Reise 1997

Dienstag 22.07.97
Trotz
Verbot
haben Brigitte und ich heute morgen ein Murmeltier gefüttert.
Es saß zuletzt ca. einen halben Meter vor unserem Einstieg
und ich konnte einige Fotos schießen. Nach einem ordentlichen
Frühstück ( Pfannkuchen ) brechen wir um 10:15 Uhr
Richtung Yellowstone Park auf. Die Route führt uns
über die Stadt Helena und diese Gelegenheit nutzen wir
für den, nach 4000 Meilen fälligen, Oelwechsel. Eine
Servicestation wird angefahren wo man auf solche Arbeiten spezialisiert
ist. Was wir dann erleben ist der sprichwörtliche amerkanische
Service, schnell gut und billig. Die Werkstatt hat zwei Einfahrtstore,
dahinter jeweils eine Montagegrube und dann wieder ein Ausfahrtstor.
Als wir ankommen sind die beiden Montageplätze belegt, links
vor dem Tor wartet noch ein Armee-Pickup, also stellen wir uns vor das
rechte Tor. Es wird ja noch etwas dauern und wir wollen in der
Zwischenzeit einige Butterbrote schmieren. Das erste ist noch nicht
fertig, kommt ein junger Mann mit dem Auftragsblock. Die Fahrzeugdaten
sind schon eingetragen. Wir werden nach unserem Wunsch gefragt und ich
muß den Auftrag unterschreiben. Als ich gerade ins Brot
beißen will, wird die Tür aufgerissen und mir wird
bedeutet, man will den Teppichboden im Fahrerhaus absaugen. Im
nächsten Moment springt ein weiterer Mann auf die
Stoßstange, besprüht die Windschutzscheibe mit einem
Reiniger und bearbeitet sie. Ich denke schon den falschen Auftrag
erteilt zu haben, da kommt der Chef, setzt sich ans Steuer und bugsiert
das Mobil auf die frei gewordene Grube. Das ist Zentimeterarbeit. Die
Motorhaube wird geöffnet und wir sehen nicht mehr was da vor
sich geht. Mir fällt die Empfehlung ein, Tankwarte nicht
unbeobachtet zu lassen, also aussteigen. Ich sehe gerade noch wie der
Chef das Luftfiltergehäuse zuschraubt. Auf meinen erstaunten
Blick meint er der Filter sei o.k. Unterdessen prüft jemand
den Luftdruck der Reifen, ich höre Stimmen aus der Grube und
der Chef zieht den Füllschlauch aus dem, jetzt
gefüllten, Scheibenwaschbehälter. Der Oelfilter wird
gewechselt. Inzwischen scheint das Altoel herausgelaufen zu sein, denn
mit einer Zapfpistole wird der Motor mit frischem Oel befüllt.
Unten prüft man den Getriebeoelstand. Es geschieht zwar alles
im Akkord aber ich rechne inzwischen mit einer saftigen Rechnung. Wie
erstaunt bin ich dann als mir 26 Dollar berechnet werden. In
Deutschland zahle ich für 5 Liter Oel plus Filter schon mehr,
Arbeitslohn gar nicht gerechnet. Stichwort Arbeitslohn, der
muß hier ja wirklich mickerig sein, der berüchtigte
Minimallohn. Deshalb fällt das Trinkgeld,
„Tip"genannt, üppiger aus als sonst. Auf die Frage
nach einer Windschutzscheibenreparatur, wird uns eine Firma empfohlen.
Dort gibt es eine Reparaturmöglichkeit erst am
nächsten Tag. Wir fahren weiter. Gut so, denn sonst
hätten wir uns später ärgern müssen
wie sich noch zeigen wird. Den Rest des Tages rollen wir weiter durch
das sonnige Montana Richtung Süden. Ein Stück des
HW.94 ist so von Brüchen in der Fahrbahndecke durchzogen,
daß die erste Möglichkeit genutzt wird, die Bahn zu
verlassen. Dadurch nähern wir uns jetzt dem Westeingang des
Yellowstone Park. Etwa 60 Meilen vorher wird ein Campground angefahren.
Nach dem Abendessen wird noch eine Runde „Mau Mau" gespielt
und um 22:00 Uhr geschlafen.
Mittwoch 23.07.98
Es
wird ein
heißer Tag. Um 8:00 Uhr schrillt der Wecker. Ein Blick aus
dem Fenster sagt uns, der Campground, der gestern Abend bis auf den
letzten Platz belegt war, ist fast leer. Es scheint, daß wir
viel zu spät aufgestanden sind. Vierzig Minuten
später fahren auch wir los. Im Ort Yellowstone, vor dem
Westeingang des Parks gelegen, wird getankt und frisches Brot
eingekauft. Etwas später reihen wir uns in die lange
Autoschlange vor der Einfahrt des Yellowstone National Park ein. Die
Durchfahrt zwischen den Glashäuschen ist nicht gerade
üppig bemessen. Der intensive Kontakt zwischen den
Rückspiegeln der Busse und Wohnmobile mit den
Glasflächen der Kassenhäuschen ist nicht zu
übersehen. Zwanzig Dollar werden bezahlt. Beim Anfahren ziehe
ich leicht nach links um unseren rechten Rückspiegel auf
Abstand zu halten, da knirscht es häßlich, sechs
Meter hinter uns. An einem Stahlpfosten haben wir uns das rechte,
hintere Seitenlicht abgestreift. Verdammt wie kann man nur solche
Nadelöhre bauen.
An der Informationstafel für die Belegungssituation auf den
Campgrounds steht hinter drei Namen schon „FULL". Wir
beabsichtigen, heute die nördliche Schleife durch den Park zu
fahren. Ein, auf der Infotafel noch frei gekennzeichneter, Campground
ist „FULL" als wir hinkommen. Weiter zum nächsten,
natürlich „FULL". Mir platzt der
sprichwörtliche Kragen. Ich habe diesen Park „schon
in mein Herz geschlossen." Es ist mittlerweile 11:45 Uhr. Kein weiteres
Herumfahren mehr, heute abend wird der Park wieder verlassen.
Die Suche hat uns schon bis Canyon Village gebracht. Von hier fahren
wir eine Einbahnstraße am Nordrand des Canyon
entlang.
Der Name des Parks geht auf den gelben, schwefelhaltigen Sandstein im "Grand Canyon of the Yellowstone" zurück. Eine vierzig Kilometer lange Schlucht, zwischen 300 und 1400 Meter breit und vom Yellowstone River bis zu 245 Meter tief ausgewaschen.
Über zwei Wasserfälle
stürzt der
Fluß hinunter.
Der untere mit einer Höhe von 94 Metern ist sehr spektakulär. Nachdem wir uns dieses Schauspiel erwandert haben ist mein Ärger verflogen.
Die Strecke zum nördlichen Parkausgang ist sehr gebirgig. In etwa zweitausend Metern Höhe schlängelt sie sich, mit langen Steigungen und entsprechendem Gefälle, an den Berghängen entlang. Der Dunraven Pass ist mit 2700 Metern der höchste Straßenpunkt auf diesem Abschnitt aber die Gipfel sind an die 3000 Meter und höher.
