Nil-Kreuzfahrt 2002 Am Nil, der Lebensader Ägyptens, liegen die Tempel, Monumente und Grabmäler der alten Hochkultur wie an einer Perlenkette aufgereiht. Was liegt näher, als mit Hilfe einer Nilkreuzfahrt diese Perlen zu besuchen. Unser Reiseprogramm sieht eine neuntägige Nilkreuzfahrt vor, von Luxor nach Assuan und zurück, sowie zweieinhalb Tage Kairo und anschließend zwei Tage Hurghada am Roten Meer. Eingestreut sind zahlreiche Ausflüge mit Bus, Motorboot, segelnden Feluken und ein Ausritt mit Kamelen. Dienstag, 22. Januar 2002 Der Wecker reißt uns um 04:25 Uhr aus einem unruhigen Schlaf. Heute starten wir. Unsere Tochter Ramona bringt uns zum Flughafen Paderborn-Lippstadt. Den Schal binden wir noch etwas fester, denn das Thermometer zeigt 4° Celsius. Um 06:35 Uhr rollt die Boeing 737-800 mit uns zur Startbahn. Auf dem Streckenabschnitt bis Nürnberg trübt keine Wolke den Himmel. Der Zwischenaufenthalt ist recht kurz, denn um 08:15 heißt es: „Die Maschine nach Luxor ist einsteigebereit“. Auch hier wurde uns ein Fensterplatz zugeteilt, aber es gibt in dieser Reihe kein Fenster, wahrscheinlich aus statischen Gründen. So kommt es, dass der Flug über den Balkan, Griechenland, Zypern, Alexandria, dann das Niltal aufwärts bis Luxor von uns nur auf den Monitoren mitverfolgt werden kann. Die Ankunftszeit ist 14:01 Uhr ägyptische Zeit. Das bedeutet, dass die Uhren eine Stunde vorgestellt werden müssen. Der Schal wird abgenommen, es sind 21° C. Eine gute Stunde später betreten wir unser Zuhause für die nächsten neuen Tage, die MS NILE SUPREME. Einige Daten der NILE SUPREME: (Bild Schiff) Indienststellung: 1993 Länge: 73 m Breite: 14 m Passagierdecks: 5 Besatzung: ca. 80 Gäste: max. 148 (auf unserer Reise 78) Kabinengröße (2 Bett): 16-18 m² Nach einer Infoveranstaltung über den Ablauf der Kreuzfahrt und nach einer Stärkung am Abendbuffet, beschließen wir, uns im nächtlichen Luxor noch etwas die Beine zu vertreten. Kaum haben wir das Tor des Anlegebereiches durchschritten, stürzen sich Taxifahrer und Kutschenlenker auf uns und bieten ihre Dienste an. Kräftig in Richtung Stadt ausschreitend, können wir die Anbieter abwimmeln, bis auf einen. Nach wenigen Minuten hören wir Hufgetrappel und eine Kutsche rollt neben uns. Der Kutscher, der vorher schon von einem Fahrpreis von 10 Euro auf 5 Euro heruntergegangen ist, reduziert weiter seinen Fahrpreis und versichert uns immer wieder, der Weg in die Stadt sei über vier Kilometer lang und für uns zu weit. Nachdem er anbietet, uns eine Stunde lang umsonst die Stadt zu zeigen, und sein knöcherner Gaul und die heruntergekommene Kutsche nachdrücklich unterstreichen, dass er Geld braucht, wollen wir uns fahren lassen. Weil ich aber die Fahrtroute selbst bestimmen will, biete ich ihm zwei Euro und habe einige Bedingungen. Keine Ziele, die er vorher so vehement angepriesen hat, keine Altstadt, kein Bazar, kein Speiselokal, keine Disco, kein Papyrusinstitut, keine Essenzen, kein Alabaster-Shop, sondern nur bis zum Luxor-Tempel und wieder zurück. Er akzeptiert, will aber das Geld nicht annehmen, worauf ich aber bestehe um später nicht Mondpreise bezahlen zu müssen. Endlich steckt er das Geld ein und sein Pferd trappelt los. Um die Geschichte abzukürzen: Papyrus haben wir doch gekauft (wollten wir auch, aber nicht schon am ersten Tag) und er hat seine Vermittlungsprovision eingesteckt. In den Alabaster-Shop hat er uns auch genötigt, aber entsprechend meiner Ankündigung wurde von uns nichts gekauft. Die anderen Fahrziele konnten wir erfolgreich abwehren und „Achmed Mensch Meier“ (weil er jeden zweiten Satz mit „Mensch Meier“ schmückte) kutschierte uns zum Luxor-Tempel und zurück. Erwartungsgemäß kam dann wieder die ausgestreckte Hand: „Bakschisch“. Weil wir kein großes Geschäft für ihn waren, bekam er noch mal einen Euro. Er muß zufrieden gewesen sein, denn am nächsten Tag wollte er uns wieder fahren: „Ich dich fahren, du fragen nach Achmed Mensch Meier“. Mittwoch, 23. Januar. 2002 Geweckt wird um 06:00 Uhr. Während des Frühstücks geht die Sonne auf und überzieht die Felsen am gegenüberliegenden Westufer mit einem roten Schimmer. In diesem Augenblick starten dort drei Heißluftballone, um in dem jungen Tag über das Tal der Könige zu schweben. Eineinhalb Stunden später rollen zwei Busse mit den Gruppen EINS und ZWEI (wir sind in ZWEI) zu einer abgesperrten Straße neben dem Museum in Luxor. Dort hat die Polizei eine Konvoi-Sammelstelle eingerichtet. Touristen dürfen sich außerhalb der Ortschaften nur unter Polizeibegleitung bewegen, Nachwirkungen des Attentats von 1998. Die Vorgänge am 11. September haben diese Polizei- und Militärpräsenz noch verstärkt. Heute stehen die Tempel in Abydos und Dendera auf dem Programm. Nach einer viertel Stunde setzen sich zwei Autos, sieben Kleinbusse in Bulligröße von verschiedenen Hotels und unsere zwei Reisebusse in Bewegung. Eingefasst von einem Polizeifahrzeug ganz vorne und einem am Schluss. Die ersten 60 km bis Qena ist die Straßensituation ausreichend, dann wird der