt. Er ließ das Femegericht bzw. die Mörder von Ines zu Tode foltern, dann wurde die Tote ausgegraben, festlich eingekleidet und offiziell zur Königin gekrönt. Anschließend bestattete man sie in der Abtei von Alcobaça in einem Prunksarg, der auf den Gestalten ihrer Mörder ruht.


Das nächste Kloster, das nach einem gewonnenen Krieg gestiftet wurde, liegt nicht weit ab in BATALHA.
Batalha heißt Schlacht und meint die 1385
gewonnene, gegen die Übermacht der Spanier.
Sie sicherte die Unabhängigkeit
Portugals bis 1580. Von 1388 bis 1533 wurde an dem Kloster „Santa Maria da
Vitoria“ gebaut. Es ist gleichzeitig Grablege der Königsdynastie von Avis deren
Begründer der Sieger der Schlacht von ALJUBARROTA, Joao I. war. Er liegt mit
Gattin und Kindern hier begraben. Einer seiner Söhne war Heinrich, genannt der Seefahrer.
Der
Kirchenraum ist, weil später als
Alcobaça gebaut, noch eleganter ausgefallen und die Höhenwirkung ist mit 32
Metern noch gesteigert. Hier verzichten wir auf die Besichtigung des Klosters.
Über Fatima, dem größten Wallfahrtsbetrieb auf der Iberischen Halbinsel, mit
13 Großparkplätzen auf denen die Pilgermassen ihre Autos und Busse loswerden
können, steuern wir die Stadt TOMAR an. Über dem Ort thront der burgartige
Konvent der Christusritter. In der hügeligen Landschaft suchen wir vorher noch
nach den Überresten des gewaltigen
Aquäduktes, der das Burgkloster mit
Frischwasser aus den Bergen versorgte.
Dadurch kommen wir zu spät an unserem
Tagesziel an, die Anlage ist schon geschlossen.
Direkt vor dem Burgtor richten wir uns
auf dem Besucherparkplatz ein. Morgen werden wir die ersten Besucher sein.
49. Tag
War das eine unruhige Nacht. Bis um drei Uhr
morgens kurvten immer wieder Autos um den Parkplatz oder blieben stehen. Dieser
ist gleichzeitig Wendehammer und eine schöne Aussichtsterrasse über der Stadt.
Obwohl auch Autotüren schlugen, hat offenbar niemand Zeit gehabt die Lichter des
Ortes von oben zu betrachten, es gibt ja sooo viel zu erzählen, oder haben die
in den Autos anderes zu tun gehabt? Wir wissen es nicht, aber es war ein reger
Verkehr.
Pünktlich um 09:00 Uhr stehen wir mit drei anderen Besuchern vor dem Tor, das sich knarrend öffnet. Erfreut hören wir, dass sonntags bis Mittag kein Eintritt erhoben wird.
Seit 1159 hatten die Tempelritter hier ihren Sitz, die wesentlich zum Sieg über die Mauren bei SANTAREM beitrugen. Das päpstliche Verbot des mächtigen Templerordens hob König Dinis für sein Land auf, indem der Orden den Namen Christusritter bekam und mit sofortiger Wirkung dem Königshaus unterstand. Die Aufgaben des Ordens weiteten sich im Zeitalter der Entdeckungen zunehmend aus. Der Orden verwaltete die überseeischen Provinzen und wurde zum reichsten Orden der Christenheit. Das rote Kreuz der Christusritter war ein Emblem der Manuelszeit und prangte auf den Segeln der Karavellen.
Kern der Anlage ist die 1160 von den Templern errichtete, sechzehneckige Rotunde oder Templerkirche nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem. Ab dem Jahre 1515 wurde die Christusritterkirche im manuelinischen Stil angebaut. Die ehemalige Templerkirche ist nun der Chor mit einem goldüberladenen achteckigen Säulenraum der den Altar beherbergt. An der Außenfassade des Anbaus befindet sich das berühmteste, weil bizarrste manuelinische Fenster, um das sich Takelwerk, Schwimmkorken, Seeanemonen, Muscheln und Tang schlingen, gekrönt von einem Christusritter-Kreuz.