Unweit
des Nordausgangs befinden sich
die Mammoth Hot Springs. Heißes, mit Kalziumcarbonat
angereichertes Quellwasser tritt dort in sechzig Quellen an die
Oberfläche. Es hat kalkweiße Sinterterrassen und,
durch Heißwasseralgen bunt gefärbte, Kegel gebildet.
Eine einspurige Teerstraße umrundet das Upper Terrace Area.
Sie darf von Fahrzeugen bis 20 Fuß Länge befahren
werden. Wir versuchen es auch mit unserem 23-Fuß-RV. Es ist
leichter, als durch den Parkeingang zu fahren. Das untere
Terrassenareal umwandern wir und die Fotokamera bekommt Arbeit.
Die nun folgende Straße zum Norris Geyser Basin ist
eine der schönsten Strecken im Yellowstone NP. Das Geyser
Basin selbst vermittelt eine Art Endzeitstimmung. Es ist schon
früher Abend als wir auf Holzstegen dieses Gebiet besichtigen.
Abgestorbene Bäume, kalküberkrustete
Flächen, kochende Quellen und blubbernde
Schlammlöcher bestimmen die Landschaft. Über alles
ziehen Dampfwolken mit einem kräftigen Schwefelgestank. Der
Ecchinus Geyser gilt als der Höhepunkt dieses
Heißwasserbereiches. Er füllt sich langsam und
bläst seinen Inhalt dann in wenigen Minuten wieder aus. Die
Erholungsphase zwischen diesen Eruptionen beträgt etwa eine
Stunde. Ich stelle fest, daß die Diafilme alle belichtet sind
und trabe ab zum Wohnmobil um Nachschub zu holen. Die restliche Familie
geht weiter zum Ecchinus. Als ich zehn Minuten später, auf dem
Rückweg den letzten Hügel vor dem Ecchinus Geyser
hochkeuche, zeigt mir eine riesige Dampfwolke an, daß der
Ausbruch schon stattfindet. Brigitte und die Kinder haben das
Schauspiel aber hautnah miterlebt. Jetzt zurück zum Wohnmobil
und raus aus dem Park. Die Sonne ist untergegangen, das Abendrot steht
über den Baumwipfeln und wir haben noch ca. 50 Kilometer bis
zum Westeingang. Dann beginnt die Suche nach einem Platz für
die Nacht. Auf einem sogenannten Hard sidet Campground finden wir einen
tollen Stellplatz. Der Bakershole-Camp liegt in Bärengebiet,
deshalb dürfen hier nur Campingfahrzeuge mit festen
Wänden stehen aber keine Zelte oder Klappwohnwagen.
Um 22:30 Uhr ist Nachtruhe.
Donnerstag 24.07.97 (heiß)
Um
07:30 Uhr
klingelt der Wecker. Niemand hat so recht Lust aufzustehen. Als erstes
wird der Boiler für das Duschwasser angestellt. Nachdem das
Wasser warm ist, nehmen wir alle unsere Dusche. Danach ein
gemütliches Frühstück, niemand hetzt, obwohl
ein umfangreiches Programm ansteht. Als wir um 10:15 Uhr am Eingang des
Parks ankommen, steht eine lange Fahrzeugschlange vor uns. (Das kommt
davon, wenn man immer so bummelt.) Heute wenden wir uns dem
südwestlichen Teil des Nationalpark-Rundkurses zu. Hier liegen
in Folge die Firehole Loop Road, eine Einbahnstraße durch die
Schlucht und entlang des Firehole River. Dieser Fluß wird
durch zahlreich einmündende heiße Bächlein
und Quellen angenehm temperiert und ist ein gutes Fischwasser. 
Dann kommt das Lower Geyser Basin mit dem Fountain Paint Pot, ein Gebiet von Dampf- und Wasserlöchern in fast allen Farben des Regenbogens. Am beeindruckendsten sind die türkisfarbenen Pools und von Heißwsseralgen überzogenen Sinterbuckel von gelb über orange, rot, bis braun. Die verschieden Geyser-Bereiche schließen sich links und rechts der Straße an.
Das Fahrzeug wird hin und wieder geparkt, für einen
Rundgang über die Holzstiegen, an kleinen Fontänen,
kochenden Quellen und blubbernden Schlammlöchern vorbei,
öfter eingehüllt in den stinkenden Dampf. Hier
hört man wieder vermehrt deutsche Stimmen, auch ein Rotel-Bus,
das feuerwehrrote rollende Hotel hat seine Gäste hier
entladen. Das Ziel fast aller Touristen ist das Upper Geyser Basin mit
seinem berühmtesten Geyser, dem Old Faithful. Entsprechend ist
auch die Infrastruktur ausgelegt. Autobahnähnlich sind die
Zufahrtsstraßen zu den großen Parkplätzen
angelegt. Unser Wohnmobil hat soeben seinen Platz gefunden, als Ingo
unglaubliches entdeckt. In Amerika kann man ja die tollsten
Anhängsel an den Autos sehen, alles was transportabel ist,
wird in den Urlaub mitgenommen, aber Ingo zeigt uns ein Auto, das auf
seinem Anhänger einen Mini-Hubschrauber transportiert. James
Bond läßt grüßen. 
Das Zentrum der Toristenbetreuung konzentriert sich beim beständigen Old Faithful, dessen Ausbruchsintervall im Mittel bei 79 Minuten liegt, wobei es zwischen 45 bis 110 Minuten variiert. Bei einer Eruption, die zwischen 1,5 und 5 Minuten liegt, schleudert er 14 000 bis 32 000 Liter heißes Wasser in eine Höhe von 35 bis 50 Meter. Auf einer Tafel im Visitor Center stehen die voraussichtlichen Eruptionszeiten der Geysire dieses Bereiches. Auf einer Wanderkarte notieren wir einige in der Abfolge passende Geysire die dann nacheinander erwandert werden. Der erste ist um 14:00 Uhr Old Faithful, (Bild) der letzte bevor wir umkehren der Riverside, der nur alle 7 Stunden seine Fontäne in den Himmel schickt. Einfach gigantisch wie er über 10 Minuten lang bläst.
Zurück geht es über aufgeständerte
Bohlenwege, quer durchs Geysirfeld. Warum haben wir heute morgen
eigentlich geduscht? Die schwefeligen Dämpfe
parfümieren uns und die Kleidung, bis auch wir entsprechend
riechen.
Bei der Lodge gibt es anschließend eine Runde Ice-Cream,
für die man lange anstehen mußte. Es sind einfach zu
viele Touristen hier, deshalb geht’s jetzt in einem Rutsch
zum Südeingang des Parks. Nein, da gibt es nach einiger Zeit
ein einsames Picnic Area das uns gefällt. Hier wird ein sehr
verspätetes Mittag- und frühes Abendessen gemacht.
Nach der Stärkung geht es weiter. Wenn nicht das
Kassenhäuschen wäre, könnte man nicht
erkennen wo der Yellowstone Park endet und der Grand Teton NP beginnt.