Belag schlechter und später kommen kilometerlange Baustellen. Diese Straße Nr. 2 , unmittelbar am Nil, hat eine ähnliche Bedeutung wie bei uns eine Autobahn, natürlich mit einem wesentlich geringeren Verkehrsaufkommen. Der Stress für den Fahrer ist aber nicht geringer. Auf dieser Nord-Süd-Verbindung, die oft nicht die Breite einer Bundesstraße erreicht, finden sich alle Verkehrsmittel die Ägypten aufzubieten hat, Lastesel, Lastkamele, Eselkarren, Pferdewagen, Fahrradfahrer, Autos, Lastwagen, Busse und natürlich Fußgänger. Hinzu kommt, dass alle Fahrzeuge einen starken Linksdrall haben. Unser Busfahrer fuhr z.B. ca. 20% der Strecke auf der linken Fahrspur, ansonsten genau mittig. Rechts fuhr er nur, wenn der Gegenverkehr sich überholte. Bleibt noch anzumerken, dass in Ägypten die Hupen mindestens genauso abgenutzt werden wie die Reifen. (Bild Bus auf Straßenmitte) Nach 155 Kilometern und drei Stunden später erreichen wir den Tempel von Sethos I. in Abydos. Dieser Tempel ist gleichermaßen dem mumiengestaltigen Gott Osiris wie dem Herrscher Sethos I. (1290-1279 v. Chr.) geweiht. Vollendet wurde der Tempel von seinem Sohn Ramses II. In einem Gang, der zur Rückseite des Tempels führt, ist die sogenannte Königsliste von Abydos verzeichnet die fast alle Herrscher aufführt, beginnend mit dem Vereiniger von Ober- und Unterägypten „Menes“. In diesem Tempel bekommen die ersten Mitglieder unserer Gruppe, von unserem Reiseführer Sameh, neue Namen zugeteilt. Zuerst wird ein jüngerer Mann „Horus“ getauft, falkengestaltiger Sohn von Gott Osiris, der den Mörder seines Vaters besiegt und als Gottheit Ägypten regiert. Anschließend werde ich zu „Thot“, Gott der Weisheit, der Schrift und des Mondes, der mit Ibiskopf dargestellt wird. Bis zum Ende der Kreuzfahrt werden wir alle neue Namen haben und stehen stellvertretend für alle Taten und Untaten unserer Namensgeber ein. Wie in einem Theaterstück benutzt uns Sameh immer wieder, um die komplizierten Zusammenhänge der ägyptischen Götterwelt sowie der Pharaonen und Königinnen deutlich zu machen. Dieses Verfahren ist sehr effektiv und wir hatten etliche Aha-Effekte. Wenn man aber erfährt, dass Sameh in seinem Hauptberuf Doktor der Ägyptologie an der Universität in Kairo ist, wundert man sich nicht mehr. Die Rückfahrt nach Dendera zum Tempel der Liebesgöttin Hathor wird zum Geduldsspiel, weil aus unerfindlichen Gründen die Polizeibegleitung nur noch 30 km/h langsam schleicht. Sameh wird zum HB-Männchen. Hathor, Herrin der Liebe, des Rausches und des Gesanges, das Sinnbild der Muttergottheit, wird als Frau mit Kuhhörnern und Sonnenscheibe dargestellt. Sie wird aber auch mit Kuhohren oder ganz kuhgestaltig gezeigt, an deren Euter sich der König satt trinkt. Von Dendera bis Luxor sind es noch 67 km und wir kommen in die Dunkelheit. Dabei fällt noch eine Eigenschaft der ägyptischen Wagenlenker auf, sie schalten nur Positionslichter ein oder fahren gleich ganz ohne Licht. Von Zeit zu Zeit wird mit Fernlicht kurz aufgeblinkt, um sich zu orientieren und der Gegenverkehr antwortet ebenfalls mit Lichthupe. Wir sind froh als wir wieder an Bord sind. Donnerstag, 24. Januar 2002 Ein strahlend schöner Tag weckt uns, aber jeder Tag ist hier sonnenstrahlend. Wie uns versichert wird, regnet es hier fast nie! Jetzt im Winter, mit Tagestemperaturen von 18 – 24° C und Nachttemperaturen von 4 – 8 °C, ist die ideale Zeit für diese Reiseform. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Temperaturen im Sommer unter brennender Sonne von uns Mitteleuropäern nur schwer auszuhalten sind. Gleich geht es zu Fuß zum Karnak-Tempel. Er liegt nur ca. fünf Gehminuten vom Schiffsanleger entfernt, ist der größte Tempel Ägyptens und dem Gott Amun geweiht. Die Bauzeit betrug in Etappen ca. zweitausend Jahre, von etwa 2000 v. Chr. bis 85 n. Chr. Der Haupteingang liegt dem Nil zugewandt und hinter einer Widdersphingenallee erhebt sich der mächtige Eingangspylon. Dieses Eingangstor ist 15 m dick, 43,5 m hoch und113 m breit. Hinter dem großen Hof erhebt sich der zweite, fast ebenso mächtige, Pylon und gibt dann den Blick auf den Säulensaal mit 134 steinernen Papyrussäulen frei. Die Säulen sind zwischen 13 und 24 m hoch. Jede symbolisiert eine Provinz des alten Ägypten und alle zusammen, das aus den Urgewässern aufkeimende Leben. Ursprünglich standen in der Anlage vier Obelisken. Jetzt sind es nur noch zwei, der dritte ist umgestürzt und ist jetzt als liegender Obelisk zu besichtigen. Der vierte steht heute in Rom. Der Karnak-Tempel ist der letzte, in dem es einen heiligen See gibt. Ein heiliger See war früher Bestandteil eines jeden Tempels. Zwei Stunden dauert Samehs Führung, danach können wir die Anlage auf eigene Faust durchstreifen um beispielsweise die Videocameras oder Fotoapparate arbeiten zu lassen. Nach der Rückkehr auf das Schiff, legt es um 14:30 ab. Wir nehmen Kurs auf Edfu, nilaufwärts gelegen. Wir sehen sehr viele stillgelegte Kreuzfahrtschiffe am Ufer vertäut und verlassen. Ein Mitreisender hat vor Luxor 50 Stück gezählt. Der 11. September 2001 hat einen neuerlichen, dramatischen Einbruch in der Touristiksparte ausgelöst. