Im
Winterhalbjahr 2002/2003 habe ich einen Ducato-Kastenwagen Bj. 2000 zu
einem Reisemobil für zwei Personen ausgebaut.
Inzwischen liegen einige
Reisen schon in der Vergangenheit. So zum Beispiel nach Korsika,
Slovakien, Mosel - Elsass - Kaiserstuhl, Spanien - Portugal, Estland -
Lettland - Littauen - Polen, Ungarn und einige Kurzreisen in
Deutschland.

Das Bild zeigt unser WOMO in Nord-Lettland auf dem Zeltplatz Vejavas an der Ostseeküste.
Unser Wohnwagen war in die Jahre gekommen, ebenso unser Zugfahrzeug. Weil die Kinder inzwischen urlaubsmäßig ihre eigenen Wege gehen, standen Überlegungen über eine Verkleinerung unseres Reiseequipments ins Haus.
Für das tägliche Gebrauchsauto sollte ein
Kleinwagen von nun an ausreichen. Der Wohnwagen wurde verkauft und
bekommt nun sein Gnadenbrot auf einem Dauerstellplatz in Griechenland.
Damit war die Zeit gekommen für Kreuzfahrten, Wander- und
Fahrradurlaube oder Flugreisen. Aber, leider ist man ja nie zufrieden.
Ein ganz alter Wunsch, nach einem eigenen Wohnmobil, regte sich wieder.
Im Jahre1972 hatten wir mit einem, provisorisch hergerichteten, DB 204
für einen Sommer lang erste Erfahrungen in dieser Richtung
gemacht.
Durch unsere letzten gemeinsamen Urlaube mit den Kindern in
Kanada und USA brach dieser Virus wieder aus.
Es sollte ein handliches Gefährt für zwei Personen
sein, dass noch in eine nicht zu kleine Parkbox passt, aber unserem
Alter angemessen einen bescheidenen Komfort mit festen Betten und
Nasskabine aufweist.
Zuerst dachten wir an ein gebrauchtes WOMO und begannen die
einschlägigen Händler und Internetseiten
abzuklappern.
Nach ca. einem Jahr Recherchen und Besichtigungen hatte sich noch
nichts Konkretes ergeben.
Entweder waren die Fahrzeuge zu teuer, zu alt, unzumutbar ausgebaut
oder ensprachen vom Grundriss nicht unseren Erwartungen.
Zeitgleich besuchten wir diverse Messen und Ausstellungen.
Dort verliebte sich Brigitte alsbald in den einen oder anderen
Teilintegrierten, der mit etwas größerer Breite als
beim Basis-Kastenwagen, ideal für zwei Personen geeignet ist.
Aber auch hier war der Preis für unsere Verhältnisse
nicht erschwinglich. Wir bekamen von dem einen oder anderen
Händler auch das Angebot, im Herbst einen Jahreswagen aus der
Vermietung zu erwerben. Obwohl wir in dieser Hinsicht nie in ernste
Verhandlungen eingetreten sind, glaubten wir, so etwas nicht bezahlen
zu können.
Nach meinen inzwischen gemachten Erfahrungen, muss ich sagen: Wer ein
professionell ausgebautes junges WOMO sein Eigen nennen möchte
sollte solch ein Angebot sehr wohlwollend prüfen.
Auf den Messebesuchen kristallisierte sich dann auch unser Grundriss heraus. Das Fahrzeug soll in erster Linie Reisemobil sein. Die Wohnraumgröße steht nicht im Mittelpunkt, eher der praktische Aspekt. Die Mobilgröße sollte uns nicht in der Auswahl von Routen oder Stellplätzen einschränken. (Wir nennen unser Reisemobil trotzdem WOMO ;-)
Im Einzelnen:
Festes Bett quer im Heck. Wir sind beide keine Riesen und mit 1,78 m
passe ich so eben hinein.
Davor auf der Fahrerseite die Nasskabine.
Daran anschließend die Essecke mit drehbarem Fahrersitz
Auf der Beifahrerseite die Küche und der Kleiderschrank. Je
nach Basisfahrzeug verschieden angeordnet weil die
Schiebetüren unterschiedlich eingebaut sind.
Mit solch einem Grundriss hat man auf kleinstem Raum alle Wohnbereiche fest eingebaut ohne abendliches Umbauen, wegklappen, hinklappen, Bettwäsche schleppen oder Leitern steigen.
In Deutschland sind die Arbeitskosten hoch, warum sollten sich
die Mannstunden nicht einsparen lassen wenn man einen Kastenwagen
selbst ausbaut?
Da ich unser Haus selbst gebaut habe, sollte ein Kastenwagenausbau auch
klappen.
Die Stadtbibliothek lieferte die ersten Literaturquellen zum
WOMO-Selbstbau und was dort an Arbeiten beschrieben war traute ich mir
schon zu.
Auch im Internet findet man diverse Seiten von Selbstausbauern. Ich
stieß u.a. auf die Seite von Andreas und Iris:"
Überlegungen vor dem Womoausbau"
(Link neben anderen auf der Seite Themen-Links).