Alle Campgrounds waren bisher voll belegt, so kommt es, daß
wir nun auf einem Parkplatz vor Jackson WY stehen, zusammen mit zwei
anderen Wohnmobilen. Das Panorama der Berggipfel im Westen gibt uns das
Gefühl in den Alpen zu sein. Um 21:10 Uhr ist Schluß
für heute.
Freitag 25.07.97
Um
6:00 Uhr
kommt ein Lastwagen auf den Parkplatz und läßt den
Motor laufen. "So eine Rücksichtslosigkeit" denke ich. Dann
werden auch noch Maschinen umgeladen, Ketten rasseln, es geht ziemlich
laut zu und alle werden wach. Kurz darauf pocht es kräftig an
unsere Wagentür. Als ich öffne, steht eine
Park-Rangerin vor mir und fordert ziemlich barsch unsere sofortige
Abfahrt. Ich verstehe sie zwar nicht genau, vermute aber das Richtige.
Ingo übersetzt aus seinem Alkovenbett über dem
Fahrerhaus: „Wir befinden uns noch im Parkgebiet und
dürfen hier nicht übernachten, wenn wir sofort
abfahren sieht sie von einer Strafe ab, wenn nicht, kassiert sie gleich
einen ansehnlichen Betrag." Der Klügere gibt nach, ich
schwinge mich in die Hose und fahre von diesem ungastlichen Platz,
während der Rest der Familie in den Betten bleibt. Nach
wenigen Kilometern lenke ich in Jackson auf den Parkplatz des Visitor
Center und parke erneut. Hier wird gefrühstückt und
dabei die Hauptstraße betrachtet. Gegenüber befindet
sich eine Frühstücksbar, daneben ein Motel, auf der
anderen Seite ein RV-Park, Busse kommen und holen Gäste ab
oder lassen ihre Fahrgäste in der Bar
frühstücken. Nach dem Geschirrspülen zeigt
die Anzeige des Schmutzwassertanks -FULL-. Auf dem RV-Park
gegenüber gibt es eine Dump-Station, aber die Benutzung kostet
5 Dollar. Nein, da gibt es sicher noch eine günstigere
Möglichkeit. Die bietet sich auch bald am Ortsausgang bei
einer Tankstelle, wo wir tanken und dumpen, aber kein Frischwasser
übernehmen können. Von hier ab zeigt die
Kühlerhaube in die Generalrichtung West. Wyoming wird
über Paßstraßen verlassen um in den
Bundesstaat Idaho zu gelangen. Die Route führt uns am
Palisades See entlang, wo ein schön gelegener Picknickplatz
zum Rasten, Schwimmen und Sonnenbaden einlädt. Der riesige,
tiefblaue Stausee liegt eingebettet in Hügelketten die
vollkommen baumlos sind, nur Salbeibüsche und Steppengras
überzieht die Landschaft. Die wenigen Bäume und
Büsche wachsen in Flußtälern und
unmittelbar am See. Wir haben den See fast für uns alleine und
grillen mittags über dem Lagerfeuer unsere Steaks, wobei ich
mir einen starken Sonnenbrand einfange. Mit einsetzendem Regen
verlassen wir um 15:00 Uhr diesen Platz in Richtung Idaho Falls. In
einem der riesigen Supermärkte am Stadtrand werden die
Lebensmittel ergänzt. Die letzten Sachen sind soeben verstaut,
als wieder Tropfen herunterklatschen und sich ein Gewitter
entlädt, daß ich so schnell nicht vergessen werde.
Der stürzende Regen begrenzt die Sicht auf unter 100 Meter,
dabei wird es so dunkel, daß sich die
Straßenlaternen einschalten. Nur der vorgebaute Alkoven
über der Frontscheibe bewirkt, daß die
Scheibenwischer das Wasser wegschaffen können. Der Verkehr
kommt fast zum Erliegen und nach 10 Minuten haben sich die
Straßen in flache Flüsse verwandelt, wo man die
Bürgersteige nur noch erahnen kann. Nach einer halben Stunde
ist der Spuk weitergezogen, die Luft ist klar und warm, die Stadt
glänzt wie gebürstet und die Rasensprenger kreiseln
immer noch, pfrrrrrt pft pft pft ......, niemand hat sie abgestellt.
Die Gegend hier ist topfeben und im Grunde eine Steppe, trotzdem dienen
riesige Flächen dem Kartoffelanbau. Die großen
Stauseen in den Gebirgsausläufern und wahrscheinlich das eine
oder andere Gewitter helfen den Farmern, ihr Land zum Kartoffelkeller
der Nation zu machen. Vielleicht sollte man nicht Farmer sondern
Klempner sagen, denn die Hauptbeschäftigung besteht darin,
Wasserrohre und Pumpen zu montieren und umzusetzen um die
monströsen Bewässerungsmaschinen in Gang zu halten.
In so einem Gebiet liegt Arco, eine Kleinstadt die als erster Ort
dieser Erde mit Atomstrom versorgt wurde, denn in der Nähe
liegt das Sperrgebiet der Atomenergiekommission mit nuklearen
Forschungseinrichtungen. Auf einem RV-Park im
Dornröschenschlaf wird für 8 Dollar + Steuer
übernachtet, Strom und Wasseranschluß direkt am
Fahrzeug. Weitere drei Wohnmobile stehen heute Nacht hier. Nachdem wir
geduscht, und uns für die Nacht zurechtgemacht haben, ist es
immer noch 23° Celsius. Für uns, die wir bisher andere
Nachttemperaturen gewöhnt waren, viel zu warm, aber die
Aircondition soll auch nicht rauschen, also wird auf der Decke
geschlafen.
Samstag 26.07.97
Die
Sonne
vom wolkenlosen Himmel weckt die Familie. Frühstück
mit Toast und getoasteten Waffeln, einer Neuerung aber sehr lecker. Um
9:30 rollt das Wohnmobil vom Platz, in Richtung Craters of the Moon.
Als Richtungsweiser dient lange Zeit ein Kegelberg der etwas
höher ist als einige andere die hier in der Ebene stehen.
Dieser Berg vulkanen Ursprungs hat auch schon den Siedlertrecks im
letzten Jahrhundert als Landmarke auf ihrem Weg nach Westen gedient.
Der Boden wird immer dunkler und linker Hand sieht es aus wie frisch
gepflügter Acker, es ist aber Lava die sich bis zum Horizont
ausbreitet. Das Visitor Center liegt direkt am HW und bietet umfassende
Informationsmöglichkeiten über das Gebiet. Craters of
the Moon liegt auf einem Hot Spot, genau wie Hawaii, und wie dort auch
kehren die mehr oder weniger regelmäßigen
Ausbrüche wieder. Die letzte Eruption war vor ca. 1000 Jahren.