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Buchungsstand nur noch 29 %. Was für die Ägypter, die vom Tourismus leben, existenzbedrohend ist, wird für uns zum Vorteil. Bei voller Auslastung wäre der Besuch der antiken Stätten keine Freude, so aber kommen sich die einzelnen Besuchergruppen nicht zu sehr ins Gehege. Tea-Time auf dem Sonnendeck. Im Liegestuhl oder Decksstuhl sitzend, lassen wir die Nillandschaft an uns vorbeigleiten. Herz was willst du noch mehr? Um 17:45 versinkt die Sonne hinter der westlichen Hügelkette, die das Niltal zur Wüste begrenzt. Kurze Zeit später ist es stockfinster, der Mond ist noch nicht aufgegangen und das Schiff macht weiterhin volle Fahrt. Wir unterhalten uns darüber und vermuten ausgeklügelte Radartechnik, denn es gibt keine Fahrwasser- bzw. Leuchzeichen auf dem Nil. Hinzu kommt, dass die Schiffe laufend die Flussseite wechseln, weil unsichtbare und sichtbare Sandbänke und Inseln immer wieder im Weg liegen. Vor dem Abendbuffet wird uns die Besatzung vorgestellt und dabei hören wir zu unserem Schreck, dass es keinerlei Radar an Bord gibt. Der Kapitän und sein Steuermann sind alte Hasen und haben sich auf dem Fluss hinaufgedient bis in ihre jetzige Position. Sie navigieren nur nach ihrer Erfahrung und kennen den Fluss wie die leere Sacktasche ihrer Galabia, das ist das hemdartige Kleidungsstück, das bis auf die Schuhe reicht. Bis wir am späten Abend in Esna anlegen, werden noch zwei Schleusen passiert. Freitag, 25. Januar 2002 Heute wird um 06:30 Uhr geweckt. Nach dem Frühstück, Landgang zum Tempel von Esna. Er wurde in der Römerzeit errichtet und dem widderköpfigen Gott Chnum gewidmet. Heute besteht er nur noch aus dem Säulensaal, deshalb dauert die Besichtigung insgesamt nur eine Stunde. Nachdem der letzte Gast an Bord ist, legt das Schiff wieder ab. Der Reiseführer hält jetzt einen Vortrag im Musiksalon über Kartuschen und Hyroglyphen. Kartuschen sind stehende Ovale mit einer untenliegenden Basis, die für die Erde steht. Verbunden ist diese Basis mit dem Oval durch einen symbolischen Papyrusbund. In eine Kartusche sind mit Hyroglyphen die Königsnamen eingetragen. Ein Pharao hat zwei Kartuschen, eine mit seinem Geburtsnamen und eine mit seinem Krönungsnamen. Seine Königin hat nur die Kartusche mit ihrem Geburtsnamen. Bis zum Mittagessen räkeln wir uns auf dem Sonnendeck. Um 12:50 Uhr legt das Schiff in Edfu an und zehn Minuten später startet unser Bus. Das erste Ziel sind die Felsengräber von El Kab. Wir besichtigen drei Gräber von Edlen, heute würde man sagen: ein General und zwei Minister. Im Gegensatz zu Königsgräbern, wo ausschließlich religiöse und höfische bzw. kriegerische Ereignisse dargestellt sind, wird hier das Leben des Volkes und der Arbeitswelt gezeigt. Natürlich in Verbindung mit dem Abgaben- bzw. Steuerwesen, denn die Bestatteten hatten ja damit zu tun. Durch die dauernde Dunkelheit sind die Mineralfarben, mit denen die Reliefs koloriert waren, weitestgehend erhalten geblieben. Von hier aus geht es zurück nach Edfu zur Tempelanlage des Horus. Der Tempel in Edfu ist die best erhalltene klassische Tempelanlage Ägyptens. Bis auf die Sphingenallee ist alles vorhanden. Auch die Säulenhallen und das Allerheiligste ist noch vollständig mit dicken Quadern eingedeckt. Er ist in seiner Vollständigkeit und mit den vielen Reliefs sehr sehenswert. Zwei Stunden hat die Führung durch Sameh gedauert und erst um 16:50 Uhr sind wir wieder an Bord. Uns werden Erfrischungen in Form von heißen Tüchern und heißem Tee gereicht, bevor wir wieder unsere Liegestühle an Oberdeck eingenommen haben. Anschließend läuft das gleiche Programm wie am Vortag ab, das heißt, während der Fahrt die Nillandschaft genießen. Am Abend wird zum „candle-light-dinner“ geladen. Das Bordrestaurant ist nur mit Kerzen beleuchtet und nachdem der, nach Art des Traumschiffes mit Kerzen dekorierte, Hauptgang serviert ist, gleitet unser Schiff nah am Ufer an einer beleuchteten Felsengrabanlage vorbei. Später, beim betreten unserer Kabinen sind wir erst einmal sprachlos. Jeden Tag werden die Bettdecken in anderer Form gefaltet, aber heute schießen die vier drappierten Schwäne den Vogel ab. Ein Schwan hat sogar Brigittes Sonnenbrille auf. Wir müsen diese schönen Stoffgebilde leider zerstören wenn wir ins Bett wollen. (Bild Schwäne) Während wir schlafen fährt das Schiff weiter durch die Nacht und legt in den frühen Morgenstunden in Assuan an. Samstag, 26. Januar 02 Heute beginnt der Tag wieder früh. Der Wecker reißt uns um 05:30 Uhr aus dem Schlaf, kurz darauf weckt das Kabinenpersonal durch klopfen an der Tür. Der Bus bringt uns schon zwei Stunden später zur Besichtigung des Tempels der Gottesmutter Isis nach Philae. Nein, das ist nicht ganz richtig, er bringt uns zum Bootsanleger südlich des alten 1902 gebauten Dammes, denn den Tempel kann man nur per Boot erreichen. Als Perle des Nils wurde der Tempel der