Unter Manuels Sohn Joao I. wurde der Ritterorden in einem Mönchsorden umgewandelt und ein Kloster angebaut. Insgesamt hat die Anlage sieben Kreuzgänge, zum Teil zwei oder drei Etagen hoch.
Trotz blauer und roter Wegweiser haben wir uns darin verlaufen. Zwei Stunde ging es Treppauf Treppab bis wir meinten, in allen Teilen gewesen zu sein.

Rotunde
Fassade in manuelinischem Stil.
Manuelinisches Fenster
Kreuzgang / Innenhof
Es wurde auch Zeit
das Weite zu suchen, denn Busladung auf Busladung von Besuchern wurde
mittlerweile herangeschafft und das Stimmengewirr erreicht schon bald
Sturmstärke.
TOMAR wird
südostwärts verlassen. Die Gegend wird bergiger und waldreicher, leider
vorwiegend Eukalyptus aber immerhin. Am Ziel, dem Stausee „Barragem Castelo do
Bode“ überqueren wir die Staumauer um das „Centro Nautico“ in ALDEIA DO MOTA zu
erreichen. Hier stellen wir uns auf den noch fast leeren Parkplatz, drehen die
Markise ein Stück herunter und fläzen uns in die Liegestühle.
In der Bucht
ist eine Schwimmsteganlage verankert die zwei mit Netzen ausgekleidete
Badebecken umfasst. Ein richtiges Freibad so zu sagen. Das hat zur Folge, dass
nach der Kaffeezeit die Besucher strömen und alles aus den Nähten platzt. Um
20:00 Uhr sind wir allerdings schon wieder ganz alleine. Wir schlafen himmlisch.
50. Tag
Wir bleiben im Landesinneren. In nördlicher Richtung brummt das
Womo im 3. Gang durch endlose Eukalyptusplantagen bergauf bergab.
Portugal hat im Gegensatz zu Spanien eine rege Forstwirtschaft. Wo das Land für landwirtschaftliche Nutzung nicht geeignet ist, wird Wald aufgeforstet und auch wieder geschlagen.
Das ist an sich sehr zu loben, aber die Forstwirtschaft steckt im Würgegriff der Papierindustrie. Wo sich früher Mischwälder, Olivenhaine oder Pinien ausbreiteten, dehnen sich endlose Eukalyptusplantagen. Diese liefern die Rohmasse für die Zellstofffabriken. Zellstoff, eine Ware die die traditionellen Exportgüter Wein und Kork inzwischen weit überflügelt hat. Eukalyptus ist grünes Erdöl, weil der schnell wachsende Baum schnelles Geld bringt. Ökologisch gehört diese Pflanze aber nicht nach Europa, schon gar nicht in den südlichen Teil. Wo die wasserhungrigen Bäume ihre langen Wurzeln in den Boden senken, versiegen Quellen und Brunnen, der Grundwasserspiegel sinkt, die Felder trocknen aus. In den Monokulturen hüpft kein Hase und singt kein Vogel mehr. Positiv ist einzig der wirtschaftliche Ertrag, der in Portugal die Forstwirtschaft und die Bedeckung aller Böden attraktiv macht, was die Erosion bremst. Außerdem noch das Grün, das den Augen schmeichelt und der Duft. Schon allein davon dürften die Portugiesen keinen Schnupfen mehr bekommen. Zur Ehre der portugiesischen Forstwirte muss erwähnt werden, dass auch einige, wenige Kiefernwälder neu angepflanzt werden.
Wo Walbrände gewütet haben, sind auch einige rußgeschwärzte Häuserruinen am Straßenrand zu sehen.
Wir bleiben auf dieser schönen Strecke bis zum Ort FIGUEIROS DOS VINHOS. Dort
sehe ich ein kommunales Hinweisschild, das die Attraktionen des Ortes anpreist,
unter anderem ein Flussschwimmbad „Piscinas fluvial“. Wir biegen ab und folgen
den spärlichen Schildern fast 20 Kilometer hinaus ins Umland, die letzten 10
davon auf einer nagelneuen EU-Straße zu einem Stausee des Rio ZEZERE. Eine neue
Brücke wurde noch gebaut, dann endet die ausgebaute Trasse bei einem ebenso
nagelneuen Bungalow. Dahinter holpert das alte Sträßchen von früher weiter.