Die Lava besteht entweder aus einem schwarzen Bims, verbacken oder
lose, oder aus wasserflüssigem Gestein, daß zu
glasartiger Kissenlava erstarrt ist. Beim Ticketkauf wird Ingo wieder
wegen seiner englischen Aussprache gelobt. An Hand des erhaltenen
Infomaterials wandern wir in diesem Glutofen, Sonne von oben - wabernde
Hitze von der schwarzen Lava unten, durch die einzelnen Bereiche dieses
Gebietes. Am Aufregendsten sind die verschiedenen Höhlen unter
der Oberfläche die man auf eigene Faust und Risiko erkunden
kann. Natürlich nur wenn man Taschenlampen zur
Verfügung hat. Wir haben eine dabei, mit der Ingo und Ramona
zwei Höhlen erkunden, und total begeistert nach einiger Zeit
wieder zum Vorschein kommen. Brigitte und ich sind schon etwas
beunruhigt, überbrücken aber die Zeit durch ein
holpriges Gespräch mit einer Amerikanerin, die auf ihren Mann
und zwei Neffen wartet. Ihre Großmutter stammte
übrigens aus Düsseldorf. Ingo will mich unbedingt in
die zweite Höhle führen, weil nur vier bis
fünf Meter unter der aufgeheizten Oberfläche, Wasser
und Eis in den Kammern für Kühlschranktemperaturen
sorgen. Die funzelige Lampe spendet mir aber nicht genügend
Licht weil Ingo sie vorne braucht. Nachdem ich beinahe
kopfüber ins Dunkle stürze, kehre ich um. Ohne
eigenes Licht ist mir die Sache zu gefährlich. Das
nächste Ziel ist der Alturas Lake in der Sawtooth National
Recreation Area, wo wir zwei Tage bleiben wollen. Der Weg
führt über die Stadt Ketchum, inmitten eines riesigen
Skigebietes, die auch im Sommer ein Touristenzentrum ist. Hier wird
noch einmal frisches Brot, eine elf Kilo schwere Melone und
verschiedene Kleinigkeiten eingekauft. Anschließend geht es
noch einmal über einen 2366 Meter hohen Paß, der
eine schöne Aussicht in das Quelltal des Salmon River bietet.
Am See angekommen, müssen wir feststellen, daß es
auf den drei Campgrounds kein freies Plätzchen mehr gibt.
Einige Meilen weiter, am Pettit Lake sieht es besser aus. Der
Campground ist Ausgangsbasis für Wanderer, die Sawtooth
Wildernes durchwandern wollen. In diesem riesigen Gebiet gibt es nur
Trampelpfade und einige Schutzhütten, im übrigen ist
man auf sich gestellt. Deshalb ist es auch üblich,
daß der Wanderer sich am Trailhead, also am Startpunkt, mit
Namen, Dauer und Ziel in ein Buch einträgt und das Gleiche am
Ankunftsort wiederholt. Täglich kommen Parkranger, die solche
Angaben vergleichen um überfällige Personen ausfindig
zu machen und eventuell zu suchen. Hier bleiben wir. Nach dem Abendbrot
werden die Karten gemischt und um 22:30 Uhr steht der Gewinner fest.
Sonntag 27.07.97
Bis
9:10 Uhr
geschlafen, da die Nacht etwas unruhig war weil die Melone eine
entwässernde Wirkung hatte. Während des
Frühstücks wird die Frage diskutiert, hierbleiben
oder weiterfahren? Draußen geht ein Gewitter nieder und es
wird beschlossen einen Ruhetag einzulegen. Das ergibt die Gelegenheit
über die noch verbleibenden Urlaubstage zu sprechen, welche
Wünsche und Möglichkeiten können noch
realisiert werden? Ich ergreife auch die Gelegenheit den
Auszugmechanismus der Besteckschublade zu reparieren denn die Sperre
ist schon seit einiger Zeit defekt. Vor der Fahrt wurde deshalb die
Schublade auf dem Bett deponiert damit sie nicht in der ersten
Rechtskurve durch die Gegend fliegt. Anschließend gehen
Brigitte und ich am See spazieren wo wir zum Mückenfutter
werden. Am Nachmittag spielen wir gemeinsam „Stadt, Land,
Fluß." Brigitte gewinnt, dicht gefolgt von Ramona. das Wetter
ist wieder schön und es wird noch ein wenig Sonne getankt.
Wegen der Moskitos reibe ich alle mit Schutzöl ein. Da ich
wegen dem Sonnenbrand sowieso Hemden trage, brauchen bei mir nur Ohren,
Gesicht und Hals eingeschmiert werden. In meinem Fall ist das
Einschmieren offenbar ein großer Fehler denn nach einiger
Zeit spüre ich sonderbare Stiche auf dem Rücken die
sich zu einem unangenehmen Jucken verstärken. Ich will den
heißen brennenden Rücken abkühlen und gehe
unter die Dusche. Was dann kommt ist kaum zu beschreiben. Der
Duschstrahl ist auf dem Sonnenbrand kaum auszuhalten aber
zusätzlich verstärkt sich das Brennen um ein
mehrfaches und erfaßt vom Hals her den gesamten
Rücken. Ich vermute im nachhinein, daß das
Moskitoöl vom Schaum gelöst und dem Wasser
über die verbrannte Haut verteilt, für diese
wahnsinnigen Schmerzen verantwortlich waren. Die Familie schaut dem
Rumpelstilzchentanz, den ich aufführe, erstaunt und hilflos
zu. Ich kann die Tränen nicht verbeißen, nichts
hilft, Wasser kühlt nur für einen kurzen Moment, dann
wälze ich mich wieder auf dem Bett und stöhne:
„das brennt wie Feuer, mein Rücken verbrennt!" Da
kommt Ramona auf die Idee, meinen Rücken mit Pepsi-Dosen aus
dem Kühlschrank zu bearbeiten. Sie rollt die Dose
über die feuerrote Haut und ich schreie im ersten Moment laut
auf, aber dann verspüre ich eine leichte Linderung. Von jetzt
ab bis zum Abend organisiert die Familie eine Tiefkühlaktion
bei der die Froster-Kühlschrank-Kombination auf
höchste Stufe gestellt, und alles was sich zum Kühlen
eignet heruntergekühlt wird. Anschließend werden
angefrorene nasse Tücher, Wasserflaschen und
Getränkedosen auf meinen Rücken gelegt bzw. gerollt.
Sie wechseln sich ab weil die Hände nach einiger Zeit
gefühllos werden. Mir kann es nicht kalt genug sein denn das
mindert die Schmerzen. Später wirken auch die
Schmerztabletten, so daß ich in dieser Nacht doch noch Schlaf
finde, auf dem Bauch liegend und ohne Decke.
Montag, 28.07.97 Tagestemperatur 27° Cels.
8:00
Uhr.
Eine kalte und unruhige Nacht liegt hinter uns, aber mir geht es
bedeutend besser. Nach dem Frühstück brechen wir
auf.. Der weitere Weg führt uns nach Boise, wo Ingo in
unmittelbarer Nähe des Highway eine Outlet Faktory entdeckt.