Isis, Schwestergemahlin des Gottes Osiris und Mutter des Gottes Horus, auf der Insel Philae berühmt. Der alte, 1902 von den Engländern gebaute Damm setzte den Tempel jährlich für mehrere Monate unter Wasser, was heute noch an dunklen Verfärbungen im Gestein zu sehen ist. Erst bei der Projektierung des Hochdammes, ca fünf Kilometer weiter südlich, und der Rettungsaktion für Nubiens Baudenkmäler, plante man den Umzug des Heiligtums auf die höher gelegene Nachbarinsel Agilkia. Die wichtigsten Bauwerke von Philae wurden in ca. 40 000 Blöcke von 2 – 25 t Gewicht zersägt und in Sichtweite auf Agilkia wieder aufgebaut. Leider wurden in der Frühzeit des Christentums, nachdem es im Jahre 380 zur römischen Staatsreligion erklärt wurde, auch in diesem, wie in vielen anderen Tempeln, die „heidnischen“ Bilder zerstört. Als nächstes fahren wir zum 500 km langen Nassersee, also die Wasserfläche, die durch den Hochdamm aufgestaut wird. Auch hier heißt es wieder, umsteigen in Bootstaxis und Fahrt zum Kalabscha-Tempel. Der Tempel von Kalabscha aus der Römerzeit, der dem nubischen Gott Mandulis geweiht ist, stand ursprünglich ca. 50 km weiter südlich und fand hier, zusammen mit dem Kiosk von Kertassi und dem Felsentempel von Beit-elWali, in nächster Nähe zum Hochdamm eine neue Heimat Beim Umsetzen kam ein älteres Tor zum Vorschein, dass heute als „Kalabscha-Tor“ im Ägyptischen Museum in Berlin steht. Es wurde der Bundesrepublik von Ägypten als Dank dafür überlassen, dass die gesamten Umzugskosten für Kalabscha von Deutschland bezahlt wurden. Die Dammkrone des Hochdamms war das nächste Ziel, danach fährt der Bus zu einer Essenzenfabrik. Essenzen sind der Grundstoff für Parfüm. Es sind Öle und Ölmischungen von diversen Blüten und Pflanzen. Ägypten hat keine eigene Parfümindustrie, liefert aber die Essenzen nach Frankreich. Assuan ist für seine Essenzen genauso berühmt wie Grasse in Frankreich für sein Parfüm. Nachdem wir Duft für die nächsten Jahre erstanden haben, geht es weiter zum unvollendeten Obelisk. Der größte aller Obeliske sollte er werden. Im weit fortgeschrittenen Entstehungsprozess machte ein Riss dem ehrgeizigen Projekt ein Ende. Die monumentale Tempelschmucknadel wäre 42 m hoch gewesen, hätte ein Gewicht von 1168 t gehabt und wäre auf eine Grundfläche von 17,64 m2 gestellt worden. Alles in einem Stück, mit Dolerit-Steinhämmern herausgearbeitet, mitten im Steinbruch in den Fels gebettet, hätte sie mit den damaligen Hilfsmitteln zum Bestimmungsort geschaft werden müssen. Man kann es sich nicht vorstellen. Um halb zwei Uhr sind wir wieder an Bord. Ein fakultativer Ausflug mit dem Bus durch Assuan startet später. Es beginnt mit einer Stadtrundfahrt, Besuch einer Moschee, weiter zum Aussichtspunkt über den Katarakten beim „Old Cataract Hotel“ wo Agatha Christie ihren Roman „Tod auf dem Nil“ geschrieben hat. Es schließt sich ein Bummel durch den Bazar von Assuan an, mit dem Besuch eines Teehauses und dem Proberauchen einer Wasserpfeife (nur für den, der es nicht lassen kann). Wohlweislich nehmen wir nur wenig Geld mit und geben auch alles für Gewürze und Nüsse aus. Es ist Vollmond über den Gassen der Stadt. Sonntag, 27. Januar 02 Ein ereignisreicher Tag beginnt, es geht nach Abu Simbel. Aufstehen um 02:40 Uhr. Vierzig Minuten später Abfahrt zur Konvoi-Sammelstelle. Für unseren Reiseführer Sameh ist es wie ein Schock. Im letzten Jahr sammelten sich in dieser abgesperrten Straße 60 bis 80 Busse und etliche Kleinbusse und Taxen. Heute sind die zwei Busse unseres Schiffes allein und bis zur Abfahrt um 04.15 Uhr treffen nur noch ein paar PKW ein. Heute ärgert mich die ständige Präsenz unserer Bodyguards. Auf der nächtlichen Straße stehen alle hundert Meter Polizisten mit schusssicherer Weste und Maschinenpistole, um uns gegen das Umfeld abzusichern. Wir müssen während der gesamten Wartezeit im Bus sitzen und dürfen uns nicht einmal in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs die Beine vertreten, zu groß ist die Vorsicht der Verantwortlichen. Unter diesen Umständen fühle ich mich nicht beschützt, sondern bewacht. Zur Abfahrt setzt sich ein Uniformierter zu uns in den Bus hinter den Fahrer, dann geht es los. Die Strecke führt 300 km durch die Wüste in Richtung Sudan. Unterwegs erleben wir den Sonnenaufgang über den Dünen und erreichen um 07:30 Uhr die Tempelanlage von Abu Simbel. Hätte sich die UNESCO nicht für die Rettung der Tempel in Nubien eingesetzt, wären sie alle im neuen Stausee versunken. Einige konnten gerettet werden, vor allem die spektakuläre Versetzung von Abu Simbel interessierte die Weltöffentlichkeit im Jahre 1972. Weil der große Tempel des Ramses II und der kleine Tempel seiner Frau Nefertari in einen Berg gehauen waren, musste der Berg, bis nahe an den Tempel und die Figuren heran, abgetragen werden. Anschließend wurde alles in bis zu 30 t schwere Blöcke zersägt, was die Figuren und Tempelwände betraf, sogar per Hand. Dann wurden die nummerierten Einzelteile auf ein höher gelegenes Plateau geschafft und zwischengelagert. Als