Wir
machen unsere Witze, das ist sicherlich die Datscha vom Bürgermeister!
Vor der
Brücke, erreichbar über eine Schotterstrecke, sehen wir einen Bootssteg. Er gehört
einem Motorbootclub aus der Stadt. Davor sind ein Parkplatz und drei Häuser. Wir
haben unser kleines Paradies für zwei Tage gefunden.
51. Tag
Wir fühlen uns immer noch pudelwohl. Sogar die
Brotversorgung ist garantiert, um 10:00 Uhr hupt ein Bäckerauto bei den drei
Häusern! Nachmittags übersteigt das Thermometer die 30° Grenze.
52. Tag
Heute geht’s weiter. Vorher wollen wir den Stausee als große Badewanne
nutzen und uns noch gründlich erfrischen. Ich will gerade mit dem Handtuch über
der Schulter zum Bootsanleger, als ein Fischer kommt. Der hat hier Netzkäfige an
Schwimmern im See vertäut. Der morgige Feiertag wirft seine Schatten voraus. Wir Frühstücken
erst einmal. Nach dem ersten Brötchen fährt auch der Bootsbesitzer weg. Los,
sagt Brigitte, still ruht der See.
Frisch gebadet sitzen wir wieder am
unterbrochenen Frühstück, da bringt der nächste Eigner sein Boot, um es zu
Wasser zu lassen. Also heute geht es hier zu wie im Taubenschlag, Wird Zeit,
dass wir verschwinden.
Durch eine herrliche Wald-
und Hügellandschaft, ( Windräder, Straßenbaldachin aus Mimosenbäumen ) die SIERRA DA
LOUSA, geht es zum gleichnamigen Ort. Hier liegt der so genannte Zauberwald von
BUSSAÇO.
Seit frühester Zeit war der Wald ein Ort der Einsiedler. Später wurde ein Karmeliterkloster gebaut und die Mönche zogen eine Mauer um den 480 ha. großen Wald. Keine Frau durfte den Wald betreten und kein Baum gefällt werden. Dank des feuchtwarmen Klimas gediehen fast alle Gewächse, 2 die von den Entdeckern und Handelskaravellen den Mönchen mitgebracht wurden. Zum Beispiel wachsen die Riesenschirme der Goa-Zedern seit dem 17. Jh. in diesem Wald. Heute achtet die Forstverwaltung über diesen Waldgarten in dem derzeit 400 einheimische und 300 exotische Baumarten gedeihen.
Der letzte portugiesische König ließ sich zum Ende des 19. Jh. ein neomanuelinisches Lustschlösschen in den Wald bauen, konnte es aber nicht mehr nutzen, weil es noch nicht ganz fertig war als die Monarchie 1910 gestürzt wurde. Heute ist es ein Fünfsterne Luxushotel.

Azulejo am Schloss
Nach zweieinhalb Stunden grüner Idylle stellt sich die Frage, wohin
jetzt? Weiter ins Landesinnere in die Berge oder an die See?
Unser
Womo-Reiseführer verheißt einen einsamen Stellplatz an der Atlantikküste. Wenn
es da so einsam ist, dann wird es beim morgigen Nationalfeiertag sicher nicht so
überlaufen sein. Also auf an die Küste.
Am Abend, nachdem am Schluss noch eine 3,4 km lange, achsenbrechende Schotterpiste hinter uns liegt, parken wir unmittelbar hinter den Dünen am Pinienwald. Puh, geschafft. Ein Auto, das hier steht, fährt später auch noch weg. Wir haben diesen Platz heute Nacht ganz für uns allein. Auch morgen wird es wahrscheinlich moderat bleiben, wer will schon so eine fahrwerkerschütternde Piste fahren!
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