Das ist eine Art Fabrikverkauf, besser gesagt Direktvermarktung. Die
nächste Ausfahrt ist unsere und dann geht’s
zurück zu dem Laden. Laden? Das ist ein ganzes Viertel. Zuerst
besuchen wir den Levis Shop, dann den Schuh Shop, im nächsten
wird noch eine Reisetasche gekauft (man muß das Zeug ja auch
irgendwie nach Hause bringen) und zum Schluß auch noch in den
Addidas-Laden hinein. Später hat Ramona ausgerechnet,
daß uns diese Fahrtunterbrechung 691,- DM gekostet hat.
Einkaufen macht hungrig, deshalb suchen wir uns unter den verschiedenen
Fast Food Ketten eine mexikanische heraus. Die ausgewählten
Tortilla-Rollen waren schmackhaft, sättigend und preiswert,
aber nichts für Ingos Geschmack. Etwas schwerer beladen rollt
unser RV auf dem HW 84 nach Westen bis zur Ausfahrt 95. Von hier ab
geht es wieder ein Stück nach Norden, der Hells Canyon ist
unser nächstes Ziel. Ca. 50 Meilen davor fahren wir einen
Parkplatz an. Hier wird die eingekaufte Kleidung auf die
Stauräume aufgeteilt, noch etwas getrunken und dann ab ins
Bett.
Dienstag, 29.07.97
Es
hat die
ganze Nacht geschauert, ist dabei aber irgendwie schwülwarm.
Als wir um 8:15 Uhr aufstehen regnet es. Das drückt offenbar
auf Ingos Stimmung, er hat schlechte Laune. Aber nein, das ist sicher
nicht der Grund, vielmehr reut ihn das Geld, das er gestern im
allgemeinen Kaufrausch so schnell ausgegeben hat. Im Gegensatz dazu,
singt Ramona schon am Morgen, sie hat gute Laune.
Das shoping gestern hat ihr sicherlich besser gefallen. Wir haben, vom
öffentlichen Telefon des Parkplatzes, zu Hause angerufen, dort
ist alles in Ordnung. Als der Regen kurz nach 10:00 Uhr
aufhört, fahren wir los.
Der Hells Canyon liegt an der Grenze von Idaho zu Oregon. Leider ist
der Himmel dick wolkenverhangen und grau, auch als wir am Brownlee Dam
ankommen. Das bleibt auch auf der weiteren Strecke am Snake River
entlang zum Oxbow Dam so. Der Canyon wird durch die Stauseen weitgehend
aufgefüllt, allerdings ist der Abschnitt Oxbow- Hells Canyon
Dam ein Erlebnis. 
Die Straße führt 22 Meilen, am Fuß rotbrauner Steilwände, kurvenreich entlang der dritten Staustufe. Manchmal klettert sie auch, ausgehauen aus dem Fels, in die Höhe und mit gemischten Gefühlen beugt man sich an den Aussichtsplätzen, den View Points, über die Leitplanken um einen Blick, und auch den einen oder anderen Stein, in den Abgrund zu werfen.
Von
einer
Anlegestelle unterhalb der
Staumauer starten wir zu einem zweistündigen Jetboat-Trip. Ob
sich die 90 US$ dafür gelohnt haben, wird unterschiedlich
beurteilt, aber faszinierend ist doch, wie 700 PS das Jetboot stromab
und stromauf über die Wellen und Schnellen des wilden Flusses
flitzen lassen. Andere Gruppen buchen Rafting-Touren durch die Schlucht
des Hells Canyon.
Auf der Rückfahrt reißt die Wolkendecke auf
und überschüttet den Canyon mit Farbe, worauf sein
grünes Wasser und die schroffen Wände aufleuchten.
Hier sind wenig Touristen und noch weniger Autoverkehr, das
ändert sich aber später auf dem HW 84 Richtung Westen
wieder. Die Bahn ist dicht befahren aber schnurgerade und topfeben.
Nachdem Brigitte das Steuer übernommen hat verändert
sich bald das Gelände und die Straße führt
in die Berge. Es ist inzwischen dunkel doch Brigitte hat auch ihren
Stolz und will weiterfahren.
Etwa 30 Km vor Pendleton in Oregon kommt dann der Abstieg aus dem
Gebirge in das Tal des Columbia River. Hinter einer
Paßhöhe beginnt das Gefälle in einer
Baustelle. Angekündigt sind 8 Meilen bei 6 Prozent
Gefälle, Trucks dürfen nur 20 Mph schnell fahren. Die
rechte Fahrspur ist durch langsame Trucks blockiert, die linke ist
verengt. Trotzdem überholen einige waghalsige Trucker mit
wenigen Zentimetern Seitenabstand zwischen den Leitplanken und den
Rechtsfahrenden. Brigitte ist dazwischen und muß sich dem
Tempo anpassen. Um uns herum qualmen und rauchen die
Bremsbeläge, mehrere Bremstrommeln der Sattelauflieger
glühen dunkelrot, es stinkt nach verbranntem Gummi und
Brigittes Puls rast. Es scheint eine Ewigkeit bis wir unten sind. Die
übernächste Rast Area ist unsere, aber sie liegt
dicht neben dem HW und die Nacht ist unruhig.
Mittwoch 30.07.97
Um
7:00 Uhr
starte ich das Wohnmobil und lenke auf den HW. Schlafen könnte
ich sowieso nicht mehr, allerdings liegt der Rest unserer Familie noch
in den Betten und wird jetzt sachte wachgeschüttelt. Der
Highway führt jetzt immer am Columbia River entlang, durch das
„Rheintal der USA." Wie schon einmal gesagt, hier ist alles
eine Nummer größer und auch dieser Fluß
ist so breit wie bei uns ein ausgewachsener See. Drei Meilen vor Hood
River wird auf einem etwas verwahrlosten Rastplatz
gefrühstückt, anschließend wird im nahen
Ort eingekauft. Hier in Hood River gibt es eine Brücke
über den Strom, die wir für 1,50 $ Maut befahren
können. Erst ca. sechzig Meilen weiter, in Portland
hätten wir wieder diese Möglichkeit.
Unser nächstes Ziel ist der Mount St. Helens nördlich
von hier, aber zunächst geht es noch einige Meilen auf der
Uferstraße nach Westen. Der Strom wird hier vom
Küstengebirge eingezwängt und hat
tatsächlich so einen Touch vom Mittelrhein. Der Westwind,
verstärkt durch die Düsenwirkung, pfeift
über das Wasser und baut gegen die Strömung hohe
Wellen auf. Ein Windsurferparadies fernab der Küste,
entsprechend viele Farbtupfer flitzen über die
Wasserfläche. Hier am Nordufer gibt es kaum Platz für
die Straße, so steil steigen die Felswände aus dem
Wasser und fünf Tunnel liegen hinter uns, bis wir in einem
Seitental in den Gifford Pinchot National Forest abbiegen. Eine
wunderschöne Gegend aber elendige Kurverei erwartet uns hier.
Eine Stunde für siebzehn Meilen sagt wohl alles. 
Den Parkplatz an der Nord-Ost-Seite, mit Blick in die offene Nordflanke des St. Helens, erreichen wir um 17:15 Uhr.