der ursprüngliche Standort schon überspült war, begann der Neuaufbau 64 m höher und 180 m landeinwärts. Gigantisch wirken die vier Sitzfiguren die den Eingang zum großen Tempel von Abu Simbel flankieren. Sie zeigen alle Ramses II, den größten Bauherren Ägyptens, der sich selbst zum Gott erhob. Neben und zwischen seinen Beinen stehen die Figuren seiner Lieblingsfrauen und Lieblingskinder. Wir sind von den gewaltigen Figuren des Ramses beeindruckt, Brigitte hatte sie sich nicht so groß vorgestellt. Zwei mal im Jahr, am 21. Februar und am 21. Oktober, dem Geburtstag und dem Krönungstag Ramses, reicht das Licht der Sonne durch den 55 m tiefen Tempel bis in das Allerheiligste, wo es die Götterfiguren beleuchtet. Nur die Statue des Gottes ....... ?? Herr des Totenreiches bleibt im Dunkel. Szenen der Siege über seine Feinde, ja ein ganzer „Kriegsfilm“ schmückt die erste Halle. Tiefer im Tempelinneren überwiegen Kultdarstellungen. Neben Ramses Tempel steht der Tempel seiner Gemahlin Nefertari. So wie er sich selbst zum Gott erhob, machte er seine Frau in Abu Simbel zur Liebesgöttin Hathor. Viele Figuren und Reliefs zeigen Hathor bzw. Nefertari als Hathor. Weil wir die ersten Besucher sind, gelingen uns Fotos von den Tempelfassaden ohne Touristen! Bevor es richtig warm wird geht es wieder zurück nach Assuan und zum Schiff. Am Nachmittag steht der Ausflug zum St. Simeonskloster auf dem Programm. Es liegt in Höhe der Elephantine-Insel auf der Westseite des Nils, etwa eineinhalb Kilometer vom Ufer entfernt. Das bedeutet, dass wieder Motorbarkassen bestiegen werden, die uns nilaufwärts an das gegenüberliegende Ufer bringen. Dort wartet schon eine Kamelherde von ca. 90 Tieren mit ihren Kameltreibern. Wir werden nacheinander den Treibern und ihren Tieren zugeteilt und das Schauspiel, wie Kamele auf Kamele steigen, beginnt. Die beruhigende Tatsache, dass die Tiere liegen und der Sattel relativ leicht in Besitz genommen werden kann, täuscht über die Prozedur beim Aufstehen der Tiere. Erst kommt das Hinterteil empor, und wenn man nicht darauf vorbereitet ist, fliegt man vor den vorderen Sattelknauf, wenn nicht sogar weiter vornüber. Dann streckt das Tier die Vorderbeine und man fliegt wieder nach hinten. Dann werden die Hinterbeine vollends gestreckt und man ist plötzlich so hoch, dass der Wunsch, panikartig das exotische Tier zu verlassen, im Keim erstickt wird. Wenige Minuten nachdem das sogenannte „Wüstenschiff“ sich in Bewegung gesetzt hat, lässt die Panik nach und der Körper beginnt die wiegende Bewegung auszugleichen. Ich habe jedenfalls den Kamelritt zum St. Simeonskloster als interessante Erfahrung genossen. Es schließt sich noch eine Besichtigung des nubischen Dorfes auf Elephantine an, bevor uns die Boote zum Schiff zurückbringen. Wir sind zu spät dran, deshalb wird in Windeseile abgelegt. Der Bug des Schiffes zeigt nun flussabwärts, das nächste Ziel ist die Stadt Kom Ombo. Montag, 28. Januar 02 Als wir erwachen liegt das Schiff nur wenige Meter vom Doppeltempel entfernt am Flussufer vertäut. Um 09:00 Uhr beginnen wir mit der Besichtigung des einzigen Doppeltempel Ägyptens. Die Anlage ist in der Längsachse symmetrisch geteilt, die nördliche Hälfte ist dem Horus und die südliche dem krokodilsköpfigen Sobek geweiht. In dieser Anlage konnte Sameh uns die fünf Bautechniken bzw. Versatztechniken der Mauern und Decken an Beispielen erklären. Nach der Rückkehr aufs Schiff, legte es kurz vor Mittag ab, um irgendwann in der Nacht wieder Luxor zu erreichen. Den Rest des Tages nutzen wir zum Sonnenbaden, Lesen und schlafen. Selbst die Galabia-Party, die Abends im Musiksalon steigt, muss ohne unsere Anwesenheit auskommen. Das orientalische Buffet haben wir uns allerdings nicht entgehen lassen. Die Farbenpracht der Speisen erfreute unsere Augen und auch der Gaumen kam nicht zu kurz. Heute war etwas, allerdings nur etwas, kräftiger gewürzt und es schmeckte alles was wir probierten. Die Kuchen zum Nachtisch waren Brigitte allerdings etwas zu süß. Dienstag, 29 Januar 02 Heute fängt der Tag wieder früh an. Die Busse fahren schon um 07:00 Uhr nach Theben-West in den Bereich der Gräber und Totentempel. Der erste Stopp ist bei den Memnon-Kolossen. Die beiden 18 m hohen Sitzfiguren sind stark von Erdbeben geschädigt und verwittert, weshalb jetzt die rechte Figur für Restaurierungsarbeiten eingerüstet ist. Als nächstes halten wir am beeindruckenden Totentempel der Hatschepsut. Inzwischen ist Brigitte die Namensträgerin der Hatschepsut und somit besucht die Gruppe „ihren“ Tempel. Hier war das Massaker, der vermutlichen Fundamentalisten, an einer Touristengruppe, dass den ersten Einbruch im Tourismusgeschäft Ägyptens auslöste. Durch den 11. September letzten Jahres ist es fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Weiter geht es, vorbei an zahllosen Alabasterwerkstätten, zum Tal der Könige. Hier kann man mit einem „Töff-Töff“ genannten Traktorenzug mit Anhängern ca. einen Kilometer weit in das Tal hineinfahren. Die Bergflanken sind mit