Viele dieser Vorüberlegungen haben auch wir angestellt und uns
dann zum Kastenwagen-Ausbau entschlossen.
Jetzt fehlte noch ein Basisfahrzeug. Die Sucherei begann von neuem, bis wir im Sommer 2002 einen Fiat Ducato Bj.2000 mit 45 000 km auf dem Tacho und akzeptablen Gebrauchsspuren, günstig erwerben konnten.
Jetzt konnte das Vorhaben starten.

Vorab kann man sagen, dass die Kosten für ein rollendes Urlaubsgefährt von wenigen hundert Euro bis zum Kaufpreis eines fabrikneuen WOMO reichen können. Hier soll allerdings ein solides, mit durchschnittlichem Komfort ausgestattetes und weitgehend autarkes WOMO das Thema sein.
Ich glaube der Selbstbauer belügt sich gerne selbst,
wenn es um die Kostenabschätzung beim Selbstbau eines WOMO
geht.
Es ist aber auch verständlich, denn wenn es auch in erster
Linie um Kosteneinsparung geht, so sind Selbstbauer auch auf der Suche
nach Selbstbestätigung, sie sind Bastler mit Freude an der
eigenen Arbeit, sind Idealisten die sich etwas Besonderes schaffen
möchten, sind Träumer oder Spinner oder sonstwas.
Auf mich trifft jedenfalls das eine oder andere oben
Angeführte zu.
Der größte Fehler ist, vom Preis eines
Profi-Womo die geschätzten Personalkosten abzuziehen und als
Ersparnis zu verbuchen, weil man ja alles selber macht.
Dann könnte man ja auch sein Auto in allen Einzelteilen beim
Händler kaufen und in der Garage zusammenbauen, so spart man
sich die Montagekosten ;-)
Ich denke so blauäugig ist niemand, aber man erkennt
schon das Problem. Der Endverbraucher bekommt das Material bei allen
Tipps, Tricks und Verhandlungsgeschick nie zu Preisen wie die
Hersteller und Händler.
Weil man das weiß, beschönigt man sich die Kosten
mit dem Argument: "Ich brauche ja nicht alles neu zu kaufen. Es gibt
doch das Internet, die Foren, die Versteigerungsseiten, die
Kleinanzeigen in der Zeitung, oder den Wohnwagen an der Klagemauer des
Händlers."
Wer die ersten negativen Erfahrungen mit dem bundesweiten Net-Handel hinter sich hat, wer den Zeitaufwand berücksichtigt, wer merkt, dass Wohnwagenteile u.U. keine Zulassung für Wohnmobile haben, alte Gasgeräte noch mit einem Druck von 50 mbar arbeiten, in neu zugelassenen Fahrzeugen ab 01.01.2003 aber nur noch 30 mbar zugelassen ist, merkt auch bald dass hier nicht die großen Einsparungen zu reißen sind.
Wir haben als erstes eine Wunschliste erstellt und eingetragen
was u.E. unbedingt ins WOMO gehört. Davon ausgehend wurde die
Liste immer weiter verfeinert, bis wir von A wie Abwassertank
über B wie Befestigungsteile bis Z wie Zugverschluss aus
Kunststoff alles erfasst hatten.
Jetzt wurden die Kataloge gewälzt und die zugehörigen
Preise in unsere Liste eingetragen. Nun die Summentaste
gedrückt und.....viel zu teuer.
Was jetzt kam war das Ringen mit sich selbst, brauchen wir das
wirklich? Wenn ja, dann vieleicht in einer kleineren oder einfacheren
Version? Im Wohnwagen hatten wir auch keine
Heißwasserversorgung! Aber wir werden älter und sind
evtl. länger unterwegs, werden wir uns dann nicht
ärgern, darauf verzichtet zu haben?
So hechelten wir die ganze Liste durch.
Dann kamen noch 10% Verschnitt dazu, weil sowieso nicht alles in
passenden Mengen zu haben ist
Als Sicherheitspuffer wurde noch einmal 20% aufgeschlagen.
Das Ergebnis lautete:
8 500,- EUR
Brigitte bekam arge Bedenken. "Überleg doch mal, jetzt kommt noch der Preis für das Basisfahrzeug dazu und dann hast du die ganze Arbeit am Hals und am Ende steht noch der TÜV und dreht dir eine lange Nase. ich weiß nicht ob sich das lohnt."
Antwort:"Nein, nein, so teuer wird das nicht, wir haben doch alles aufgeschrieben was uns eingefallen ist und dann noch den Sicherheitspuffer eingerechnet, das ist wirklich das Maximum. Außerdem gibt es ja noch das Internet......(siehe oben ;-)"
Heute kann ich sagen, obwohl ich einen guten Händler
in der Nähe gefunden habe der mir immer mit Rat zur Seite
stand und ein gutes Barzahler-Skonto einräumte, obwohl ich die
beiden Komfortsitze mit Drehkonsole als dicksten Internet-Posten
günstig erwerben konnte, standen vor der TÜV-Abnahme
8159,04 EUR auf der Material-Rechnung
für den Ausbau.
Hier gehts weiter, beim
Ausbau des Kastenwagens
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