Der Eintritt in dieses „Mt. St. Helens Volcanic
Monument" kostet 24 $, aber dafür gibt es Anschaungsuntericht
pur, in Sache Naturgewalten. Der vom Ausbruch hier abgelagerte
Bimsaschekegel, der jetzt als Aussichtspunkt fungiert, wird bestiegen.
Erst 8 Steinstufen, dann 447 Holzstufen, und noch ein kleines
Stück Steigung bis ein unvergeßliches Panorama vor
uns liegt.
Die Explosion des Berges am 18. Mai 1980 hatte solch eine Wucht,
daß im Umkreis von vielen Kilometern sogar der Mutterboden
vom Fels geblasen wurde. Diese innere Zone umfaßt eine
Fläche von über 28 000 Hektar.
Hinter den nächsten Bergen liegen die geknickten
Bäume alle in Richtung der Detonationswelle wie die Haare
eines Felles. Diese „Blowdown Zone" erstreckt sich noch
einmal über ein Gebiet, größer als 20 000
Hektar.
Noch weiter weg, wurde die Vegetation von der ausgeworfenen Asche in
Brand gesetzt oder zugedeckt. Die Wassermassen der geschmolzenen
Eiskappe vermischten sich mit dem Bims und der Asche um dann als
Schlammlawinen durch die Täler zu schießen, alles
Leben unter sich begrabend.
Heute, 17 Jahre später, sieht man überall, wie sich
die Flora und Fauna dieses Terrain langsam zurückerobert. In
einigen Gebieten hat die Forstverwaltung gezielte Wiederaufforstung
betrieben, aber in großen Bereichen
überläßt man alles der Natur und begleitet
forschend diesen Prozeß.
Wieder zurück auf dem Parkplatz, kommen Ingo und ich mit einem
drahtigen Pensionär ins Gespräch. Er ist ein wahrer
Lebenskünstler und fast das ganze Jahr mit seinem alten VW-Bus
unterwegs. Zum Abschied gibt er uns den Tip, heute Abend nicht mehr aus
dem Gebiet hinaus zu fahren sondern in eine bestimmte gesperrte
Straße abzubiegen. Dort gelangt man zu einem alten Parkplatz
bevor die Straße unpassierbar wird, das sei ein
schönes Plätzchen zum Übernachten. Wir
folgen seinem Rat und sind begeistert von dieser Nacht zwischen den
umgeblasenen Baumriesen. Später kommen noch zwei Pickups mit
Geologie-Studenten aus Seatle, die sich hier auf dem Teerbelag
ausbreiten, das Essen kochen und dann in die Schlafsäcke
kriechen. Sie verdienen sich in den Semesterferien Geld durch
Touristenführungen in den Krater. In der Ferne heulen Kojoten,
sonst ist absolute Stille, gute Nacht.
Donnerstag 31.07.97
Die
sternenklare Nacht war kalt, aber vom wolkenlosen Himmel wärmt
jetzt schon die Morgensonne. Nach dem Frühstück
machen wir uns auf den Weg nach Randle, dann durch schöne
Landschaft nach Westen zum HW No. 5, den wir nordwärts
Richtung Seatle befahren wollen.
Vor der Auffahrt noch tanken und dann in den Verkehr
eingefädelt. Minuten später sehe ich links ein
RV-Center. Dort könnten wir eventuell eine Abdeckung
für die Seitenbegrenzungsleuchte kaufen, die am Yellowstone
Park zersplittert ist. Also nächste Abfahrt wieder runter vom
HW, über die Brücke, andere Seite wieder drauf. Auf
der Beschleunigerspur gebe ich Gas, muß noch einen
Sattelauflieger-Wohnwagen vorbeilassen um mich dann
einzufädeln, da kommt ein Gegenstand unter diesem
hervorgeschossen und in der nächsten Sekunde knallt es ganz
fürchterlich. Ein ca. 25 cm großer Holzklotz hat die
Windschutzscheibe oben rechts springen lassen wie der
Eierlöffel die Eierschale. Ingo ist kreidebleich.
Wäre die Scheibe nicht aus Verbundglas, hätte ihn das
Stück wahrscheinlich am Kopf getroffen, nicht auszudenken.
Ich überhole das Gespann und bringe den Fahrer zum Halten.
Nach einigem Verhandeln gibt uns der ältere Herr seine
Versicherungsnummer. Er bedauert zwar den Vorfall, meint aber, das Holz
sei nicht von seinem Gespann sondern wahrscheinlich von der Fahrbahn
hochgewirbelt, dafür könne er aber nicht haften und
seine Versicherung würde wohl auch nicht zahlen. Davon,
daß alle seine Unterleghölzer noch fein
säuberlich in der Aufbewahrungsbox sind, können wir
uns auch überzeugen. Unter den wenig freundlichen Blicken
seiner Frau verabschieden wir uns von ihm und fahren bei der
nächsten Ausfahrt wieder raus. Hier im RV-Center erstehen wir
für 3 $ die Leuchtenabdeckung. Na, das hat sich jetzt gelohnt,
Lampe heil, Windschutzscheibe total gesprungen.
Einige Stunden später erreichen wir auf der Olympic-Halbinsel
die Pazifik-Küste. Der erste Platz den wir anfahren, ein
sogenannter Basic-Campground, hat kein Wasser. Weil wir unbedingt
duschen müssen, geht’s weiter zum nächsten.
Dieser Platz ist ausgebucht, hat aber eine Dump-Station. Also dumpen,
Wasser bunkern, und wieder zurück zum Kalaloch Basic-Camp.
Hier findet sich noch ein ganz passabler Stellplatz. Das Fahrzeug wird
mit Keilen in die Waagerechte gebracht und dann der
Heißwasserboiler eingeschaltet. Bis das Wasser heiß
ist, inspiziere ich das Wohnmobil. Der Blinker hinten rechts ist
defekt, das Holzstück hat auch in die Unterseite des Alkoven
eine kleine Macke gehauen und der rechte Vorderreifen ist auf der
Innenseite so stark abgefahren, dass die Drahtkarkasse durchschaut.
Dass die Spureinstellung nicht stimmt, habe ich bei früheren
Überprüfungen schon gemerkt, aber die Kurven der
letzten beiden Tage haben dem Reifen den Rest gegeben, er ist hin.
Vorne links ist es nicht ganz so schlimm, aber auch der muss
ausgewechselt werden. Mein Kommentar: „Heute nur Ar...karten
gezogen." Morgen muss ich mit der Hotline telefonieren.
Der herrliche Blick auf den Pazifik hebt die Stimmung aber wieder und
die Kinder sind schon über die angeschwemmten Baumskelette
hinuntergeturnt zum wildromantischen, schwarzsandigen Strand. Brigitte
und ich folgen ihnen. Man kann sich kaum vorstellen wie viele
weißgescheuerte Baumriesen hier auf dem Schwemmsaum liegen,
von schenkeldick bis ca. 1,80 m Durchmesser und bis zu 20 m lang,
Wurzelstubben von 3 bis 4 m Ausladungen in allen Richtungen, alles
übereinandergetürmt.