Geröll und Erosionsschutt übersät, dazwischen immer wieder Eingänge zu den Gräbern im Berg. Insgesamt wurden bis jetzt 62 Gräber entdeckt und sind abwechselnd zu besichtigen. Wir besuchen geführt die Gräber von Ramses IX und Ramses IV, anschließend alleine Ramses III. Auf der Rückfahrt hält der Bus beim staatlichen Papyrus-Institut. Es wird die Herstellung von Papyrus demonstriert, Motive und Maltechniken erklärt und dann sind wir mitten in einer Verkaufsveranstaltung. Brigitte und ich halten uns abseits des Geschehens, denn Achmed Mensch Meier hat uns ja am ersten Abend schon zur Papyrus-Konkurenz geschleppt, daher sind wir versorgt. An Bord gibt es verspätet Mittagessen. Am Spätnachmittag steht dann der „kleine“ Luxor- Tempel auf dem Programm, der dem Gott Amun geweiht ist. Er war ursprünglich durch eine drei Kilometer lange Sphingenallee mit dem Karnak-Tempel im Norden verbunden. Auch hier hat Ramses II gebaut und sich dabei nach Kräften verewigt. Vor dem Eingangspylon ließ er einst zwei Obelisken aufstellen. Einer davon steht heute auf dem Place de la Concorde in Paris. Noch während der Führung flammen die Scheinwerfer zur Beleuchtung der Tempelanlage auf, was später bei völliger Dunkelheit ein ganz fantastisches Bild ergibt und eine anrührende Stimmung erzeugt Mittwoch, 30. Januar 02 Heute können wir ausschlafen, erst am späten Vormittag startet die Felukenfahrt zur Bananeninsel. Feluken, das sind Nil-Segelschiffe mit breitem jollenartigem Rumpf, einem Senkschwert zur Verringerung der Abdrift und einem Lateinersegel für den Antrieb. Dieses Lateinersegel hat mich in seiner Einfachheit und unkomplizierten Bedienung beeindruckt. Nur das Bergen des Segels ist etwas umständlich, weil es an der sehr langen Rah angeschlagen bleibt und ein Matrose am Mast und der Rah emporklettern muss, um das Segel mit einer langen Leine in Schlingen bei zu bändseln. Das Setzen ist dagegen sehr einfach, weil an der Bändselleine nur kräftig gezogen wird wobei die Schlingen sich öffnen um das Segel freizugeben. Als der Bus die Gruppen I und II am Anleger gegenüber dem Luxor-Tempel ausspuckt, herrscht fast vollkommene Windstille. Über das geröllige Ufer entern wir vier Feluken. Weil sie unmotorisiert sind, bin ich gespannt wie es weitergeht, denn die Bananeninsel liegt Stromaufwärts. Ein Segeln gegen den Strom halte ich unter den gegebenen Umständen für unmöglich. Die Bootsleute stoßen die Boote vom Ufer ab bis sie träge im Fluss treiben. Da kommt flussaufwärts ein Schlepper und nimmt die vier Felucken auf den Haken. Bei der Bananeinsel wirft er die Schleppleine los, danach steuern die Bootsführer das Ufer an. Wir befinden uns jetzt auf einer Halbinsel mit Bananenplantage und vielen blühenden Mangobäumen. An den Bananenstauden kann man die Entwicklung von der Blüte bis zur Frucht sehr gut sehen, weil es Stauden in jedem Reifestadium gibt. Die Rückfahrt findet segelnd statt. Es wird mit dem Strom, gegen den jetzt vorhandenen Wind gekreuzt. Der Rest des Tages wird zum Relaxen und Sonnenbaden genutzt. Abends richten wir unser Gepäck, denn morgen ist frühes Aufstehen angesagt. Donnerstag, 31. Januar 02 Um 04:30 Uhr aufstehen, Koffer um vor die Kabinentür, frühstücken, auschecken, Busfahrt zum Flughafen. Start in einer nagelneuen Boeing 777-200 und 50 Minuten später die Landung in Kairo. In der Ankunftshalle erleben wir die völlige Abwesenheit von Organisation. Die Verantwortlichen diskutieren gerne, lautstark und lange, dadurch löst sich das Chaos aber nicht auf. Man kann sich nur wundern, dass hier überhaupt etwas funktioniert. Aber oh Wunder, nach einer Stunde sitzen wir tatsächlich in einem Bus und sogar unser Gepäck ist inzwischen verstaut. Das Verkehrschaos vor der Ankunftshalle, die Busse können nicht vorfahren, es wuseln alle möglichen Fahrzeuge durcheinander, die Polizei schaut diskret weg, ist die richtige Einstimmung auf diesen Moloch von Stadt. Hier scheint es keine Regeln zu geben, nein nicht ganz richtig, eine junge Frau aus Kairo informiert uns über die beiden einzigen Verkehrsregeln: „Wenn die Ampel rot zeigt, kann man, wenn sie grün zeigt, muss man fahren.“ Die Fahrt führt direkt zum Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo. Hier ist ein so großer Besucherandrang, dass die Führung zum Stress wird und wir uns fragen wie es wohl bei 100% Tourismus sein würde. Ein Besuchermagnet ist die Abteilung Tutenchamun mit den fantastischen Grabbeigaben. Es ist ein Glücksfall, dass dieses Grab nicht ausgeraubt wurde und deshalb ein kompletter Pharaonenhauhalt der Nachwelt erhalten blieb. Die Exponate reichen vom zweirädrigen Streitwagen über Möbel, Hausrat, Leibwäsche, Schmuck, die ineinander geschachtelten Sarkophage bis zur weltbekannten Totenmaske. Brigitte und ich haben diese Abteilung zwei mal aufgesucht. Im Hotel Pyramisa checken wir um 14:00 Uhr ein, für uns zwei eine ca. 60 m2 große Suite mit zwei Schlaf- und zwei Badezimmern. Auch hier merkt man die schwache Auslastung. Ab 19:00 Uhr steht eine nächtliche Stadtrundfahrt mit