Am 11. März bombten
Terroristen in Madrid 192 Menschen in den Tod. Wollen wir
trotzdem an dem Plan festhalten, Spanien inclusive seiner Hauptstadt
zu besuchen?
Natürlich, denn vor Terror ist man heutzutage nirgends mehr
geschützt und die Gefahr eines leiblichen Schadens ist auf den
vielen Straßenkilometern, die eine Iberien-Tour durch Spanien
und Portugal zwangsläufig mit sich bringt, wahrscheinlich
höher einzuschätzen.

Übersicht über die Gesamtstrecke
Am Montag den 19. April starten wir gegen Mittag auf unsere Reisemobil-Tour. Die Route führt uns quer durch das Sauerland Richtung Gießen, dort dann auf die Autobahn und weiter in einem Rutsch via A5 bis zum Kaiserstuhl. Viel gibt es darüber nicht zu berichten, außer, dass der Fortschritt in der Vegetation sehr gut zu beobachten ist, bei uns das erste zaghafte Aufbrechen der Knospen, am Mittelrhein schon üppiges Grün und im Breisgau hat der Frühling schon in seiner ganzen Pracht Einzug gehalten. Die Obstplantagen stehen in voller Blüte.
Am Sportplatz in JECHTINGEN stellen wir das Womo für die erste Übernachtung ab. Als Ausgleich für die Sitzerei während der heutigen 515 Tageskilometer, gönnen wir uns noch eine Wanderung am Rhein entlang.
Der zweite Tag erwartet uns mit bewölktem Himmel. Eigentlich
kein schlechtes Wetter wenn man auf Achse ist.
Weil Geld knapp aber Zeit vorhanden ist, werden wir in Frankreich keine
Autobahnen benutzen. Abgesehen von den örtlichen, sind die
Straßen in Frankreich inzwischen besser als bei uns in
Deutschland und so ist das Reisen auf den Nationalstraßen
für Leute mit Zeit und einer gewissen Routine im Karten lesen
zu empfehlen. Zeit verrinnt in den Ortsdurchfahrten und wenn die Karte
mal nicht so korrekt interpretiert wird. Als Vorteil schlägt
zu Buche, dass der Spritpreis an den französischen
Supermärkten in der Regel 10 Cent preiswerter ist als an den
Autobahntankstellen.
Ab MÜHLHAUSEN durchqueren wir in
südwestlicher Richtung eine Mittelgebirgslandschaft, die
landwirtschaftlich geprägt ist.
Kurz vor VICHY, wir befinden uns wieder in hügeliger
Muränenlandschaft die fast ausschließlich durch
Vieh- und Weidewirtschaft genutzt wird, suchen wir unseren zweiten
Übernachtungsplatz. Er wird auf einem Bauernhof sein.
Wie kommt das?
Wenige Tage vor Ostern bekam ich die Werbemail einer
französischen Organisation mit Namen FRANCE PASSION.
Vor 12 Jahren haben sich ursprünglich Winzer und Weingüter zusammengeschlossen und ein Verzeichnis herausgegeben in dem sie Wohn- und Reisemobilisten, die über ein autarkes Fahrzeug verfügen, privat bei sich auf ihrem Grund und Boden einladen, eine Nacht in Sicherheit oder auch einen oder zwei Tage ungestörten Urlaub zu verbringen. Inzwischen stehen in dem Einladungsverzeichnis für das Jahr 2004 schon 623 Winzer, Bauern, Gastwirte und Weingüter, die einen kostenlosen Parkplatz anbieten.
Die einzigen Kosten die der Nutzer vorab hat, sind 28 Euro incl. Porto, für das 360 Seiten dicke Einladungsverzeichnis „Carnet des Invitations“, die Identifikationsvignette des Fahrzeugs, eine Frankreichkarte mit den markierten Orten mit Gastgebern und einer persönlichen Einladungskarte. Die Gültigkeitsdauer ist von Ostern bis Ostern und muss jährlich erworben werden.
Nicht weit abseits unserer Route, in ST. GERAND-LE-PUY, bietet der Bauer Jerôme Farjaud zwei Stellplätze an.

Wir werden sehr herzlich von dem jungen Viehzüchter empfangen. Die Verständigung klappt mithilfe von Englisch und Wörterbüchern recht gut und er bietet an, bei Interesse uns in einer Stunde seinen Hof zu zeigen. Wir sagen zu.
Wie schon erwähnt, sind die Übernachtungen gratis,
aber der Gastgeber verspricht sich aus dem Angebot sicherlich auch ein
kleines Zubrot. Uns war klar, wenn er uns den Hühnerstall
zeigt und auf Eier zu sprechen kommt, werden wir ihm einige abkaufen.
Jerôme Farjaud war aber in erster Linie Züchter
einer weißen, regionalen Rinderrasse und auf
Fleischproduktion eingerichtet. Er zeigte uns sein Kühlhaus
und den Hofladen mit Erzeugnissen der Region und so fanden wir ein Glas
Schweinefleischpastete, zubereitet mit Gewürzen, Wein und
Armagnac, die uns sehr gut schmecken sollte.
3. Tag
Am nächsten Morgen lassen wir Jerôme allein seinen
Mais aussäen und schlagen wieder eine südwestliche
Richtung ein, bis CLERMONT-FERRAND erreicht ist. Von nun ab ist
Generalrichtung Süd vorgegeben. Die Nationalstraße N
9 wird nun zur kostenlosen Autobahn A 75, die auf der
gleichen Trasse von Nord nach
Süd das französische Zentral-Massiv durchquert bis
sie kurz vor der Mittelmeerküste wieder zur N 9 wird.
Die französische Regierung wollte damit der Region
wirtschaftlich unter die Arme greifen, mit einer besseren
Erreichbarkeit die Volkswirtschaft stärken und den Tourismus
in dieser, landschaftlich sehr schönen Gegend,
fördern. Sie preist die Trassenführung als
„landschaftlich angepasst“ und „naturnah
geführt“ an, was auch so stimmt. Das heißt
aber im Umkehrschluss 300 Kilometer sehr kurvige Autobahn mit
ständigem Wechsel zwischen Steigung und Gefälle mit
Werten von 6 bis 7,5 %, weil fast keine Talbrücken und nur
zwei kurze Tunnel gebaut wurden. Die Höhenlage der Autobahn
bewegt sich ca. 200 Kilometer weit zwischen 900 und 1150 Metern
über NN.
Ich kann sagen, wir haben diese Strecke genossen, denn das Wetter
strengte sich an und bescherte uns den ganzen Tag über
strahlenden Sonnenschein vom wolkenlosen Himmel. Die höchsten,
Schnee überzogenen, Gipfel gleißten zu uns
herüber, wenn das Womo wieder eine Höhe erschnauft
hatte. Kurz danach ging es wieder rasant abwärts in das
nächste Tal.
In BEZIERS angekommen, stecken wir mitten im dicksten Feierabendverkehr und bevor unser heutiges Ziel,

NARBONNE-PLAGE,
erreicht ist, verfahren wir uns noch einmal auf den Landstraßen im Küstenstreifen. Alles halb so schlimm, pünktlich zur Abendbrotzeit ist der aufgeweichte, mit Pfützen übersäte Stellplatz erreicht, den wir mit ca. 30 anderen Mobilen belegen.
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