Wir wenden uns dem Meer zu, die Zehenprobe bringt die Erkenntnis
„zum Baden völlig ungeeignet." Das kneippsche
Wassertreten ist aber im Bereich des Möglichen und so bekommen
wir nach und nach Eisbeine. Die Wellen sind klein und das Wasser nur
leicht bewegt, erstaunlich bei dieser riesigen Wasserfläche
die sich vor uns bis nach Asien erstreckt aber das liegt sicher an dem
windstillen Sommerwetter. Brigitte wagt sich doch ein bißchen
zu weit hinein, da kommt eine kecke kleine Welle und die Shorts sehen
aus, als ob die Trägerin undicht wäre. Ingo macht
auch hier, was er an jedem Meer praktiziert, er versucht es
zuzuschaufeln, zwar nur mit den Händen aber immerhin. Das ist
schon zu einem Ritual geworden und gehört seit dem
Kleinkindalter zu jedem Kontakt mit einem neuen Strand dazu. Kurzum,
wir sind albern und ausgelassen hier an der Küste des stillen
Ozeans. Später muß Ramona noch getröstet
werden, die sich beim Klettern über die Baumstämme
weh getan hat.
Wieder oben beim Wohnmobil, wird ein stimmungsvoller Sonnenuntergang
fotografiert. Nach dem Abendbrot kommen die Rommèkarten auf
den Tisch, bis um 22:00 Uhr Nachtruhe angesagt wird. Inzwischen ist
Flut, und die Wellen rauschen bis zwischen die Stämme.
Freitag, 01.08.97
7:00
Uhr,
Brigitte wird wach, wieder blauer Himmel. Sie setzt sich hin und schaut
den Wellen zu.
Kurz vor 10:00 Uhr geht es wieder weiter. Bei der nächsten
Gelegenheit wird telefoniert. Ich schlage dem Agenten der Hotline vor,
für die restlichen Meilen das schlechteste Rad gegen den
Ersatzreifen zu tauschen, um dann an der Station erst die Spur
einzustellen und dann neue Reifen aufzuziehen. Der Vorschlag wird
akzeptiert. Dann melde ich noch den Vorfall auf der Autobahn. Mir wird
gesagt, solange wir noch damit fahren können sei das kein
Problem und weil wir ja die Zusatzversicherung abgeschlossen
hätten, wäre nur der Selbstbehalt zu zahlen.
Im nächsten Ort werden auf Anraten des Monteurs, für
15 $, beide Vorderreifen mit dem Reserve- und einem Zwillingsreifen
getauscht. Eine Bremslicht- Blinkerbirne wird gekauft und gegen die
defekte ausgewechselt. Nachdem die Lebensmittel auch wieder
aufgefüllt sind, ist das nächste Ziel der Regenwald
im Olympic NP. Etwa 20 Meilen landeinwärts, über die
Hoh River Road erreichbar. Regenwald? Keine Wolke ist am Himmel zu
sehen, doch nachdem 10 $ Eintritt bezahlt wurde, erfahren wir im Rain
Forest Visitor Center, daß hier an der Westflanke des Olympic
Massivs durchschnittlich 2700 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen.
Das bedeutet 2,70 m Wassersäule und oft nicht einmal
fünf regenfreie Tage pro Jahr.
Wir haben so einen Tag erwischt, also doch keine Ar...karte gezogen.
Brigitte ist von diesem Dschungel begeistert, und schlägt vor,
bis zum nächsten Tag auf dem Campground zu bleiben. Nachdem
das Mobil gut abgestellt ist werden die Wanderschuhe geschnürt
und dieses Märchenland erkundet.
Mir
kommt es vor, als hätte Walt Disney sich hier die Anregungen
geholt für den Wald, den er für „Bambi"
gezeichnet hat. Meterlange Moosbärte umhüllen Aste
und Baumstämme an den sumpfigen Lichtungen und
Bächen. In diesem Moos wächst wiederum Farnkraut und
andere Pflanzen. Zum Beispiel Epiphyten, Gewächse die nie mit
Erde in Berührung kommen aber doch keine Schmarotzer sind und
viele andere die wir nicht benennen können.
Dann steht man ganz ergriffen in der lebenden Kathedrale,
gebildet aus tausenden von Pfeilern, bis zu 85 Metern hoch und
über 6 Meter im Umfang. Die verbreitetsten Baumarten sind
Sitka Spruce und Western Hemlock. Douglasien, Western Redcedar, Black
Cottonwood und andere Arten behaupten aber auch ihren Lebensraum. Unter
allen breitet sich ein Teppich aus Nadeln, Moosen, Flechten und Farn.
Brigitte ist an manchen Stellen nicht mehr in dem Schwertfarn zu sehen.
Ingo meint nach einiger Zeit: „Für die richtige
Stimmung fehlt aber noch der Regen. Es müßte jetzt
tropfen, rinnen und schmatzen wie bei unserer Wanderung am Mount
Robson." Unsere entrüsteten Blicke hat er aber mit einem
Lächeln quittiert. Nachdem meine Dias alle belichtet sind,
wird der Rückweg eingeschlagen.
Am frühen Abend geht ein Ranger von Stellplatz zu Stellplatz
und lädt uns zu einem Naturfilm ein. Beginn bei Einbruch der
Dunkelheit auf dem Forum, einer Senke, die von alten Bäumen
gesäumt in idealer Weise als Versammlungsplatz,
Freilichtbühne oder eben als Kino dient. Es ist ein
schöner alter Film aus den dreißiger Jahren,
über Roosevelt Elks, einer Wpiti Art, die es nur hier im
Olympic NP gibt. Gedreht von Walt Disney. Na, hatte ich nicht so ein
Gefühl, als ob der schon vor langer Zeit hier war?
Samstag, 02.08.97
7:30
Uhr
schellt der Wecker, aufstehen, frühstücken, dumpen
und los. Auf dem Weg zurück durch das Hoh River Tal erscheinen
die ersten Nebelfetzen und dann Wolken. In Forks, der einzigen Stadt in
dieser Gegend, bekommt unser rollendes Heim auf einem SB-Waschplatz
noch eine gründliche Reinigung mit der
Heißdampfpistole verpaßt.
Kurz nach 12:00 Uhr geht’s unserem nächsten Ziel,
Seattle, entgegen. Zunächst folgen wir dem Tal des Sol Duc
River in nordöstlicher, dann östlicher Richtung bis
zum zehn Meilen langen, dunkelgrünen Lake Crescent. Hier folgt
die Straße unmittelbar dem Südufer,
eingezwängt zwischen dem Wasser und den Flanken des
Olympic-Massiv. Eine Mittagspause wird eingelegt.
Als Port Angeles, mit 17000 Einwohnern der größte
Ort auf der Olympic Peninsula, erreicht wird, scheint wieder die Sonne.
Mehrmals öffnet sich ein hervorragender Ausblick über
die blaue „Strait of Juan de Fuca" in nördliche
Richtung auf Vancouver Island. Die Grenze USA / Kanada
verläuft durch diesen Meeresarm.