Bazarbummel, Teehausbesuch und Bootsfahrt auf dem Nil auf dem Programm. Die Fahrt durch das beleuchtete Kairo bietet ein anderes Bild der Millionenstadt. Vom Schmutz ist nichts zu sehen, viele Gebäude sind effektvoll angestrahlt, die Stadt ist ein buntes Lichtermeer. Eine Studentin ist heute Abend unsere Stadtführerin und bringt uns ihre Heimatstadt näher. Sie spricht über statistische Daten, erklärt Gebäude, Moscheen, Sehenswürdigkeiten an der Fahrtstrecke. Sie gibt Verhaltenstipps für die Bazare und erzählt vom Lebensstil der Jugend in Kairo, natürlich der studentischen Jugend bzw. der Schicht, die nicht zu den Armen von Kairo gehört. Der Bazar, den wir besuchen, ist angenehm für uns Touristen, weil wir zwischen den Einheimischen in der Minderzahl sind. Auch sind die Händler nicht so aggressiv um Kunden bemüht, was zu einer entspannten Atmosphäre beiträgt. Wir genießen das Schlendern durch die kleinen Gassen. Hier überwiegen Gold- und Silberschmiede, Schmuck- und Lederwaren neben dem Angebot an Stoffen, Kleidung, Obst und Gemüse, sowie Backwaren die man auf jedem Bazar findet. Während wir vor dem Teehaus sitzen, Tee trinken und Fladenbrot mit Gemüsefrikadelle essen, zieht eine Hochzeitsgesellschaft über den Platz. Braut und Bräutigam sehen aus wie einem Modehaus in Deutschland entstiegen, ja die ganze Hochzeitsgesellschaft ist so wie wir es auch kennen. Nur die Musiker unterscheiden sich durch ihre orientalischen Instrumente, mit denen sie ohne Verstärker mühelos den Lärm auf dem Platz übertönen und einen Rhythmus trommeln der in die Beine geht. Von Zeit zu Zeit stimmen die Brautjungfern ein schrilles Zungenstakkato an, das durch Mark und Bein geht, man hat so etwas ja schon mal in Filmen wie Laurenz von Arabien gehört. Später, auf der Bootsfahrt durch die beleuchtete Stadt, entlang an internationalen Hotels und Sehenswürdigkeiten, ereilt uns Unvorhergesehenes. Das Motorboot, auf dem Brigitte und ich Platz genommen haben, wird langsamer und bleibt schließlich stehen. Wir denken erst, der Skipper will dem Nachbarboot zu Hilfe kommen, aber es ist umgekehrt. Wir sind auf eine Sandbank aufgelaufen. Das zweite Boot versucht, sich an uns heran zu staken um eine Leinenverbindung herzustellen, was aber misslingt weil es zu viel Tiefgang hat. Nun kommt unser Bewacher-Polizei-Schlauchboot angebraust. Es ist flach genug um an unserem Bug fest zu machen, aber nicht stark genug um uns rückwärts von der Sandbank frei zu schleppen. Nachdem auch abschieben mit Stangen keinen Erfolg zeigt, springt ein Matrose über Bord und schiebt, bis zum Bauch im Wasser stehend, unser Boot wieder frei. Er schafft es allerdings nicht mehr rechtzeitig an Bord zurück zu kommen und wird deshalb vom Polizeiboot aufgenommen und zu uns zurückgebracht. Die weitere Tour verlief ohne Zwischenfälle. Zurück im Hotel, geraten wir in der Lobby erneut in den Auftakt einer Hochzeit und können von der Empore im ersten Stock dem Treiben zusehen bis sich die Gesellschaft in ein Hotelrestaurant zurückzieht. Freitag, 01. Februar 02 Heute holt uns der Reiseführer Sameh, der nur einige hundert Meter entfernt mit seiner Familie wohnt, mit dem Bus um 08:00 Uhr ab. Das erste Ziel ist die ehemalige Hauptstadt des ägyptischen Reiches „Memphis.“ Es sind nur noch Fragmente einstiger Gebäude und Skulpturen erhalten. Unter anderem eine liegende Kolossalstatue Ramses II aus Basalt, für die eigens ein Museumsgebäude errichtet wurde. In einem kleinen Park steht eine schön gearbeitete Alabastersphinx, mehrere Basaltsarkophage, Säulenfragmente und noch eine 12 Meter hohe Ramses II Figur. Das nächste Ziel ist die Stufenpyramide von Sakkara. Dieses Mausoleum des Königs Djoser ist nicht nur die älteste – etwa 2670 v. Chr. – sondern auch der früheste Monumentalbau aus Stein. Laut Aussage von Sameh ist die Stufenpyramide keine Pyramide sondern eine Stufenmastaba. Mastaba ist das arabische Wort für „Bank.“ Auf steinernen Mastabas sitzen die Einheimischen vor ihren Häusern, aber die steinernen würfelförmigen Grabkammern heißen genauso. Dieser Pyramidenvorgänger war ursprünglich eine riesengroße Mastaba, darauf wurde noch eine gebaut, schließlich setzte der Architekt, der Oberpriester Imhotep, noch eine und noch eine obendrauf, insgesamt sechs. So war der Prototyp einer Pyramide geboren. Nach zehn Minuten mit dem Bus, erreichen wir eine richtige Mastaba, die unterirdische Grabstätte eines hohen Beamten. Im Inneren können wir farbige Reliefs bewundern, die das Alltagsleben der damaligen Zeit darstellen. Zum Mittagessen fahren wir nach Gizeh. Vom Restaurant haben wir einen schönen Ausblick auf die Cheops- und Chephrenpyramide. Das nächste Ziel, die Zitadelle und die Mohammed-Ali-Moschee genannt Alabastermoschee, liegt im Osten der Stadt auf dem 75 m hohen Rand des Niltales. Der Besucherandrang ist enorm, denn heute ist Freitag, für die Moslems gleichbedeutend wie für uns der Sonntag. Es ist keine Gebetszeit, trotzdem sind viele Besucher in der Moschee und sehen sich den prachtvollen Innenraum an, genau wie wir. Von der Terrasse hat man einen guten Überblick über das Häusermeer von Kairo, das im Smog am Horizont verschwimmt. Man mag sich die Geschäftigkeit, das Verkehrschaos, die Stadtautobahnen und Überführungen, die Moscheen, das Fehlen einer geregelten Müllentsorgung, die Industrie ohne Filteranlagen, kurzum Kairo mit 14 Millionen Einwohnern selbst vorstellen. Ich persönlich möchte hier nicht wohnen, das trifft aber wahrscheinlich für alle Metropolen dieser Welt zu. Ich bin eben kein Stadtmensch. Samstag, 02. Februar 02 Nachdem wir ausgecheckt haben, das Gepäck im Bus verstaut ist, heißt das erste Ziel: Die Pyramiden von Gizeh. Heute morgen durchdringt kein Sonnenstrahl die Wolken und den Dunst über der Stadt und deshalb stehen die Pyramiden grau in grau in der Landschaft. Erst später, nachdem der Wind den Himmel putzt, bekommen die dreieckigen Flanken Struktur und Tiefe und die exakte Nord-Süd Ausrichtung kann man erahnen. Wenn man als kleines Menschenwesen vor diesen künstlichen Bergen steht, kommt unwillkürlich die Frage nach dem Warum auf. Was hat die Pharaonen bewogen, so viel „Menschenarbeitsjahre,“ manpower ist heute das Schlagwort, für ein Grabmal aufzuwenden. Die Pharaonen mussten sofort nach Amtsantritt die Pyramidengräber in Auftrag geben. Die größte, die Cheopspyramide und die unwesentlich kleinere Chephrenpyramide bestehen aus über 2 Millionen Steinquadern von 25 t an der Basis bis 2,5 t im oberen Teil des Bauwerks. Während der 23 jährigen Regierungszeit Cheops mussten z.B. jeden Tag durchschnittlich 240 Blöcke von einem durchschnittlichen Gewicht von 2,5 t gebrochen, behauen, transportiert und eingefügt werden. Einen Teil nahm man aus unmittelbarer Nähe, der feinere weiße Kalkstein für die Verblendung wurde bei Hochwasser wurde von der anderen Nilseite mit Booten herbeigeschafft und der Granit für die Grabkammern kam gar von Assuan aus Oberägypten. Es wird geschätzt, dass sich ca. 4000 Arbeitskräfte gleichzeitig an den Pyramiden abplagten. Der Bus bringt uns anschließend noch zu einem Fotostandort, wo alle drei Pyramiden, auch die kleinere Mykerinospyramide, zusammen auf eine Platte gebannt werden können. Auf der Fahrt zur Chephren-Sphinx am Fuße des Plateaus, durchschießt Pharaos Rache meine Eingeweide. Innerhalb einer viertel Stunde geht es mir ausgesprochen schlecht. Hier, nach der Besichtigung der Sphinx, verabschieden wir unseren sehr kompetenten Reiseführer Sameh, der uns die letzten 11 Tage begleitet hat. Für die sechsstündige Fahrt werden zwei Toilettenpausen angekündigt, die erste bei einer Tankstelle außerhalb Kairos und die zweite in einem Restaurant am Roten Meer. Wieder muss sich der Bus durch den stockenden Verkehr Kairos quälen und ich meine schon, die Toiletten ohne Malheur nicht mehr zu erreichen. Ich sitze mehr oder weniger neben mir und kann die Fahrt gar nicht genießen, aber schließlich, bei Anbruch der Dunkelheit ist das Ziel, das Grand-Hotel Hurghada erreicht. Das tolle Abendbuffet fällt für mich aus, statt dessen nehme ich die vorsorglich gekauften Medikamente ein und freue mich über ein hygienisch einwandfreies Badezimmer. Sonntag, 03. Februar 02 Heute geht es mir etwas besser und ich frühstücke ein wenig. Den Rest des Tages verbringen wir auf Liegestühlen am Strand und lesend auf der Terrasse. Brigitte geht alleine zum Buffet. Montag, 04. Februar 02 Heute fühle ich mich wieder fit. Noch in der Dunkelheit, beim ersten Rufen des Muezzin, reiße ich die Terrassentür auf, um die kühle Nachtluft herein zu lassen. Nach dem Frühstück erkunden wir zu Fuß einen Teil des neuen Hotel-Hurghadas. Man könnte für ein ägyptisches Pfund „LE,“ das entspricht 0,25 Euro, ein Sammeltaxi anhalten, aber wir haben ja Zeit. Nach ca. vier Kilometern sind wir wieder zurück, haben nur einen Bruchteil der Hotels, Hotelneubauten, stillliegenden Baustellen gesehen und sind uns einig, hierher kommt man nur wegen der paradiesischen Hotelanlagen, der Sonne und dem azurblauen Roten Meer. Unterwegs sahen wir ein Internet-Café und ich gehe anschließend zurück um der modernen Kommunikation zu frönen. Der Rest des Tages läuft ab wie gestern. Dienstag, 05. Februar 02 Um 04:00 Uhr wird geweckt. Frühstück, auschecken, Gepäck identifizieren, dann Abfahrt nach Safaga zum Sammelplatz für den Konvoi durch die östliche Wüste nach Luxor. Während der Wartezeit in Safaga, erleben wir noch einmal, wie so oft in diesem Urlaub, den Sonnenaufgang. Punkt 07:00 Uhr setzen sich ca. 60 Busse und einige PKW in Bewegung, eingefasst von den Pik- up der Touristenpolizei. Wir fahren durch das Küstengebirge mit seinen von der Morgensonne rotglühenden Spitzen. Auf halber Strecke wird eine Pause eingelegt. Man stelle sich den Toilettengang von ca. 60 Busladungen Touristen vor, erfreulicher Weise war ich nicht mehr darauf angewiesen. Um 11:00 Uhr wird die Stadt Luxor erreicht und für zwei Stunden relaxen wir auf dem Sonnendeck eines Hotelschiffes, bevor es zum Flughafen und damit nach Hause geht. Um 21:15 Uhr holen uns die Kinder vom Flughafen ab.