Um nach Seatle zu kommen müssen wir den Puget Sound, einen
Meeresarm der von der Juan de Fuca Strait südwärts
abzweigt, überqueren. Über eine Brücke
erreichen wir Brainbrigde Island um dann vom Hafen Winslow für
21,25 US$ mit der Fähre nach Seatle überzusetzen.
Bald grüßt uns die Skyline von Downtown Seatle.
Meine Aufmerksamkeit wird von einem Trimaran auf sich gezogen, der in
dem frischen Wind über den Sound kreuzt. Ja diese Stadt bringt
für ihre Bewohner alleine durch ihre Lage eine hohe
Lebensqualität. In ihrer Nachbarschaft liegen vier
Nationalparks in einer Entfernung von nur hundert Meilen. Im Norden der
North Cascades NP, im Südosten der Mount Rainier NP und das
Mount St. Helens National Volcanic Monument, wir kommen gerade vom
Olympic NP und vor der Haustür liegt ein herrliches, vor der
offenen See geschütztes Segelrevier.
Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde, es schließt
sich eine Sightseeing Tour mit Wohnmobil an. Erst an den Piers entlang.
Es wimmelt vor Besuchern der Freizeitmeile mit Buden, Karussels,
Scootern usw. Dann durch die City, nirgendwo ein Parkplatz zu finden.
Der Verkehr ist aber beträchtlich, so daß wir bald
beschließen uns nach Norden an die Küste vor der
Stadt zu verziehen. Das ist leichter gedacht als getan. Die
Städte dehnen sich enorm aus und ein Bungalow Town
löst das nächste ab. Auf der achtspurigen Autobahn,
der Interstate No. 5, rollen wir Meile um Meile durch die
Außenbezirke. Nach 35 Meilen fahre ich ab um näher
an der Küste einen Campground zu suchen. Kurz vor der
Dämmerung finden wir ein RV-Camp der ganz und gar nicht
unseren Vorstellungen entspricht, aber wir sind das Umherirren leid.
Der 10 $ teure Parkplatz auf der Wiese ist sein Geld nicht wert, denn
die Sanitäreinrichtungen sind unbenutzbar. Ingo meint:
„Hier wird wohl nur einmal in der Woche gesäubert,
offenbar Montags, und heute ist Samstag."
Sonntag, 03.08.97
Um
10:45
rollen wir los, erst auf die Interstate No. 5, dann über
Nebenstraßen wieder an die Küste des Puget Sound um
einer engen Küstenstraße zu folgen. Einige
schöne Aussichtspunkte bieten sich an. Brigitte steht bei
einem solchen auf einem Steinblock um besser sehen zu können,
als es im Gras raschelt. Ein junger Mann sagt zu seiner Begleiterin
etwas und ich verstehe das Wort „Snake." Die Beiden treten
vom Straßenrand zurück, auch wir werden vorsichtig
und fahren bald weiter.
Etwas später bei einer Rast auf einem Parkplatz hält
ein Pickup neben uns. Er hat eine Doppelkabine für Passagiere
und die Ladefläche ist mit einer Polyesterhaube bedeckt. Es
steigt eine Familie mit zwei halbwüchsigen Kindern aus. Der
Mann öffnet die hintere Ladeklappe und zieht an einem
daumendicken Strick. Es rumpelt auf der Ladefläche und dann
traue ich meinen Augen kaum, ein ausgewachsenes Lama springt heraus.
Das gleiche wiederholt sich, dann geht die Familie mit seinen
„Haustieren" in dem angrenzenden Wald spazieren.
Auch wir wandern noch einmal über Holztreppen, Waldpfade,
Stöcke Stein und Felsen hinunter an den Strand des Sound. Es
ist gerade Ebbe. Wir waten noch einmal durch das Salzwasser des Pazifik
um dann nach der Rückkehr schon mal mit dem Packen zu
beginnen. Alles was wir nicht mehr brauchen verschwindet schon in den
Reisetaschen.
Unser heutiges Ziel ist der Cedars RV-Park Ferndale bei Bellingham. Er
liegt nur drei Meilen von der Vermietstation entfernt und kostet 21,59
$. Im Gegensatz zur letzten Nacht haben wir hier allen Komfort incl.
Swimmingpool, allerdings ist es recht laut wegen der unmittelbaren
Nähe der Autobahn. Gleich wird weiter eingepackt, geputzt und
geduscht, denn morgen früh wird das Wohnmobil
zurückgegeben.
Montag, 04.08.97
Heute
wird
noch einmal gedumpt, die Tanks gespült, Frischwasser,
Flüssiggas und Benzin getankt.
Ich fülle den Kraftstofftank bis zur Markierung F
wie full, denn als wir das Fahrzeug übernahmen war der Tank
genauso gefüllt. Was sich dann bei dem Auschecken abspielt,
hat meine Zornesadern anschwellen lassen. Nach dem Entladen warten wir
an der Rezeption auf die Abrechnung. Inzwischen wird das Fahrzeug
gecheckt. Uns ist klar, daß durch den Glasschaden unsere
Kaution verwirkt ist, als aber dann noch eine Abrechnung von 22,5 $
für fehlenden Kraftstoff präsentiert wird, bin ich
einige Augenblicke sprachlos. Zwischen der F
–Marke und dem Abschalten der Zapfpistole passen bei einem
ca. 40 Gallonen-Tank sicher einige Gallonen hinein, aber niemals 9
zumal es von der Tankstelle bis zur Basis nur eine Meile war. Da wir
aber den Tank auch bis zur F-Marke gefüllt
übernahmen sehe ich nicht ein, das Nachtanken bis zum
Überlauf zu bezahlen.
Brigitte mahnt mich mehrmals, etwas leiser zu sprechen aber ich bin
empört. Man einigt sich dann bei 18 $, aber ein
unnötiger Wermutstropfen ist in den Urlaubsbecher gefallen.
Bis wir dann zum Flughafen gebracht werden, können wir das
gleiche Spielchen bei unterschiedlichen Beträgen noch zwei mal
beobachten wobei neben Anderem das Nachtanken eine Rolle spielt.
Soll ich noch erwähnen, daß in dem sehr
schönen neuen Flughafen eine Sondergebühr von 80 $
für den Umbau kassiert wird, obwohl alle Steuern und
Gebühren schon über das Ticket bezahlt waren? Am
Schalter der Lufthansa zuckt man nur bedauernd die Schultern, das sei
hier in Vancouver so üblich und man müsse das sogar
selbst bei Heimflügen bezahlen. Also wieder zurück
zur Sperre und die Kreditkarte gezückt denn unser Flugzeug
wartet ja nicht ewig.
Der Rückflug unterscheidet sich nicht wesentlich vom Hinflug
wenn man davon absieht, daß wir nach achteinhalb Stunden
Flugzeit, zweiundzwanzig Stunden später in Frankfurt landen.
Hier ist es schon Dienstag der 05.08.97 und ein langersehnter, mit
Vorfreude geplanter und, abgesehen vom letzten Tag, sehr
schöner, ereignisreicher Urlaub ist zu Ende.
Noch ein paar Fakten:
Hier geht es zum Teil I
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